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Etablierte Friseure wehren sich gegen billige Barber-Shops

Von Sigrid Brandstätter, 12. Juli 2019, 00:04 Uhr
Etablierte Friseure wehren sich gegen billige Barber-Shops
Haarschnitt um zehn, zwölf Euro - die Barber sind in. Bild: colourbox.com

LINZ. Einen Herren-Haarschnitt um zehn Euro, das gibt es bei sogenannten Barbern. Was die Kunden freut, stört die Wirtschaftskammer.

Sie sind derzeit sehr hip: so genannte Barber-Shops, also Herrenfriseure, die Bärte in Form halten und Undercuts rasieren. Den Kunden gefallen die günstigen Preise. Um zehn, zwölf Euro gibt es einen Haarschnitt. Klassische Friseursalons können sich über die Tarife nur wundern. "Ein seriöser Kaufmann kann so nicht kalkulieren", sagt Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder aus Salzburg.

In seinem Bundesland hat er Kontakt mit den Behörden aufgenommen und um gewerberechtliche Überprüfungen gebeten. Den Vorwurf, gegen eigene Mitgliedsbetriebe vorzugehen, sieht er gelassen: "Ich vertrete alle redlichen Betriebe und die sind vor den unredlichen zu schützen. Wir müssen uns wehren."

In der Steiermark fand im Mai eine Aktion scharf statt: Der Erhebungsdienst der Wirtschaftskammer und 40 Beamte der Finanzpolizei kontrollierten in Graz – mit teils haarsträubenden Ergebnissen: So wurden in einem Barber-Shop 45 Personen bedient. Kein einziger Vorgang fand sich in der Registrierkasse. Auch Friseurprodukte wurden weiterverkauft, ohne diese korrekt abzurechnen. Nur ein Bruchteil der Ware wurde beim Großhandel eingekauft – gerade so viel, dass es zu den offiziell abgerechneten Kunden passte. Mitarbeiter wurden schwarz beschäftigt: Sie bezogen Arbeitslosengeld und haben offiziell geringfügig dazu verdient – was sie dürfen. Inoffiziell haben sie Vollzeit gearbeitet. Bei jeder vierten Kontrolle gab es massive Übertretungen, berichtete die Finanzpolizei.

Auch in Oberösterreich bestätigt Innungsmeisterin Erika Rainer eine Zunahme dieser Barber-Shops – inzwischen längst nicht nur in den Ballungsräumen. "Allein bei mir in Attnang-Puchheim gab es drei, einer hat wieder zugesperrt."

Dabei ist die absolute Zahl nicht bemerkenswert: 70 solcher Friseure mit eingeschränkter Gewerbeberechtigung – bei 1400 aktiven im Bundesland – zählt die WK. 300 dürften es bundesweit sein. Doch bei all ihren Besuchen von Mitgliedsbetrieben sei die Billig-Konkurrenz ein Thema. "Das stößt vielen auf. Einhelliger Tenor ist, dass wir etwas tun müssen. Mein Motto ist fairer Wettbewerb. Es muss für alle das gleiche Recht gelten", sagt Rainer.

  • Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Sigrid Brandstätter.

Mehr Betriebe, weniger Umsatz

Dabei kämpft die Friseurbranche abseits dieser jüngsten Entwicklung mit einem Strukturwandel: Die Zahl der Mitgliedsbetriebe wird zwar mehr. Die Zahl der Salons, die ausbilden, und die Zahl der Lehrlinge selbst wird weniger: Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet Lehrlinge aus. Vor fünf Jahren war das noch jeder dritte.

Diese Entwicklung hat mit der Zunahme der Einzelunternehmerinnen im Friseurgewerbe zu tun: Schon fast die Hälfte aller Mitgliedsbetriebe sind Ein-Personen-Firmen – die allermeisten davon als mobile Friseurinnen.

Die Branche steht unter einem enormen Kostendruck: Inflationsbereinigt lagen die Friseurumsätze bundesweit 2018 um 2,5 Prozent unter dem Jahr zuvor, sagt Eder. Zahlen der Statistik Austria belegen zwar, dass die Preise für Friseurbesuche in den vergangenen drei Jahren für Männer und Kinder um elf Prozent, für Frauen um neun Prozent gestiegen sind. Die Inflationsrate lag im gleichen Zeitraum bei unter sechs Prozent. Das erklärt Eder mit der Umsetzung des Mindestlohnes in der Branche. Bis 2020 soll jede Friseurin 1500 Euro brutto verdienen. Das wurde 2016 vereinbart.

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Autor
Sigrid Brandstätter

stellvertretende Leiterin Ressort Wirtschaft

Sigrid Brandstätter

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