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Innenpolitik

Halbe-Halbe: ÖGB und AK wollen "Familienarbeitszeit"

Von nachrichten.at/apa   02. August 2021 12:55 Uhr

Die Frauen üben oft Berufe aus, in denen Teilzeit möglich ist. Nur so lässt sich in vielen Fällen Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Das soll anders werden.

WIEN. Gewerkschaft (ÖGB) und Arbeiterkammer (AK) wollen bei der ungleichen Verteilung der Teilzeitarbeit zwischen Frauen und Männern gegensteuern, wenn Kinder da sind.

Laut ihrem am Montag präsentierten Modell für eine "Familienarbeitszeit" soll es je 250 Euro monatliche Förderung für jeden Elternteil geben, wenn nicht nur einer davon die Arbeitszeit reduziert, sondern beide zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche arbeiten, so der Wunsch. Teilzeit wird hauptsächlich von Frauen in Anspruch genommen, so ÖGB und AK in einer Aussendung, mit allen nachteiligen Folgen für Einkommen und Berufschancen bis zur Pension. "Die Familienarbeitszeit soll das ändern und Frauen raus aus der Teilzeitfalle holen", erklärte AK-Präsidentin Renate Anderl.

ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann hofft, dadurch die zukünftige Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern positiv zu beeinflussen. Das Modell soll Frauen ein besseres Einkommen bringen, Männern mehr Familienzeit und Kindern mehr Zeit mit ihren Vätern.

Video: Modell gegen ungleiche Verteilung der Teilzeitarbeit

Beruf und Familie soll vereinbar sein

Das Modell sieht für die Teilzeit-Aufteilung eine Untergrenze von vier Monaten vor, maximal soll das Familienarbeitszeit-Geld bis zum vierten Geburtstag des Kindes bezogen werden können. Alleinerziehende, die ebenfalls zwischen 28 bis 32 Stunden arbeiten, sollen den gleichen Bonus wie ein Elternteil bei der Familienarbeitszeit erhalten. Das Geld für die Förderung soll aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) kommen.

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sagte dazu bei einer Pressekonferenz, aus Arbeitsmarktsicht sei es wichtig zu schaffen, dass mehr Frauen Vollzeit arbeiten bzw. ihre Teilzeit-Arbeit auf mehr Stunden pro Woche aufstocken. "Mir ist wichtig, dass es die Möglichkeit gibt, Vollzeit zu arbeiten". Dabei gehe es um den Ausbau der Kinderbetreuung, wo Österreich mehr Betreuung für Unter-Dreijährige Kinder brauche. "Es geht darum, dass Beruf und Familie vereinbar ist."

Zustimmung kam von der SPÖ und den Grünen. "Die Corona-Krise hat die Ungleichheit noch weiter verschärft. Da müssen wir dringend gegensteuern", fordert SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner. Es brauche ein ganzes Paket für die Frauen, etwa Halbe-Halbe in der Familie und im Beruf, ein Arbeitsmarktpaket für Frauen, die Hälfte der Mittel aus der Corona-Arbeitsstiftung für Frauen, Lohntransparenz und einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung.

"Wichtige Säule im Kampf gegen Frauenarmut im Alter"

Die Grünen begrüßten das Modell ausdrücklich. "Vorschläge für eine gerechtere Aufteilung bezahlter Erwerbs- und unbezahlter 'Elternarbeit' gibt es schon länger und wurden auch schon von den Grünen bei den Regierungsverhandlungen eingebracht", so Markus Koza, Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, in einer Aussendung. Ein solidarisches Elternteilzeitmodell sei eine weitere wichtige Säule im Kampf gegen Frauenarmut im Alter und der gerechteren Verteilung von bezahlter Erwerbs- und oft genug unbezahlter Sorgearbeit", meinte auch Frauensprecherin Meri Disoski. Keine Reaktion gab es vorerst von der ÖVP.

Bei der FPÖ lehnt man das Modell ab. Eine Arbeitszeitverkürzung sei der falsche Weg, vielmehr sollten Kindererziehungszeiten besser angerechnet werden, meinte Sozialsprecherin Dagmar Berlakowitsch im Ö1-"Mittagsjournal". Keine Zustimmung kam auch von NEOS-Familiensprecher Michael Bernhard: "Wir brauchen kein Halbe-Halbe bei Teilzeit, sondern ein System der Gleichberechtigung. Die Teilzeitfalle, die den Menschen nicht nur jede Selbstverwirklichung nimmt, sondern auch zu Altersarmut führt, auch noch zu fördern, ist der genau falsche Weg."

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