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Weltspiegel

Forscher entdeckten hundert Millionen Jahre alte Spermien

Von nachrichten.at/apa   16. September 2020 05:30 Uhr

Symbolbild

MÜNCHEN. Wissenschafter haben die ältesten Spermien der Welt gefunden.

Konserviert in Bernstein aus Myanmar habe ein internationales Team von Paläontologen hundert Millionen Jahre alte Riesenspermien eines winzigen Krebstiers entdeckt, berichtete die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München am Mittwoch. Der Fund liefere damit eindeutige Hinweise darauf, wie sich die Tiere fortpflanzten.

Die der Universität zufolge ältesten Nachweise von Spermien überhaupt zählen demnach zu einer bisher unbekannten Krebstierart, welche die Forscher Myanmarcypris hui nannten. Gefunden worden sei ein weiblicher Muschelkrebs, der sich offenbar kurz vor dem Einschluss durch Baumharz gepaart habe. Die nachgewiesenen Spermien seien riesig, nämlich ein Vielfaches länger als die Tiere selbst.

Die neu entdeckte Art zähle zu den sogenannten Ostrakoden, erklärte die LMU. Fossile Schalen der seit 500 Millionen Jahren existierenden Ostrakoden fänden sich häufig. Bei dem Exemplar aus Myanmar entdeckten die Forscher aber sogar versteinerte "Weichteile", darunter innere Organe und Fortpflanzungsorgane. "Es war eine überaus seltene Möglichkeit, etwas über die Evolution dieser Organe zu erfahren", erklärte die an der Auswertung beteiligte Münchner Geobiologin Renate Matzke-Karasz.

Mithilfe von Röntgenmikroskopie sei eine 3D-Rekonstruktion des Ostrakoden erstellt worden. Dabei seien auch die Fortpflanzungsorgane zu sehen gewesen und eben die hundert Millionen Jahre alten Spermien. Die Rekonstruktionen hätten auch die charakteristischen muskulösen Spermienpumpen und zwei Penisse, mit denen männliche Muschelkrebse die Weibchen begatten, gezeigt. Noch nie sei ein derart alter und raffinierter evolutionärer Mechanismus in so vielen Details dokumentiert worden.

Der Fund führt laut den Wissenschaftern zu der Frage, ob die Fortpflanzung mit Riesenspermien ein evolutionär stabiler Weg sein kann. Die Männchen der meisten Tiere - einschließlich des Menschen - produzieren in der Regeln winzige Spermien in großen Mengen. Nur wenige Tiere, darunter neben den Ostrakoden auch manche Fruchtfliegen, stellten eine relativ kleine Zahl von Spermien her, die ein Vielfaches länger sind als die Tiere selbst.

"Um zu zeigen, dass der Einsatz von Riesenspermien bei der Fortpflanzung keine Extravaganz der Evolution ist, sondern ein dauerhafter Vorteil für das Überleben einer Art sein kann, müssen wir wissen, wann sie zum ersten Mal aufgetreten sind", erklärte Matzke-Karas. Der Nachweis der seit mehr als hundert Millionen Jahren erfolgreichen Riesenspermien zeige den Erfolg dieser Strategie. "Sexuelle Fortpflanzung mit Riesenspermien muss also evolutionär gesehen durchaus vorteilhaft sein", erklärte die Wissenschafterin.

Der sogenannte Kachin-Bernstein von Myanmar habe in den vergangenen Jahren hervorragende Funde gebracht, darunter Frösche, Schlangen und einen gefiederten Dinosaurierschwanz. In den vergangenen fünf Jahren seien Hunderte neue Arten beschrieben worden. Dies habe viele Evolutionsbiologen veranlasst, die gängigen Hypothesen zu überdenken, wie sich bestimmte Abstammungslinien und ökologische Beziehungen entwickelten.

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