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So liebt OÖ

Liebe kennt kein Handicap

Von Dietlind Hebestreit   22. April 2014

Liebe kennt kein Handicap

Der Rollstuhl spielt im Leben der Bayers nur eine Nebenrolle. Wertschätzung und Humor als wichtige Faktoren in der Ehe.

Wilfried und Isabella lernten sich beim Geburtstag einer Freundin kennen und verstanden sich sofort. Am nächsten Tag besorgte er sich ihre Telefonnummer und sie trafen sich auf einen Kaffee. So beginnen viele Liebesgeschichten. Und doch war es in diesem Fall ein bisschen anders. Denn Wilfried Bayer hat eine Muskelerkrankung. Trotzdem eroberte der Attnanger mit viel Charme und Humor das Herz seiner jetzigen Frau Isabella.

Das Umfeld reagierte anfangs wenig erfreut. "Wenn man seine Tochter hergeben soll, stellen Schwiegerväter schnell die Haare auf. Bei mir war es vielleicht noch einen Tick mehr", erinnert sich Wilfried Bayer. Auch seine Mutter, die bis dahin für ihn gesorgt hatte, kämpfte mit der Ablösung. Trotzdem zogen die beiden Oberösterreicher vor 15 Jahren zusammen, seit elf Jahren sind sie verheiratet.

Was Isabella besonders an ihrem Willy mag: "Seinen Humor und seine Toleranz, Lebensmut und Lebenskraft, die Fähigkeit, das Leben trotz aller Beschwerlichkeiten positiv zu sehen, anzunehmen und aktiv zu leben." Er hingegen schätzt den scharfen Verstand der Juristin, ihre Herzlichkeit und ihre Geduld, "und dass sie über meine Witze lacht."

"Ich bin seine Hände"

Wenn die Bayers über Aufgabenteilung reden, klingt das wie in anderen Familien: Er kümmert sich um Finanzen, Autos, Organisatorisches und Handwerker, sie ist neben ihrem Job als Rechtsberaterin in der Flüchtlingshilfe mit Haushalt, Einkauf und Garten befasst. Und mit der Pflege ihres Mannes, denn der braucht etwa bei der Körperhygiene, beim Anziehen und bei vielen anderen täglichen Verrichtungen Unterstützung. "Ich bin dann seine Hände", formuliert die 41-Jährige. "Auf die Bewältigung des Alltags hat die Behinderung großen Einfluss, weil ich die praktischen Aspekte des Zusammenlebens übernehmen muss, das kann anstrengend sein. Für meine Gefühle, die Wertschätzung und Achtung für uns als Mann und Frau spielt sie keine Rolle, sie bildet nur die äußeren Umstände", sagt Isabella Bayer.

Weil die Krankheit fortschreitet braucht Bayer im Alltag nun fast immer den Rollstuhl. Nur daheim bewegt er sich noch manchmal ohne das Gefährt fort. "Aber nur, wenn jemand in der Nähe ist", sagt der EDV-Systembetreuer, der in einem Entsorgungsunternehmen arbeitet.

Seiner Leidenschaft für Autos tut die Behinderung keinen Abbruch. Er fährt selbst mit dem Minivan zur Arbeit ins Büro und hat auch einen Geländewagen, mit dem er gerne offroad unterwegs ist. Natürlich tun sich manchmal Hürden auf, doch die sind da, um weggeräumt zu werden. Und darin hat der 42-Jährige eine gewisse Perfektion entwickelt.

Ob Sexualität schwieriger sei, als bei Menschen, die beide keine Behinderung haben? Nein – Vertrauen und Offenheit vorausgesetzt – sind sich beide einig. Ihre Zweisamkeit können die Eheleute jetzt mehr genießen, denn die Tochter, die Isabella in die Beziehung mitgebracht hat, ist mittlerweile 19 Jahre alt. "Wir haben versucht, unsere Tochter so normal wie möglich aufwachsen zu lassen. Trotzdem war sicher einiges anders, als bei anderen Kindern. So ist das Tempo in unserer Familie langsamer als anderswo. Unsere Tochter zeichnet sich jetzt durch ihre große Umsicht aus", sieht der EDV-Techniker durchaus auch positive Auswirkungen.

 

 

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