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Linz

Nach Prügelattacke fürchten Homosexuelle weitere Angriffe

Von Valentina Dirmaier   03. Januar 2017 00:04 Uhr

Nach Prügelattacke auf einen Linzer fürchten Homosexuelle weitere Angriffe

LINZ. Ein 26-Jähriger wurde am Wochenende in der Linzer Altstadt zusammengeschlagen.

Die Wunden im Gesicht und am Körper beginnen bereits zu verheilen. Doch an seinen seelischen Schmerzen wird der junge Mann noch lange leiden. Der 26-Jährige soll, wie am Samstag ausführlich von nachrichten.at berichtet, am vergangenen Wochenende in der Linzer Altstadt von einem Unbekannten, der mit einer Gruppe unterwegs war, krankenhausreif geprügelt worden sein.

Danach habe sich der Linzer morgens blutend zur Straßenbahnhaltestelle "Hauptplatz" geschleppt, wo ihn Passanten aufhielten und die Rettung riefen. Der Mann wurde schließlich ins Kepler Uniklinikum eingeliefert und behandelt. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

"Hat Angst, Haus zu verlassen"

Der Grund für die tätliche Auseinandersetzung sei seine sexuelle Neigung gewesen, gab das Opfer gegenüber den Einsatzkräften an. Zuerst sei der Linzer in einem Lokal in der Altstadt beleidigt worden. Gegenüber dem Schwulenportal www.ggg.at erwähnte das Opfer, dass "einer sagte, ich dürfe nicht mit ihm reden, sonst bricht er mir das Gesicht".

Dann habe ihn die Gruppe abgepasst und einer der Nachtschwärmer habe ohne Vorwarnung zugeschlagen, schilderte Stefan Thuma. Der Vereinssprecher der "Homosexuelle Initiative Linz", kurz Hosi, kennt das Opfer. Dass der junge Mann schwul ist, sei in der Szene bekannt, das Outing ist längere Zeit her. "Es geht ihm schlecht. Er hat sich bei der Auseinandersetzung die Lippe durchgebissen und mehrere Schürfwunden und Platzwunden im Gesicht abbekommen. Nun traut er sich nicht mehr aus der Wohnung, weil er Angst hat, dass er noch einmal angegriffen wird", sagt Thuma. Ein Gespräch mit Medien hatte das Opfer bisher abgelehnt, nur zu Thuma und ggg.at hält er Kontakt. Mittlerweile seien auch Drohungen aufgetaucht, und der Linzer habe seine Facebookseite deaktiviert.

Hosi-Sprecher Thuma verurteilt den Vorfall scharf. "So etwas ist dumm, niederträchtig und letztklassig." Er fürchtet, dass sich solche Vorfälle mehren könnten. Anzeichen dafür gebe es, sagt Stefan Thuma im OÖN- Interview und wünscht sich mehr Aufklärung in Bezug auf Homosexualität. Besonders in Schulen.

Der Polizei ist der Vorfall bislang ein Rätsel. Denn das Opfer war zum Zeitpunkt der Einvernahme alkoholisiert und konnte nicht genau beschreiben, wo sich der Vorfall ereignet hat. Zudem brachte die Auswertung von Videodaten brachte bislang keine eindeutigen Ergebnisse, wie der Linzer Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter zu den OÖNachrichten sagt.

 

 

3 Fragen an Stefan Thuma

Stefan Thuma im Gespräch über die Zunahme von Pöbeleien gegen Homosexuelle und wie er mit seinem Partner in der Öffentlichkeit umgeht.

Herr Thuma, wie häufig kommen solche Attacken gegen Schwule und Lesben vor?

Es war lange Zeit wirklich ruhig, aber inzwischen fängt das wieder an, dass sich Pöbeleien mehren. Erst im Dezember hat sich mir ein Mann anvertraut, der aufgrund seiner Homosexualität angegriffen wurde. Zum Glück ist nicht viel passiert. Ich habe ihm geraten, dass er zur Polizei gehen und den Vorfall anzeigen soll. Das hat er aber nicht gemacht. Er hat sich so geschämt.

Womit begründen Sie die von Ihnen vermutete Zunahme?

Ich kann es nicht genau sagen. Aber mir kommt vor, dass sich die Stimmung seit der Präsidentschaftswahl verändert hat. Auch wenn die Akzeptanz größtenteils vorhanden ist, gibt es immer wieder Ablehnung.

Wie gehen Sie mit Ihrer Homosexualität um? Zeigen Sie sich auf offener Straße?

Ich habe zwar seit einem Jahr einen Partner, aber da ich so schon genug in der Öffentlichkeit präsent und auch bei Demonstrationen dabei bin, will ich mich nicht händchenhaltend zeigen. Das würde manche nur provozieren.

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