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Oberösterreich

Mühlviertler von Klapperschlange gebissen

Von Robert Stammler  30. September 2020 09:51 Uhr

Amtstierarzt sucht neues Zuhause für Klapperschlangen
In dieser kleinen Kunststoffbox (Bild rechts) wurden zwei Diamant-Klapperschlangen gehalten.

URFAHR-UMGEBUNG Ein 26-Jähriger aus Engerwitzdorf hielt zwei Giftschlangen illegal im Keller. Der 26-Jährige wurde gebissen, aber zum Glück nur leicht verletzt.

Ihr natürliches Zuhause ist der Südosten der USA: In North Carolina, Alabama und Florida haben die giftigen Diamant-Klapperschlangen ihr Habitat. Wie lange zwei Exemplare im Keller eines Hauses in Engerwitzdorf (Bezirk Urfahr-Umgebung) in einer Plastikbox – vermutlich illegal – ihr Dasein fristen mussten, ist nun Gegenstand von Ermittlungen.

Der Besitzer ist laut Polizei ein 26 Jahre alter Mann, der erst vor einem Monat in das Haus seines Vaters eingezogen ist. Die Schlangen waren neben Umzugskartons gelagert. Der Vater wusste nichts von den Vipern, die mit ihrem Schwanz bedrohliche Rasselgeräusche erzeugen können, um Feinde in die Flucht zu schlagen.

Am Dienstagabend hantierte der 26-Jährige mit der Plastikbox und wurde plötzlich von einer Klapperschlange in die linke Hand gebissen. Um 20.45 Uhr erhielt die Rettung seinen Notruf und schickte sofort einen Notarzt zu Hilfe. Der Gebissene wurde gegen 22 Uhr in das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern gebracht. „Nachdem der Patient eingeliefert worden ist, haben wir Rücksprache mit der Vergiftungszentrale in Wien und dem Serumdepot in Berlin gehalten, um zu erfragen, welches Serum bei einem solchen Schlangenbiss in Frage kommt“, sagt Oberärztin Elisabeth Bräutigam vom Ordensklinikum.

Nur von einem Zahn erwischt

Denn das Gift der Diamant-Klapperschlange attackiert die roten Blutkörperchen, was zum Tod führen kann. Das Glück des 26-Jährigen: Das Reptil hatte ihn nur mit einem Zahn erwischt . „Wir haben ihn zwar überwacht, er war aber stabil und in einem sehr guten Allgemeinzustand“, sagt die Medizinerin. Von der Gabe des Serums nahmen die Ärzte dann Abstand.

Wie gefährlich ist die Diamantklapperschlange? Der Steyrer Schlangenexperte Hans Esterbauer im Interview: 

 

„Es darf nur bei kritischen Verläufen verwendet werden. Denn es bestünde die Gefahr eines schweren allergischen Schocks, sollte der Patient später von dem Tier ein zweites Mal gebissen werden.“ Die Wunde des Schlangenbesitzers wurde im UKH gereinigt, verbunden und geschient. Am Ende ging der Mann entgegen der ärztlichen Empfehlung nachhause, nachdem er einen Revers unterschrieben hatte. Der 26-Jährige muss nun mit mehreren Anzeigen rechnen. Denn die Polizei geht davon aus, dass die Haltung der Schlangen nicht artgerecht war und somit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt.

Zudem soll er gegen die gesetzliche Melde- bzw. Genehmigungspflicht verstoßen haben. Denn spätestens zwei Wochen nach dem Kauf eines Reptils sei bei der Bezirkshauptmannschaft eine sogenannte Wildtieranzeige zu erstatten, sagt Cornelia Rouha-Mülleder, die Tierschutzombudsfrau des Landes Oberösterreich. Bei gefährlichen Tieren, wie etwa Giftschlangen, sei gemäß oö. Polizeistrafgesetz zudem vor der Anschaffung eine Bewilligung der Gemeinde nötig, hieß es seitens des Landes.

Gestern befanden sich die Schlangen jedoch weiterhin bei dem Besitzer. „Er wurde gebeten, sie freiwillig abzugeben, bevor es zu einer behördlichen Abnahme kommt“, sagte ein Polizeisprecher. „Der Amtstierarzt bemüht sich um eine artgerechte Unterbringung der Schlangen“, sagte Bezirkshauptmann Paul Gruber.

Amtstierarzt sucht neues Zuhause für Klapperschlangen

Zoo als neue Heimat?

Ein Tierheim komme nicht in Frage. „Sie brauchen ein entsprechend großes Terrarium.“ Ein Zoo wäre „theoretisch“ ein passendes neues Zuhause, sagte Gruber. „Wir müssen jetzt alles überprüfen.“ Wie bekommt man eigentlich eine Klapperschlange? „Es dürfte viel unter der Hand verkauft werden“, sagt die Tierschutzombudsfrau. Auch an Reptilienbörsen werde mit Schlangen gehandelt. Zudem gebe es genehmigte Züchter. „Man sollte sich vor dem Kauf eines Reptils entsprechend gut über das Tier informieren“, rät Mülleder. 

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Robert Stammler

Redakteur Land und Leute

Robert Stammler
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