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Typisch Oberösterreich

„Der Oberösterreicher ist stolz und rebellisch, großzügig und fleißig“

Von Alfons Krieglsteiner   24. März 2012 00:04 Uhr

Weihbolds Streifzüge

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Als „reinen Typus“ gibt es den Oberösterreicher nicht. Unverkennbare Charakterzüge lassen sich ihm aber durchaus zuordnen, sagt der „vagabundierende“ Kultursoziologe und Universitätsprofessor Roland Girtler (71).

Er muss es wissen, denn erstens gehört er selber zu unserer „Spezies“ (Girtler ist in Spital am Pyhrn als Sohn eines Landarztes aufgewachsen). Und zweitens verkörpert er den Prototypen des Feldforschers, der nicht im Elfenbeinturm zu seinen Einsichten kommt, sondern den persönlichen Kontakt zu den Menschen sucht.

„Der Oberösterreicher hat vor allem eines: keinen schlechten Schmäh“, sagt Girtler. Einen Schmäh, der in einer ganz eigenen Sprache daherkomme, phonetisch zwischen Bayerisch und Wienerisch angesiedelt.

„Der Oberösterreicher ist stolz auf seinen Dialekt, in dem sich beim großen Dichter Franz Stelzhamer noch die alten mittelhochdeutschen Formen finden, etwa in den Begriffen zween, zwo und zwoa für ,zwei‘“, sagt der Soziologe. Dieser Stolz zeige sich besonders in der Landeshymne, der einzigen in Österreich, in der sich nicht ein Wort auf Lokalitäten oder konkrete Persönlichkeiten beziehe, sondern alles nur auf die „Hoamat“. Die hält der Oberösterreicher hoch, „ohne mit ihr auf den Tisch zu hauen, wie das etwa die Tiroler mit ihrem Andreas Hofer tun.“

Stolz verbindet sich im Naturell des Oberösterreichers laut Girtler noch mit einem anderen Charakterzug: dem Rebellischen, Aufmüpfigen. Diese rebellische Kultur lasse sich historisch bereits an Tassilo, dem Stifter von Kremsmünster, nachweisen, der sich gegen Karl den Großen auflehnte. Seit den Bauernkriegen, seit den Zeiten Stefan Fadingers, hat sie sich erhalten: „Der Oberösterreicher ist nie vor den Aristokraten im Staub gelegen.“ Kein Wunder, dass da selbst Kaiser Franz Joseph erst in der BH Gmunden den Jagdschein lösen musste, ehe er dort dem geliebten Weidwerk frönen durfte.

Speziell im Innviertel, im Rieder und Schärdinger Raum, entwickelte sich aus den beiden Charakterzügen eine Art „Raufkultur“, berichtet Girtler. Da flogen im Wirtshaus schnell die Bierkrüge, gerne ins Gesicht eines Kontrahenten. Krüge mit abgebrochenen Henkeln sind noch heute im Landesmuseum zu sehen. Und der traditionellen Wildererkultur hat Girtler im Wilderermuseum in St. Pankraz ein Denkmal gesetzt.

"Großzügig und fleißig sind wir Oberösterreicher auch“, sagt der Soziologe. Ein Fleiß, der zu Wohlstand führte und unser Land etwa den ungarischen Exilanten, die im Zuge der Türkenkriege hierher kamen, als wahres „Märchenland“ erscheinen ließ, in dem paradiesische Zustände herrschten. Nach ihrer Rückkehr schwärmten sie von „Operenz“ (= ob der Enns) mit seinen Zuckerhutbergen, freigiebigen Bewohnern und seinen schönen Mädchen, „die in Minuten bereit sind, sich zu verlieben.“

„Durchschnittlich bin ich schon, aber im positiven Sinn“

   

 

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