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Innenpolitik

Ein Sommer fast ohne Masken – und dann?

Von Jasmin Bürger  25. Mai 2022 00:04 Uhr

Ein Sommer fast ohne Masken – und dann?
(Symbolfoto)

WIEN. Die sinkenden Infektionszahlen und ein derzeit nicht überlastetes Gesundheitssystem machen es möglich: Die Corona-Schutzmaßnahmen werden in Österreich großteils zurückgenommen, bevor es im Herbst wieder ernst werden könnte.

Im dritten Pandemie-Sommer nimmt die Regierung den nächsten Anlauf für eine Rückkehr zur Normalität: Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (VP) kündigten am Dienstag das vorzeitige Aus der Maskenpflicht in nahezu allen Bereichen an. Auch die Impfpflicht bleibt ausgesetzt.

Die ursprünglich noch bis 4. Juli geltende Maskenregelung wird schon mit 1. Juni abgeschafft: Dann müssen FFP2-Masken nur noch in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie beim Arzt getragen werden. Schon Mitte Mai wurden die Corona-Regeln zur Einreise nach Österreich aufgehoben - die OÖN haben gestern ausführlich über die neuen Regeln berichtet.

Video: Das Statement von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) zum Nachsehen:

Er sei "nicht jemand, der krampfhaft an etwas festhalten muss", die Pandemie verschaffe "uns eine Atempause", begründete Rauch den weitgehenden Verzicht auf Schutzmaßnahmen. Mit am Montag 1753 und gestern 2117 registrierten Neuinfektionen ist die Entwicklung der Corona-Zahlen stabil niedrig. "Wir müssen raus aus dem Krisenmodus und lernen, mit der Pandemie zu leben." Edtstadler und er betonten aber auch, dass es eben "nur" eine Atempause sei. Das Aus der Maskenpflicht wird daher vorerst auf drei Monate befristet, eine Rückkehr weiterer Maßnahmen im Herbst wollte Rauch ebenfalls nicht ausschließen. Den Fehler, die Pandemie vorzeitig für beendet zu erklären, will die türkis-grüne Regierung nicht wiederholen. Weshalb zwar an den Schulen mit 1. Juni die Testpflicht auch noch vor den Sommerferien fällt, Bildungsminister Martin Polaschek (VP) aber eine etwaige Rückkehr im Herbst vorbereitet.

Video: Was denken die Oberösterreicher über das vorläufige Ende der Maskenpflicht? Das Team von OÖN-TV hat sich in der Linzer Innenstadt umgehört:

Kein Schutz Vulnerabler mehr

Die Reaktionen auf die weiteren Lockerungen im Pandemie-Management fielen unterschiedlich aus (Details siehe rechts). Teils kritische Stimmen kamen von Expertenseite: So warnten Molekularbiologe Ulrich Elling und Mikrobiologe Michael Wagner davor, dass mit dem Masken-Aus der Schutz vulnerabler Gruppen aufgegeben werde. Elling verwies bei einer vom IHS organisierten Konferenz zum Pandemie-Ausblick auf die hohe Disziplin beim Maskentragen in Öffis. Er sieht die Gefahr, "dass bei einem Hin und Her mit Pflicht, Aufhebung und wieder Pflicht diese Disziplin erodiert und wir das im Herbst bitter bereuen werden". Virologin Dorothee von Laer dagegen hält die Lockerungen für vertretbar.

Einig waren sich alle bei der Konferenz anwesenden Experten, dass es Vorbereitungen für den Herbst brauche. Die Frage der Impfpflicht ist für von Laer im Zusammenhang mit den im Herbst vorherrschenden Virusvarianten und dann zur Verfügung stehender, neuer Impfstoffe zu sehen. Pläne brauche es auch "für den ungünstigsten Fall", so von Laer. Dieser wäre laut Elling eine Mutation, die "deutlich infektiöser ist als Omikron und deutlich krankmachender als Delta". Dies sei aber "sehr unwahrscheinlich". Von den Vorbereitungen berichtete Gecko-Mitglied Generalmajor Thomas Starlinger: Derzeit werde ein Virusvariantenmanagementplan ausgearbeitet, "wir gehen deutlich besser vorbereitet in den Herbst".

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Jasmin Bürger

Redakteurin Innenpolitik

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