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"Das ist nicht nach drei Wochen vorbei"

Von Hannes Fehringer  12. März 2020 00:04 Uhr

"Das ist nicht nach drei Wochen vorbei"
Risikomanager Bruno Hersche appelliert, den Maßnahmen zu folgen.

SONNTAGBERG. Derzeit tüftelt der Mostviertler Krisenmanager Bruno Hersche einen Notfallplan für die Uniklinik in Salzburg aus. Das Coronavirus hält er für beherrschbar, Geduld vorausgesetzt.

Kühlen Kopf bewahren, wenn ein Schnellzug entgleist ist, bei einem Blackout der Strom ausfällt oder ein Virus das halbe Land in die Krankenbetten zwingt – das ist der Beruf und das Metier des ehemaligen Chefs der Autobahnpolizei im Kanton Zürich. Der international gefragte Risikomanager Bruno Hersche hat vor Jahrzehnten in Sonntagberg im Mostviertel sein Büro und seinen Wohnsitz aufgeschlagen und will der Bevölkerung Mut zusprechen, dass die Herausforderung durch die Covid19-Krankheit zu bewältigen ist.

OÖN: Herr Hersche, wir haben jetzt Einschnitte in unserem Alltagsleben, von Versammlungsverboten bis zu Schulschließungen, wegen der Gefahr, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet. Das könnte einem Angst machen.

Hersche: Ich bin kein Mediziner, aber aus meiner Erfahrung aus dem Katastrophenschutz glaube ich, dass die Maßnahmen, die die Regierung getroffen hat, absolut richtig und der Lage angepasst sind. Wir müssen einen Gipfel vermeiden, an dem zum selben Zeitpunkt eine Unmenge an Patienten die Spitäler stürmt.

Wird es reichen, dass jetzt jeder jedem während der kritischen Tage aus dem Weg geht, um Ansteckungen zu vermeiden? Für die Maßnahmen gilt ja eine Befristung bis 3. April.

Die jetzt getroffenen Maßnahmen basieren auf einer Lagebeurteilung durch Fachleute, man kann darauf vertrauen, dass sie objektiv richtig sind. Es ist auch sinnvoll, nach einem gewissen Zeitraum zu evaluieren und gegebenenfalls nachzujustieren. Ich glaube aber, dass uns einiges bevorsteht und dass das Ganze nicht nach zwei, drei Wochen schon vorbei ist. Damit will ich keine Katastrophe vorhersagen, die kommt nur dann, wenn wir uns alle falsch verhalten und die gesetzten Maßnahmen ignorieren.

Es geht ja auch hauptsächlich darum, alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen zu schützen?

Mit der Einschränkung, dass wir aufgrund des Zeitbedarfs von Tests und Untersuchungen immer nur Zahlen haben, die acht Tage alt sind und nie den aktuellen Stand wiedergeben können, hat sich allerdings schon abgezeichnet, dass die Viruserkrankung meistens und im Regelfall sehr lind verläuft. In Italien, wo das Coronavirus sehr früh eingeschleppt wurde, haben wir eine Sterblichkeitsrate von fünf Prozent, in den nördlicheren Ländern wie Deutschland liegen wir bei einer Mortalität von 0,5 Prozent. Da wären wir bei der Sterblichkeitsrate einer normalen Grippe, vor der sich bei uns wenige Leute fürchten.

In Tschechien sind die Schulen bereits geschlossen. Bei uns hat man noch gezögert. Ist man bei uns mit den Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Covid-19-Virus zu spät dran?

Ich sehe auch hier die Vorgangsweise fachlich sehr gut begründet. Die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen hängt davon ab, wie sehr die Bevölkerung mitmacht und sie umsetzt. Man kann natürlich eine Entwicklung verschlafen, wenn sich das Virus schon zu weit ausgebreitet hat. Man kann das Pulver aber auch zu früh verschießen: Wenn man zu früh begonnen hat, kann es passieren, dass die Bevölkerung abstumpft und bei den Sicherheitsvorkehrungen schlampig wird.

Was ist für Sie das schlimmste Szenario?

Wie gesagt, im Regelfall nimmt die Viruserkrankung einen leichten Verlauf – mein Gott, liegt man halt ein wenig im Bett. Haben wir aber auf einen Schlag eine Masseninfektion, dann wächst sich die Minderheit der schwer erkrankten Patienten zu einer Menschenmenge aus, mit der dann die Rettung die Krankenhäuser überfüllt.

Dann kann es knapp werden?

Ja, dann kann es knapp werden, etwa bei den Plätzen in der Intensivmedizin. Ärzte stehen vor der Entscheidung, welcher Patient zuerst an die Geräte angeschlossen wird und welcher nicht.

Man merkt an den leeren Regalen in Supermärkten, dass lang haltbare Lebensmittel wie Nudeln derzeit sehr häufig gekauft werden. Schürt diese Hamsterei denn nicht die Panik?

Ich sehe das nicht so negativ. Bevorratung ist eine Sicherheitsvorkehrung, für die der Zivilschutzverband seit Jahr und Tag und leider oft noch mit zu geringem Erfolg wirbt. Ich selber achte schon seit 30 Jahren darauf, dass wir in unserem Haushalt Wasser, Lebensmittel, Hygieneartikel und andere wichtige Gebrauchsgüter bevorratet haben, damit wir zwei Monate überdauern können. Diese Vorkehrungen sollte man im Sinne des Zivilschutzverbandes, der dafür sehr brauchbare Einkaufslisten bereitstellt, immer getroffen haben. Auch Bargeld an der Hand zu haben, ist wichtig, bei einem Blackout etwa würde bei Geldautomaten gar nichts mehr gehen.

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Hannes Fehringer

Lokalredakteur Steyr

Hannes Fehringer
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