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Wels

„Sandler mit Sackerl und Schlafplatz unter der Brücke gibt’s nicht mehr“

21. November 2012

„Sandler mit Sackerl und Schlafplatz unter der Brücke gibt’s nicht mehr“
Margit Fischer (2.v.l.) hörte sich die Lebensgeschichten von Wohnungslosen aus Wels an.

WELS. „Ein Zuhause für Menschen in Not“ lautet das Motto des Sozialen Wohnservices Wels (SWS). 100 Männer und Frauen aller Altersgruppen werden betreut, sie alle haben – aus verschiedensten Gründen – keine Wohnung.

Das vor 23 Jahren gegründete SWS erhielt im August zur Notschlafstelle für Männer und Frauen in der Eisenhower- und der Hans-Sachs-Straße ein weiteres Standbein: Das „Tageszentrum“ im ehemaligen Eggenberger Stüberl an der Salzburger Straße. Auf 170 Quadratmetern finden Wohnungslose eine Bleibe – an 365 Tagen im Jahr. „Wir haben Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr und Sonn- und Feiertag von 10 bis 14 Uhr geöffnet“, erklärte SWS-Geschäftsführerin Petra Wimmer einem prominenten Gast. Margit Fischer, die Frau des Bundespräsidenten, nützte bei ihrer jüngsten Oberösterreich-Visite die Gelegenheit, die Einrichtung zu besuchen.

Suche nach einem Arbeitsplatz

Dabei hörte sich die „First Lady“ auch die Geschichten der Betreuten an: vom Kfz-Mechaniker, der wegen Rückenschmerzen nicht mehr in seinem Job arbeiten kann; vom Kunststoff-Techniker, der seinen Arbeitsplatz verlor und nun umgeschult wird; vom alkoholkranken Koch und Kellner, der eine neue berufliche Herausforderung sucht: „Ich kann mit meiner Krankheit in dieser Branche nicht arbeiten“, erklärte er.

SWS-Chefin Wimmer räumte auch mit dem weitverbreiteten Bild von Obdachlosen auf: „Den klassischen Sandler mit Nylonsackerl in der Hand und Schlafplatz unter der Brücke gibt’s nicht mehr.“ Geblieben sei aber der würdevolle und wertschätzende Umgang mit diesen Menschen im SWS. „Das spüren und schätzen sie: Wir bieten um einen Euro ein warmes Mittagessen an, organisieren Spiele-Nachmittag, bieten Lesestoff und Internet-Zugang“, sagt Wimmer. Auch die Möglichkeiten zur Körperpflege und zum Reinigen der Wäsche werden genützt.

Margit Fischer lobt die Einrichtung: „Wir dürfen nicht nur reden, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, wir müssen auch handeln und den Leuten helfen, dass sie wieder in ein normales Leben zurückfinden.“ Laut Wimmer meistert die Hälfte der Betreuten diesen Sprung zurück.

Soziales Wohnservice Wels

Der 1989 gegründete Verein mit Obmann Wolf Dorner kümmert sich um Menschen ohne Dach über dem Kopf. Das geschieht durch Notschlafstellen für Männer in der Eisenhowerstraße
(E 37) und für Frauen in der Hans-Sachs-Straße sowie durch Übergangswohnungen. „In diesen lernen die Menschen wieder das Wohnen“, erklärt Petra Wimmer, die heuer die Geschäftsführung von Günter Spitzer übernommen hat. Seit August steht den Wohnungslosen auch ein „Tageszentrum“ in der Salzburger Straße 46 (ehem. Eggenberger Stüberl) zur Verfügung.
Im Wohnservice betreuen 21 Mitarbeiter etwa 100 Personen. Das Durchschnittsalter der Betreuten sinkt. Immer mehr junge Menschen verlieren durch Suchtprobleme ihre Wohnung.
2013 wird das rund 80 Jahre alte Gebäude der Notschlafstelle E 37 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt: Mit mehr Schlafplätzen und einer Notschlafstelle für Frauen.

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