Lade Inhalte...

Kultur

Frau 4.0: Fliag, Hendl, fliag!

Von Ulrike Rubasch  04. März 2020 00:04 Uhr

Frau 4.0: Fliag, Hendl, fliag!
Drei Frauen aus Oberösterreich werden auf der Bühne zu TurboRosinen.

Der Käfig ist vor allem im Kopf. Die Kabarett-Gruppe TurboRosinen umkreist die Themen der modernen Frau mit gepfefferten Kabarettnummern und rüttelt dabei humorvoll an den Stäben des Käfigs, in dem die "Hochleistungsfrauen" nach wie vor sitzen.

Helene bringt Leichtigkeit und Herzenswärme mit, Daniela die Strukturiertheit und den unerschütterlichen Glauben an das Trio und Claudia ist als harte Verhandlerin und Tänzerin die dritte Säule der oberösterreichischen Kabarettgruppe TurboRosinen. Die Drei ziehen einen Schlussstrich unter das Patriarchat, laden jedoch die Männer ein, an der Seite der starken Königin ihren König zu stehen. Helene Stangl- Küllinger, Claudia Schächl und Daniela Strolz-Holzer lassen keine Klischees unbetrachtet: von Hochleistungsfrauen bis zum Frauenvolksbegehren. Wir baten Helene Stangl-Küllinger und Daniela Strolz-Holzer zum Interview.

 

Wie kam’s denn zum Programmtitel Frau 4.0 – Fliag, Hendl, fliag?

Stangl-Küllinger: Wir Frauen von heute sind emanzipiert, müssen alles bewältigen und schießen uns damit gleichzeitig ein Loch ins Knie. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und hab als Mädchen immer geträumt, dass ich unsere 4500 Hendeln in der Nacht einfach freilasse. Tatsächliche haben wir das Stück als eine Art Bestandsaufnahme, wie es uns als Frauen geht, genommen: wo wir hinwollen und wo die Befreiung ist. Da sind wir draufgekommen, dass ganz viel von dem, was uns befreien könnte, im Käfig im Kopf ist. Die althergebrachten Muster, die Dinge, die wir von der Gesellschaft oktroyiert bekommen, die Dinge, die wir glauben machen zu müssen, damit wir Anerkennung kriegen, dass wir funktionieren müssen. Dieses Türl des Käfigs im Kopf kann sich aufmachen. Das Hendl ist dabei das Symbol für die Hochleistungssuperfrau. Niemand fragt sie, wie es ihr geht. Aber muss sie jeden Tag ihr Ei legen? Ich glaub nicht!

Sind heute nur "Hochleistungsfrauen" echte Frauen?

Strolz-Holzer: Im patriarchalen System, gesellschaftlich gewollt: Ja. Du musst eine Hochleistungsfrau sein, weil du eine intakte Familie haben, eine super Liebhaberin sein sollst, einen tollen Beruf haben und den Haushalt in Schuss halten und dabei locker, entspannt und easy ausschauen sollst. Da haben wir uns in eine Sackgasse verfahren. Frauen, die das überlauert haben, was das System da mit ihnen macht, halten zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Dann brauchst du keine Hochleistungsfrau mehr zu sein.

Sie sprechen davon, dass die Frau eine Königin ist. Was heißt das für Sie?

Stangl-Küllinger: Das ist die Frau, die integer ist, zu sich steht und sagen kann: Ich hab jetzt das Bedürfnis nach weniger arbeiten, nach mehr Sex, nach mehr Geld. Und die Königin mag einen König. Ich glaube, die Männer bleiben beim herkömmlichen System nämlich genauso auf der Strecke.

Mögen Sie die Männer?

Strolz-Holzer: Wir sind alle plus/minus 20 Jahre verheiratet und haben einen entsprechenden Erfahrungsschatz. Ja, wir mögen die Männer, aber ein bisserl kriegen sie ihr Fett ab. Ein Mann, der reflektiert ist, sitzt im Kabarett und lacht. Unsere Männer haben uns sehr unterstützt und besuchen unsere Vorstellungen. Meine Söhne fragen mich beispielsweise die Texte ab – und sind stolz auf uns.

Wie kommen Sie zu den Kabarettnummern?

Strolz-Holzer: Jede Szene hat ihre Wurzeln im Leben einer von uns drei. Claudia und ich schreiben sie.

Wie wichtig sind für Sie Frauenfreundschaften?

