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Kultur

Das @: Wie heißt der Klammeraffe?

10. Januar 2011 00:04 Uhr

Wie heißt der Klammeraffe?
Das Symbol @ hat viele Namen, vom Klammeraffen bis zum Rüssel-a.

Ein kleines Symbol hat vor fast 40 Jahren die Welt der Kommunikation verändert: das @. Aber wie heißt es eigentlich? Auf Englisch „at“, weil die Domain folgt. Andere Sprachen gehen kreativer mit dem Zeichen um: Es wird als „Elefantenrüssel“, „Affenschwanz“, „Schlange“ oder „Maus“ bezeichnet. Auf Deutsch war lange der „Klammeraffe“ beliebt.

Bevor Ray Tomlinson das Zeichen 1971 erstmals verwendete, um den Namen des Nutzers von dem des Hosts zu trennen, wurde es in der Regel nur von Buchhaltern und Händlern als Maßeinheit verwendet. Für englischsprachige Nutzer ergab sich fortan eine logische Verschiebung des Begriffs weg von einer Menge hin zu einem Ort. „Es ist die einzige Präposition auf der Tastatur“, sagte Tomlinson in Cambridge, wo er seit Jahrzehnten für die Firma Raytheon BBN Technologies arbeitet.

In anderen Sprachen tauchten bei diesem Übergang die fantasievollsten Anspielungen auf – auf Tiere, Nahrungsmittel und Körperteile. Die meisten bezogen sich auf die verwirbelte Form des Zeichens. Sprachwissenschafter sind fasziniert und vergleichen die Einbindung des @ in die Sprachen als eine Art Rorschach-Test, einen in der Psychologie gebräuchlichen Test mit Tintenklecksen, in die jeder Betrachter etwas anderes hineininterpretieren kann.

Strudel und Rollmops

„Die Sprache sieht in dem Zeichen etwas aus der eigenen Kultur“, erklärt die Linguistin Karen Steffen Chung von der Universität von Taipeh in Taiwan. „Was den Menschen vertraut ist, variiert stark, und so kamen all diese verrückten Bezeichnungen heraus.“

Das Symbol ist in Israel ein „Strudel“ und in Tschechien ein „Rollmops“. Das „Hündchen“ in Russland wurde in Norwegen zu einer „Alpha-Locke“ und in Schweden zu einem „Kanelbulle“, einem beliebten Zimtgebäck.

Allerdings ist man sich gerade in Schweden noch unschlüssig: Das @ wird dort auch als „Elefantenrüssel“, „Elefanten-ohr“, „Affenschwanz“, „Katzenpfote“, „Katzenschwanz“ und „Bretzel“ bezeichnet.

Chung war begeistert und forderte Kollegen in der ganzen Welt auf, ihr die örtlichen Bezeichnungen für das Symbol zu mailen. Dabei entdeckte sie zum Beispiel zahlreiche Variationen im serbischen Sprachgebrauch. Das Wort „majmun“ ist eine davon. Es bedeutet Affe, scheint aus dem Türkischen entlehnt und wird als „mujmunski rep“ (Affenschwanz) und „majmunsko-a“ (Affen-a) verwendet. Die Serben erfanden auch das „ludo-a“, das verrückte „a“, für das Symbol, dem keiner von uns entkommen kann.

In einigen Ländern nahmen sich die Behörden des Symbols an und verordneten offizielle Bezeichnungen. Die schwedischen Sprachhüter verwenden seitdem das „snabel-a“, das „Rüssel-a“, während in Finnland, Südafrika und Indien die englische Aussprache gültig ist. Das gilt auch für die Niederlande, nachdem sich „apeklootje“, Hoden des kleinen Affen, nach anfänglicher Zustimmung nicht durchsetzen konnte. Die Griechen sprechen von einer „kleinen Ente“, die Ungarn von einem „kleinen Wurm“.

Arabische Muttersprachler übersetzen manchmal das englische „at“ zu „fi“, andere sagen auch „Ohr“, wenn sie ihre E-Mail-Adresse weitergeben. In Taiwan ist das Symbol eine „kleine Maus“ und in Korea eine „Schlange“.

In Spanien wird meist „arroba“ verwendet, was auch eine Gewichtseinheit bezeichnet, außerdem gebräuchlich ist das „ensaimada“, ein mallorquinisches Gebäck.

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