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Linz

Von wegen Zwergerl schnäuzen

Von Gabriel Egger 30. Januar 2019 00:04 Uhr

Von wegen Zwergerl schnäuzen
Der verletzte Skibergsteiger wird bei der Übung zum Abtransport vorbereitet.

LINZ/ROßLEITHEN. Ihr Einsatzgebiet verläuft über die Linzer Hügel in den Mühlviertler Granit. Ihr Können geht weit darüber hinaus. Unterwegs mit der Bergrettung, Ortsstelle Linz.

Absturz im Stofferkar. Ein Verletzter. Wie schwer, ist unklar. Vermutlich ein gebrochenes Bein. Die Stimme, die das Rauschen auf Kanal zwei des Funkgeräts unterbricht, bringt den Stoßtrupp in Bewegung. Hinaus aus der wohligen Wärme der Dümlerhütte, hinein in die Skibindung. Sie müssen schnell sein. Zuerst bei der Orientierung, dann in der Spur. Der Westwind, der die roten Kapuzen tief ins Gesicht drückt, wirbelt den Neuschnee in die Hänge des Warschenecks.

Unter diesen Hängen sind sie unterwegs. Sieben Männer der Bergrettung Linz. Unter den Argusaugen eines achten: Ausbildungsleiter Martin Riener. Er beobachtet jede Spitzkehre, jede Entscheidung und auch jeden Fehler seiner Kollegen.

Denn auch wenn der Absturz Teil einer Übung und es nur Bergrettungskamerad Bernhard Hiebl ist, der im brusttiefen Schnee auf seine Rettung wartet, muss der Ablauf stimmen. Für den Ernstfall. Darauf bereitet Riener, Heeresbergführer und 14 Jahre lang Hubschrauberpilot beim Bundesheer in Hörsching, seine Kollegen noch akribischer vor, als er müsste. Nicht nur, weil sie auch privat jederzeit zu einem Alpinunfall dazustoßen könnten und dann schnell und richtig reagieren müssen. Sondern auch, weil sich die Linzer Bergretter immer extra beweisen müssen. Denn das Einsatzgebiet der Ortsstelle Linz unterscheidet sich maßgeblich von dem anderer.

Wenige Einsätze, große Erfahrung

"Wenn jetzt am Pöstlingberg oder am Pfenningberg etwas passieren würde, jemand zum Beispiel irgendwo in ein steiles, unzugängliches Waldstück abstürzen würde, dann werden wir zur Hilfe gerufen", sagt Ortsstellenleiter Herbert Strach. Passiert ist das allerdings noch nie. Seit 30 Jahren ist Strach vollwertiges Mitglied, gehört hat er in dieser Zeit schon viel. Von den Bergrettern im Flachland und dem Zwergerlschnäuzen am Pöstlingberg. "Natürlich ist unsere Lage ein Manko. Wir haben sehr wenige, eigentlich fast gar keine Einsätze", sagt er.

Bei den beiden letzten wurde zwar auch abtransportiert, aber nur der Schnee von den Dächern. 2006 in Bad Ischl und vor zwei Wochen in Windischgarsten. Früher, da gab es auch noch die Pistendienste auf der Hohen Dirn. Das kleine Skigebiet bei Losenstein (Bezirk Steyr-Land) ist aber mittlerweile aufgelassen.

Bei großen Suchaktionen, wie im März 1995 nach dem bekannten Alpinisten Bert Rinesch, nach dem auch der Klettersteig am Großen Priel benannt ist, werden die Linzer weiterhin hinzugezogen. "Aber wir sind leider zu oft zu weit weg", sagt Strach.

Gearbeitet, geübt und geklettert wird bei den Linzern trotzdem so, als würde man in den Alpen und nicht in deren Vorland leben. "Wir haben sehr viele junge Mitglieder, die sich richtig ins Zeug schmeißen", sagt Martin Riener. Zwischen 24 und 78 Jahre sind die 30 Linzer Bergretter alt, mit der jungen Magdalena haben sie auch eine Frau in ihren Reihen. Alpinisten sind sie alle. Vom Eiskletterer bis zum Höhenbergsteiger. Oft unterwegs, immer einsatzbereit.

Bleiben sie einmal doch im Tal, sind sie in der Weißenwolffstraße zu Hause. Eingemietet im Vereinsheim, wo sie sich mindestens einmal im Monat zur Besprechung treffen. Vor mehr als 20 Jahren wurde auch die Oberösterreichische Bergrettung noch von Linz aus dirigiert, der Leiter kam aus Luftenberg (Bezirk Perg). Im Mühlviertel sind die Linzer Bergretter auch danach geblieben. Sie kümmern sich dort um die Klettergärten, sind oft am Burenkogel in Gramastetten (Bezirk Urfahr-Umgebung) unterwegs, richten Routen ein und sanieren sie.

Erfolgreiche Übung im Stofferkar

Im Stofferkar, wo sich der Wind langsam zum Sturm mausert, muss der Verletzte mittlerweile nicht mehr frieren. Auch die Nachhut ist eingetroffen, weitere sieben Bergretter, die sich um den raschen Abtransport kümmern. Eingepackt in einen Schlafsack und mit dem giftgrünen Seil an einen Baum gesichert, wird Kollege Hiebl vorsichtig über den steilen Hang nach unten gelassen und schließlich zurück zur Hütte gebracht. Teils auf Skiern, teils zu Fuß. Die Sicht ist trüb, die Vorgabe klar: den Verletzten rasch, aber bedächtig in die sichere Zone bringen. Geschafft.

Martin Riener ist zufrieden. Nur über den Aufstiegsweg hätten sich seine Kollegen besser absprechen sollen. Das ist auch das Hauptthema der Nachbesprechung. Neben den möglichen Zielen für die Skitour am nächsten Tag.

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Gabriel Egger

Redakteur Land und Leute

Gabriel Egger
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