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Grüne Welt

Neonics für Zuckerrüben: Sorgen bei den Imkern

Von Alfons Krieglsteiner 05. April 2019 00:04 Uhr

Neonics für Zuckerrüben: Sorgen bei den Imkern
Befürwortet die "Notfall-Zulassung" der Neonics: Franz Weinbergmair, der Obmann der oö. Rübenbauern.

LINZ. Bundesamt für Ernährungssicherheit erlaubt gebeiztes Saatgut.

Am 27. April 2018 hat die EU den Einsatz der als bienenschädlich geltenden Neonicotinoide ab 2019 verboten. Doch am 11. Dezember hat das Bundesamt für Ernährungssicherheit eine Notfallzulassung für die Beizung von Zuckerrübensaatgut mit drei neonic-haltigen Wirkstoffen erteilt. Zwei kommen jetzt in Oberösterreich zum Einsatz: "Cruiser 600 FS" des Herstellers Syngenta und "Poncho Beta" von Bayer.

Auf 5300 Hektar bauen 980 Landwirte bei uns Zuckerrüben an. Zum Vergleich: 7500 Hektar sind es beim Raps. "Der Rübenanbau ist ein wirtschaftlich wichtiger Produktionszweig", sagt Franz Weinbergmair, Obmann der Rübenbauerngenossenschaft OÖ. Nur eine Handvoll betreibt auf 24 Hektar den besonders arbeitsintensiven Bio-Anbau und verzichtet auf die Beize.

Diese Woche endet die Aussaat. Auf einen Hektar kommen 100.000 Samenpillen, das entspricht der zugelassenen Menge des Beizmittels von 60 bis 90 Gramm: "Zwei Drittel des Saatguts, das wir verwenden, ist mit einem Mantel umhüllt, der die Wirkstoffe enthält, ein Drittel ist ungebeizt", sagt der Obmann.

Die Landwirtschaftskammer hat auf ihrer eigenen und auf der Landeshomepage eine Landkarte mit den betroffenen Gebieten veröffentlicht. Die regionalen Imkerverbände wurden informiert.

"Wir haben von der Zulassung erst am 14. März erfahren", kritisiert Oberösterreichs Imker-Präsident Johann Gaisberger. Da die Rüben nicht zur Blüte kommen, gehe von ihnen für die Bienen keine Gefahr aus. "Allerdings fliegen sie die blühenden Beikräuter an und können so in Kontakt mit dem Gift kommen." Das könne auch passieren, "wenn bei einem Wolkenbruch das Gift ausgeschwemmt wird und sich in Pfützen sammelt, aus denen sie trinken." Dann finden sie nicht mehr in den Stock zurück und sterben. Auch für Organismen in Boden und Grundwasser seien die langlebigen Wirkstoffe tödlich.

"Die Neonics schützen die Rüben vor Erdflöhen, Drahtwurm, Moosknopfkäfer und Blattläusen", hält Weinbergmair entgegen. Würde man auf die Beize verzichten, "müssten wir ganzflächig viermal im Jahr synthetische Insektizide spritzen, das belastet die Umwelt viel mehr als die Mini-Dosis an Neonics, die wir mit dem gebeizten Saatgut ausbringen."

Ein Käfer ist immun

"Wenn alle Pflanzenschutzmittel bei uns verboten werden, wäre es das Ende des Rübenanbaus", sagt Weinbergmair: "Dann wird halt der Zucker aus Ländern importiert, die unter intensivem Pestizideinsatz auf riesigen Plantagen Zuckerrohr anbauen.

Doch es gibt einen Rübenschädling, dem die Neonics nichts ausmachen: den Derbrüsselkäfer. "2018 hat er sich in der trocken-heißen Witterung im Weinviertel, dem Hauptanbaugebiet der Zuckerrübe, epidemisch ausgebreitet und den Großteil der gebeizten Pflanzen vernichtet", sagt Stefan Mandl, Präsident des Erwerbsimkerbundes. Oberösterreich ist von diesem Schädling bisher verschont geblieben.

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Redakteur Land und Leute

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