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Ski Alpin

Schnellster wider Willen

Von Christoph Zöpfl  22. Januar 2021 00:04 Uhr

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Vincent Kriechmayr (AUT)

KITZBÜHEL. Vincent Kriechmayr ärgerte sich über seine Bestzeit, die ihn heute zum Favoriten macht

Zornig schmeißt er seine Skistöcke in den Schnee, der Blick richtet sich wütend auf die Anzeigetafel. Vincent Kriechmayr sieht dort nach seiner gestrigen Trainingsfahrt auf der Kitzbüheler Streif keinen großen Zeitrückstand aufleuchten, sondern die Nummer eins. Er weiß, dass ihm eine Fahrt nahe an der Perfektion gelungen ist. Er weiß, dass er nach dieser Trainingsbestzeit in der heutigen ersten von zwei Abfahrten die Rolle des Top-Favoriten spielen muss. Und er vermutet (wahrscheinlich nicht zu Unrecht), dass er mit der Bilderbuchfahrt der Konkurrenz tolles Material für das abendliche Video-Studium geliefert hat. Kein Wunder also, dass sich Kriechmayr so über seine Bestzeit geärgert hat.

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"Jetzt muss ich mir die blöden Fragen der Journalisten gefallen lassen, außerdem werden mich meine Teamkollegen auf die Schaufel nehmen", schimpfte der Mühlviertler gestern im Zielraum. Natürlich wollte er nach Platz 32 im ersten Training etwas mehr Gas geben, aber auf die Bestzeit war er alles andere als scharf. "Meine Konkurrenten haben alle geblufft, darum ist mir das jetzt passiert", erklärte der 29-Jährige, um sofort die Aussagekraft seiner Bestzeit zu relativieren. "Das Rennen ist wieder eine ganz andere Geschichte, es wird ziemlich eng werden, es gibt viele, die gewinnen können."

Kriechmayrs Ärger über die zehnte Abfahrts-Trainingsbestzeit seiner Karriere (siehe Faktenkasten) wird verständlich, wenn man die Statistik studiert. Noch nie hat er so eine Bestzeit in einen Sieg verwandeln können. Zuletzt folgte in Val d’Isere im Rennen ein schwerer Fehler und Platz 41. Bei den Olympischen Spielen in Südkorea musste Kriechmayr nach der Trainingsbestzeit mit Platz sieben vorliebnehmen.

"Da ist er all-in gegangen"

Daniel Hemetsberger, neben Kriechmayr der zweite Oberösterreicher im Starterfeld, hätte sich gestern wohl sicher nicht über eine Trainingsbestzeit geärgert. Der 29-Jährige aus Nußdorf am Attersee war auf Platz 15 hinter dem Mühlviertler und Max Franz (Platz 3) der drittschnellste ÖSV-Mann und damit mehr als zufrieden. Gestern war er im wahrsten Sinn des Wortes Kriechmayr auf der Spur. "Ich hab mir seinen Trainingslauf am Start auf dem Bildschirm angeschaut – da hat er uns wirklich etwas vorgelegt", sagte Hemetsberger. Die Linie des Trainingsschnellsten im Steilhang wollte er allerdings nicht kopieren. "Der Vinc ist da all-in gegangen. Wenn du da nur einen kleinen Schlag erwischst, landest du im Netz." Den Ärger seines Landsmannes über die Bestzeit kann Hemetsberger nachvollziehen. "Da kannst du noch so cool sein, aber wenn du so eine Zeit vorlegst, ist es verdammt schwer, im Rennen locker zu bleiben."

Diskussion über Zielsprung

Auch wenn die Streif heuer aufgrund der Präparierung und der höheren Temperaturen ihren Schrecken etwas verloren hat, eine "Märchenwiese" ist sie sicher nicht. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit lag bei 144 km/h, der letzte Sprung im Schlusshang schleuderte die Rennläufer rund 60 Meter weit Richtung Ziel. Der Franzose Johan Clarey stürzte bei der Landung und krachte in einen Fangzaun. Er schlich später wie ein geprügelter Hund, aber als aufrechter Zweibeiner ins Ziel. Der Hubschrauber blieb auch gestern auf dem Boden. Das war das erfreulichste Trainingsresultat.

Artikel von

Christoph Zöpfl

Leiter Sportredaktion

Christoph Zöpfl
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