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Werden mit diesem Plan Insekten gerettet?

Von OÖN   29. September 2020 00:04 Uhr

Werden mit diesem Plan Insekten gerettet?

WIEN. Schwindende Artenvielfalt: Umweltministerium plant, dass Felder und Wälder teils nicht bearbeitet werden – Widerstand regt sich

40.000 Insektenarten gibt es in Österreich. Sie bestäuben nicht nur Pflanzen, sondern bauen auch organische Substanzen im Boden ab oder helfen bei der Schädlingsbekämpfung. Um diese Funktionen zu erfüllen, müssen die verschiedenen Arten auch erhalten bleiben. "Wir haben hier ein Problem, die Artenvielfalt nimmt generell ab", sagt Helmut Gaugitsch, Biodiversitätsexperte im Umweltbundesamt. Die Ursachen dafür sind nach Meinung des Experten unterschiedlich. Einerseits werde den Tieren durch Flächenverbrauch und Bodenversiegelung der Lebensraum genommen. Andererseits werden sie durch Insektizide vernichtet. Aber auch der Klimawandel, die Lichtverschmutzung oder eingeschleppte, gebietsfremde Arten würden die Vielfalt verringern.

Das Umweltministerium arbeitet an einem Entwurf für eine "Biodiversitätsstrategie 2030". In einem digitalen Beteiligungsprozess konnte sich jeder zu möglichen Zielen zum Erhalt der Biodiversität in Österreich äußern, aus denen der Strategieplan entstehen soll. 1700 Kommentare wurden zu einzelnen möglichen Maßnahmen abgegeben, 700 Fragebögen wurden ausgefüllt. Die Ergebnisse daraus werden von Experten ausgewertet, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gestern bei einer Pressekonferenz in Wien. "Der Erhalt der Biodiversität ist nicht nur eine Aufgabe der Landwirtschaft, sondern eine gemeinsame."

Ein Plan, der sich aus der Vorarbeit ergab: die Außer-Nutzung-Stellung von Feldern und Wäldern, und zwar mindestens zehn Prozent. Dazu Josef Moosbrugger von der Landwirtschaftskammer: "Das ist nicht nur eine klare Bedrohung für unsere heimische Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze. Sie läuft vielmehr auch den Umwelt- und Klimaschutzzielen der Klimaschutzministerin massiv entgegen." Sollten die Vorschläge in dieser Form umgesetzt werden, würden allein im Forstbereich jährlich zwischen drei und 7,4 Millionen Vorratsfestmeter Holzertrag auf dem Spiel stehen. Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, sagte: "Die Vorschläge des Klimaministeriums bringen die Anpassung zu klimafitten Wäldern in Gefahr und damit auch unsere multifunktionale und nachhaltige Forstwirtschaft."

Kritik kommt auch vom Bauernbund. Die Land- und Forstwirtschaft leiste bereits einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, sagte Bauernbundpräsident Georg Strasser. "Das muss man honorieren und nicht mit unausgegorenen Ansätzen und Ideen zur Außer-Nutzung-Stellung bestrafen."

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