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Chronik

"Wenn die Zahlen nicht fallen, werden auch die Schulen schließen müssen"

Von nachrichten.at/apa   25. November 2021 12:08 Uhr

Zitate der Woche: "Viele Leute sind schon wuggi"
Die Virologin Dorothee von Laer

WIEN. Die Virologin Dorothee von Laer erwartet, dass der Lockdown zumindest in einzelnen Bundesländern länger dauern wird als bis zum angekündigten Zieldatum 12. Dezember.

"Man wird den Lockdown in einigen Bundesländern verlängern müssen. Ich gehe davon aus, dass der Osten öffnen kann, der Westen nicht", sagte sie am Donnerstag zum "profil". Aus dem Gesundheitsministerium hieß es, aktuell seien die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen noch nicht ausreichend beurteilbar.

Die Regierung hat den Lockdown ja für insgesamt 20 Tage bis zum 12. Dezember angekündigt. Da die Ausgangsbeschränkungen aber nur jeweils für zehn Tage beschlossen werden können, müssen sie danach im Hauptausschuss des Nationalrates verlängert werden. Eine entsprechende Sitzung des Hauptausschusses ist laut Parlaments-Terminkalender nun für den kommenden Dienstag (14 Uhr) angesetzt.

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Bis dahin wurde auch eine Evaluierung der Maßnahmen angekündigt. Auf APA-Anfrage hieß es aus dem Büro von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Donnerstag, die Bundesregierung berate mit Experten bis Anfang nächster Woche - es finden laufend Beratungen statt. Zu allfälligen Szenarien nach dem 12. Dezember gab es aus dem Gesundheitsressort am Donnerstag keine Auskunft. Tags zuvor hatte Mückstein auf den in der Koalition akkordierten Fahrplan verwiesen, der jedenfalls ein Ende des Lockdowns für die Geimpften mit dem 12. Dezember vorsieht. Ab dem 13. Dezember sollen dann laut den Plänen die gesperrten Bereiche wieder aufsperren können. Gleichzeitig stellte Mückstein klar, dass der Lockdown für die Ungeimpften - wie vorgesehen - jedenfalls auch danach aufrecht bleibt.

In der Tageszeitung "Österreich" wurde unterdessen am Donnerstag über eine mögliche Öffnung in drei Stufen spekuliert, wobei in einem ersten Schritt nur der Handel wieder öffnen könnte - gefolgt vom Tourismus rund um Weihnachten, wohl nur für Immunisierte. Die Nachtgastronomie und Großveranstaltungen würden demnach wohl noch bis zur angekündigten Impfpflicht im 1. Februar 2022 geschlossen halten.

Von Laer sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil", die Wirkung des Lockdowns werde sich erst in einer Woche niederschlagen. "Ich hoffe, dass wir Anfang nächster Woche eine deutliche Reduktion der Infektionen sehen können", sagte sie. Das angepeilte Datum für das Wiederaufsperren am 13. Dezember in ganz Österreich zog sie aber in Zweifel.

Dass die Beschränkungen nicht bundesweit einheitlich enden könnten, wäre keine allzu große Überraschung: Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) kündigte ja bereist Ende vergangener Woche an, dass man in seinem Bundesland trotz des bundesweiten Lockdowns am ursprünglichen Zeitplan festhalten wolle. Oberösterreich verhängte ja bereits vor der österreichweiten Entscheidung für einen Lockdown einen solchen auf Landesebene bis zumindest 17. Dezember. Nach diesem Datum werde man entscheiden, ob man eine Verlängerung brauche oder nicht, sagte Stelzer. In Salzburg, das gemeinsam mit Oberösterreich bei der Lockdown-Verhängung vorgeprescht war, wollte man sich zuletzt auf ein Vorgehen nicht festlegen. Man werde vor dem Ende des österreichweiten Lockdowns die Lage neuerlich beurteilen, hieß es Ende der vergangenen Woche.

Zu den Schulen sagte Van Laer im "profil", sie könne "als Bürgerin, nicht als Virologin, durchaus verstehen, dass man den Kindern keine weitere Schulschließung zumuten will". Man müssen nun abwarten. "Die Maskenpflicht an den Schulen wurde gerade eingeführt, und einige Kinder bleiben doch zuhause. Aber wenn die Zahlen nicht fallen, werden auch die Schulen schließen müssen."

Die in dieser Welle Erstgeimpften werden ihrer Erwartung nach keine Auswirkungen auf das aktuelle Infektionsgeschehen haben. "Aber sie können verhindern, dass wir im Februar in die nächste Welle stolpern." Denn sollten die Erstimpfungen weiter so schleppend verlaufen wie bisher, dann rechne sie "auf jeden Fall" mit einer fünften Welle. "Wenn der Lockdown ausläuft, steigen die Zahlen wieder an. Noch sind wir nicht bei einer Immunitätsquote von 85 Prozent, die ausreicht, um das Virus in Schach zu halten." Von Laer rät, jenen 15 Prozent der über 60-Jährigen, die noch ungeimpft sind, umgehend eine direkte Einladung zu einem Impftermin zu schicken. "Diese Lücke muss schleunigst geschlossen werden."

Eine längere Immunität nach dem dritten Stich hält sie für "unwahrscheinlich". "Ich gehe davon aus, dass wir schon nächsten Herbst eine Kombi-Impfung haben werden gegen die Grippe und Corona. Das wird eine jährliche Impfung werden." Man werde im Herbst wieder eine "breite Impfkampagne" starten müssen. "Dann können wir schon im kommenden Winter eine Covid-Saison haben, keine Welle."

An eine Ausrottung des Virus wie bei den Pocken glaubt sie nicht: "Nicht mit den aktuellen Impfstoffen. Sie schützen nicht so gut vor der Weitergabe, um ein Virus zu eliminieren." Zuversichtlich für das Frühjahr 2022 stimmt sie aber die ab Februar geplante Impfpflicht in Österreich und neue Medikamente gegen Covid, die wahrscheinlich mit Ende des Jahres zugelassen werden.

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