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Linz

„Auch Jüngere interessieren sich jetzt für Imkerei“

Von Erhard Gstöttner   12. Oktober 2012 00:04 Uhr

„Auch Jüngere interessieren sich jetzt für Imkerei“
Imker-Präsident Maximilian Liedlbauer: „Bienenstiche kommen schon vor, das bin ich gewöhnt.“

LINZ/KRONSTORF. Maximilian Liedlbauer aus Kronstorf (Bezirk Linz-Land) ist Präsident des Österreichischen Imkerbundes.

Am Freitag wird er bei der OÖN-Filmnacht mit Markus Imhoofs Film „More Than Honey“ über das Bienensterben im Linzer Moviemento-Kino (Beginn 20 Uhr) Fragen des Publikums beantworten. Die OÖNachrichten sprachen mit dem ehemaligen Direktor der Höheren land- und forstwirtschaftlichen Schule St. Florian über Freud und Leid der Bienenzüchter.

OÖNachrichten: Wie viele Imker gibt es eigentlich?

Maximilian Liedlbauer: In Oberösterreich sind es 6500. Wir haben die meisten Imker aller Bundesländer. Insgesamt gibt es in Österreich 23.000 Imker. Davon sind 250 Erwerbs-Imker, in Oberösterreich gibt es rund 50.

OÖNachrichten: Wie kann man sich einen typischen Freizeit-Imker vorstellen?

Maximilian Liedlbauer: Lange Zeit waren unsere Mitglieder relativ alt. Aber jetzt interessieren sich viele Jüngere, 30- bis 40-Jährige, für die Imkerei. Früher hatten wir im Landesverband für Bienenzucht jährlich drei Anfängerkurse. Nun sind es sechs pro Jahr. Und es kommen mehr und mehr Frauen zur Imkerei. Der Anteil liegt schon über einem Drittel.

OÖNachrichten: Gibt es auch Imker in den Städten?

Maximilian Liedlbauer: Ja, es gibt sogar einen Trend zur Stadt-Imkerei. Das begann in Paris, wo ein Imker seine Bienenvölker auf das Dach der Oper stellte. Der Honig in der Stadt ist sehr vielseitig, da es in Städten oft viele Arten von Bäumen und Blumen gibt. Zugleich gibt es in der Stadt wenig Pestizide, die die größte Gefahr für die Bienen sind. Aber die Masse der Imker ist nach wie vor auf dem Land angesiedelt.

OÖNachrichten: In der Stadt gibt es freilich auch viele Schadstoffe, vor allem vom Autoverkehr und auch von der Industrie. Ist der Stadt-Honig problemlos genießbar?

Maximilian Liedlbauer: Die Bienen filtern diese Schadstoffe aus. In den vergangenen Jahren gab es bei heimischem Honig keine Beanstandungen. Wenn aber zu viele Schadstoffe vorhanden sind, dann kann die Biene die Schadstoffe nicht mehr ausfiltern.

OÖNachrichten: Welche Problem gibt es in der heimischen Bienenzucht?

Maximilian Liedlbauer: Die Varroa-Milbe, die 1986 erstmals bei uns aufgetreten ist, ist ein nach wie vor akutes Problem. Aber wir Imker haben gelernt, damit umzugehen. Wir setzen gegen die Varroa-Milbe nicht mehr chemisch-synthetische Mittel ein, sondern bekämpfen sie nun mit organischen Säuren und ätherischen Ölen. Heuer hatten wir wieder verstärkt Probleme mit der Varroa-Milbe.

OÖNachrichten: Was ist das größte Problem für die Imkerei?

Maximilian Liedlbauer: Das ist der Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft, zum Beispiel beim Mais-Beizen. Diese Neo-Nicotinoide sind ein Nervengift. Wenn die Biene zuviel davon erwischt, dann stirbt sie. Eine besonderes Problem sind Dosen, die nicht zum Tod führen. Die Bienen erleiden zunächst keinen Schaden, aber das Gift gelangt durch sie in das Bienenbrot. Das ist die Nahrung für den Bienennachwuchs und wirkt somit langfristig. Das führt zu einer nachhaltigen Schwächung ganzer Bienenvölker.

OÖNachrichten: Wenn es zu wenig Bienen gibt, dann gibt es auch weniger Obst, da die Bestäubung nicht mehr ausreichend funktioniert. Gibt es dieses Problem bei uns in Oberösterreich?

Maximilian Liedlbauer: Die Imker sind ehrgeizig, den Verlust von Bienenvölkern auszugleichen. In Österreich funktioniert die Bestäubung nach wie vor, das ist eine Leistung, die die Imker gratis zur Verfügung stellen. Bei Obstplantagen ist das aber etwas anders. Dort sind so viele Bienen zur Bestäubung nötig, dass sie extra herbeigeschafft und mitunter auch gegen Entgelt eingesetzt werden.

OÖNachrichten: Gibt es auch in Oberösterreich diesen gezielten und konzentrieten Einsatz von Honigbienen?

Maximilian Liedlbauer: In Oberösterreich sind die Freizeit-Imker über das ganze Land verteilt. Es gibt aber das Problem, dass Imker ihre Völker aus Mais-Anbaugebieten wegen der Belastung durch Pestizide abziehen. Das ist der Fall im Welser Raum und in Feldkirchen an der Donau.

OÖNachrichten: Gibt es bei uns reinsortigen Honig?

Maximilian Liedlbauer: Das hängt von der Arbeit des Imkers ab. Wenn er seine Völker zur Blütezeit zum Beispiel in einen Akazienhain stellt, dann bekommt er Akazienhonig. Der interessantere Honig ist aber der Mischhonig.

OÖNachrichten: Werden Sie oft von Bienen gestochen?

Maximilian Liedlbauer: Das kommt schon vor, das bin ich gewöhnt. Bei blödem Wetter haben mich auch schon 30 Bienen auf einmal gestochen.


Der Film

 

„More Than Honey“ ist der Film des Schweizers Markus Imhoof über das Bienensterben und dessen gravierende Auswirkungen. Der Film wird heute, Freitag, ab 20 Uhr in Linzer Moviemento in der OÖN-Filmnacht präsentiert.
 
Markus Imhoof, dessen Film „Das Boot ist voll“ 1980 für den Oscar nominiert war, recherchierte für seinen Film über das Bienensterben auf der ganzen Welt. Der Titel drückt es bereits aus: Sterben die Bienen, dann wird nicht nur der Honig fehlen.
 
Im Anschluss an die heutige Filmpräsentation beantwortet Imker-Präsident Maximilian Liedlbauer Publikumsfragen.
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