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"Sicherheitspolitik aus der Parteien-Spielwiese heraushalten"

HÖRSCHING. Andreas Putz, Chef der Heereshubschrauber und Transportflugzeuge, im Interview über die Auswirkungen der Sparvorgaben auf die Katastrophenhilfe.

"Die Sicherheitspolitik endlich aus der Parteien-Spielwiese heraushalten"

Brigadier Andreas Putz, Chef aller österreichischen Heereshubschrauber und Transportflugzeuge. Bild: Bundesheer

Helfen, wenn andere nicht mehr können. Dieses Heeres-Motto trifft auf seinen Verband besonders zu: Brigadier Andreas Putz ist Chef des Kommandos Luftunterstützung (LuU) und für alle Heereshubschrauber sowie die Transportflugzeuge verantwortlich. Im OÖN-Interview spricht er darüber, welche dramatischen Auswirkungen die massiven Sparvorgaben auch auf die Katastrophenhilfe haben könnten.

OÖN: Inwieweit gefährden die Sparvorgaben die Einsatzfähigkeit Ihres Verbandes?

Andreas Putz: Es ist eine Tatsache, dass wir alleine durch die im Frühjahr verfügte Reduzierung des Treibstoffkontingents zirka 25 Prozent unserer Einsatzfähigkeit bei der Hubschrauberflotte eingebüßt haben – 2015 droht eine weitere Reduktion. In weiterer Folge müssen wir unsere bewährte Alouette-III-Flotte stilllegen, und auch die Bell OH-58 "Kiowa" ist bald zu ersetzen. Doch dafür fehlen die Mittel beziehungsweise wurde der Beschaffungsprozess kurzfristig gestoppt. Ohne diesen Ersatz sinkt der Hubschrauberbestand in den nächsten fünf bis sechs Jahren um mehr als die Hälfte und wird damit marginalisiert.

Was bedeutet dieser Verlust konkret für die Einsatzfähigkeit der Hubschrauberflotte?

Die bisherige Leistungs- und Reaktionsfähigkeit unseres Verbandes wird in Zukunft nicht mehr darstellbar sein. Denn wir verlieren ja nicht nur Flugstunden, sondern auch Personal. Schon jetzt ist fix, dass uns mindestens drei Piloten verlassen werden.

Welche Auswirkungen hat das auf die Katastrophenhilfe?

Wir verlieren an Durchhaltefähigkeit und der Möglichkeit, gleichzeitig an mehreren Stellen verfügbar zu sein. Das heißt: Wenn, so wie es 2002 der Fall war, bei einer Jahrhundertflut in mehreren Bundesländern gleichzeitig Menschen auf den Dächern auf Rettung aus der Luft warten, können wir diese Hilfe nicht mehr gleichzeitig leisten.

Sie sagen, Sie verlieren nicht nur innerhalb kurzer Zeit Hubschrauber-Kapazität und Personal. Gibt es wieder einmal mehr Geld, kann man doch beides auch wieder beschaffen?

Das stimmt schon. Allerdings dauert schon alleine die Beschaffung des Gerätes einige Zeit. Denn hier benötigen wir zuerst ein sogenanntes Pflichtenheft, was das Gerät alles können muss. Dann folgen die Ausschreibung, das Bewertungsverfahren und nach dem Zuschlag beginnt erst die Produktion. Bis wir die neuen Hubschrauber geliefert bekommen, dauert das mehrere Jahre. Beim Personal ist dies noch gravierender. Derartige Spezialisten sind nicht von heute auf morgen auszubilden.

Was erwarten Sie deshalb von der Regierung?

Die Sicherheitspolitik muss endlich aus der parteipolitischen Spielwiese herausgehalten werden. Und wir brauchen konkrete Vorgaben. Es wird von uns einerseits verlangt, für die gestellten Aufgaben voll einsatzbereit zu sein und die strategische Handlungsreserve des Staates sicherzu- stellen. Andererseits blutet man uns aus. Wir sind so etwas wie eine Hausversicherung. Haben sie diese nicht und es brennt ihr Haus, dann stehen sie vor dem Nichts. Wir benötigen daher auch die finanziellen Rahmenbedingungen, um die Vorgaben, die das Parlament in einer Sicherheitsdoktrin festgeschrieben hat, auch erfüllen zu können. Der Politik, aber auch der Bevölkerung muss klar sein: Ein bisschen Militär gibt es nicht. Dazu ist die Aufgabe zu ernst!

 

Kommando Luftunterstützung

Zum Kommando Luftunterstützung gehören 67 Hubschrauber (23 Agusta Bell 212, 24 Alouette III, 11 Bell OH-58 „Kiowa“, 9 S-70 „Black Hawk“), acht Pilatus PC-6 und drei Transportflugzeuge

C-130 „Hercules“. Diese sind für Putz „unverzichtbar“. Nicht nur für die Auslandseinsätze, sondern auch für die Evakuierung von Staatsbürgern aus Krisenregionen. „Mit Konzepten schützt man keine Menschen. Dazu benötigt es in Krisensituationen strategischen Ausmaßes gut ausgebildetes Personal und robuste Mittel. Das bekommt man nur mit adäquaten finanziellen Mitteln.“

 

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Artikel Eike-Clemens Kullmann 29. August 2014 - 00:04 Uhr
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