Stangl-Küllinger: Total wichtig. Mit Freundinnen kann ich mich austauschen auf einer Ebene, die ich mit meinem Mann nie haben kann: Der wird mich in manchen Punkten nie verstehen. Weil er ein Mann ist, kann er nicht so denken wie ich – und ich will ja auch einen Mann! Das Schöne ist, wir können lernen als Planet A, der wir Frauen sind, den Planeten B der Männer zu verstehen. Und ja, auch Frauenfreundschaften haben ihre Krisen, aber das sind keine Zickenkriege, sondern wir finden Lösungen, wobei es Potenzial gibt, mit Krisen offener umzugehen. Männer gehen da viel direkter vor.

Wie hat es der Mann Karl Anton Lindner zu Ihrem Frauen-Trio geschafft?

Stangl-Küllinger: Er ist ein alter Freund von mir und kein typischer Testosteron-Mann, wir haben eine Gaudi mit ihm. Er hat komponiert, begleitet uns live am Piano, hat den dramaturgischen Bogen gespannt und letztendlich auch Regie geführt.

Sie selbst sind Mütter und vielseitig berufstätige Frauen. Sie haben in Ihr Programm eine gute Dosis Frauenpolitik verpackt. Wenn Sie in der Regierung sitzen würden, was würden Sie sofort ändern?

Strolz-Holzer: Ich würde Paaren, die ein Kind bekommen, für beide Eltern Teilzeit bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes verordnen, ich bin da radikal. Weil wenn du ein Kind bekommst, wirft es dich total zurück als Frau. Der Mann tut in seiner Karriere, als ob nichts gewesen wäre, und mich hat’s in die Steinzeit zurückgebeamt. Ohne zwei sehr willige Omas wäre ich heute nicht da, wo ich bin.
Stangl-Küllinger: Wenn sich eine Frau entscheidet, daheim bei den Kindern zu bleiben, sollte ihr dafür eine richtig satte finanzielle Zuwendung zustehen. Es soll ein goldener Lohn sein wie der der Metallarbeiter. Dieser kann allerdings nach acht Stunden heimgehen. Die Frau steht 24 Stunden in dem Getriebe und am Wochenende ist nix mit Füße ausstrecken und entspannen.

Sie scheuen sich offenbar nicht, Dinge zu fordern.

Stangl-Küllinger: Ja, wir müssen vieles leider noch einfordern. Es wird uns keiner sehen, wenn wir das Gesehen-Werden nicht einfordern. Und das ist schon ein dicker Auftrag in unserem Programm: Dass wir fordern. Wir dürfen das, ohne dass jemand sagt, das geht jetzt aber nicht. Strolz-Holzer: Wenn ich ein Mann wär, tät ich auch nix hergeben. Freiwillig geben sie uns nichts.

Wie gehen Sie mit dem Urteil der Männer um, Stichwort Emanze?

Strolz-Holzer: Mich hat einmal ein Mann gefragt, ob ich eh keine Emanze sei. Ich hab gelacht und gesagt: Doch, sogar eine studierte Emanze. Mit dem mach ich gute Erfahrungen: Die männlichen Zuschreibungen nicht annehmen, sondern umdrehen. Solche Begriffe sind von der Gesellschaft negativ konnotiert. Ich drehe diese gerne um und freu mich drüber.

Können Frauen über sich und ihren fordernden Alltag zu wenig lachen?

Stangl-Küllinger: Miteinander können wir schon lachen über unsere Blödheiten, dass wir zum Beispiel lange genug in so alten Mustern gehandelt haben. Ich hab den Anspruch nicht, dass ich perfekt sein muss.
Strolz-Holzer: Ich tu mir da ein bisschen härter, über mich selbst zu lachen. Ich frag mich gerade, ob es manchmal das Kratzen an der Überforderung ist, dass Frauen nicht viel Luft zum Lachen bleibt.

Haben Sie ein Motto, das Sie trägt?

Stangl-Küllinger: Mach dein Herz auf und geh dorthin, wo es dich hinführt.
Strolz-Holzer: Just do it! Frag nicht, mach’s einfach!

OÖN-Frauentag

Humorvoll rütteln die TurboRosinen in ihrem Programm „Frau 4.0 – Fliag Hendl, fliag“ an den Käfigstäben dieser „Hochleistungsfrauen“ – zu sehen und zu hören beim OÖN-Frauentag am 6. März, ab 17.30 Uhr.

Mehr Informationen und Programm auf frauenzeit.nachrichten.at

Interessieren Sie sich für dieses Thema?

Mit einem Klick auf das “Merken”-Symbol fügen Sie ein Thema zu Ihrer Merkliste hinzu. Klicken Sie auf den Begriff, um alle Artikel zu einem Thema zu sehen.

Artikel von

Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

Ulrike Rubasch
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

0  Kommentare expand_more 0  Kommentare expand_less