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Innviertel

"Ich hatte einfach die Schnauze voll"

Von Elisabeth Ertl   25. November 2018 08:04 Uhr

"Ich hatte einfach die Schnauze voll"
Mohammad Reza Khawari (hinten, Dritter von rechts) mit seinen Teamkollegen vom ATV Andorf.

ANDORF / SCHÄRDING. Badminton: Mohammad Reza Khawari flüchtete vor drei Jahren nach Österreich – Heute ist der 17-Jährige aus der Andorfer Badminton-Mannschaft nicht mehr wegzudenken

Drei Jahre und zwei Monate. So lange ist es her, dass Mohammad Reza Khawari eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat. Der damals 14-Jährige floh aus dem Iran, wo er mit seiner Familie (die Eltern wurden in Afghanistan geboren) illegal gelebt hat. Ich konnte nicht in die Schule gehen und hatte ständig Angst, von der Polizei erwischt zu werden", sagt Mohammad.

Deshalb ließ er seine Familie zurück und machte sich auf den Weg in Richtung Europa. Endstation war nach einem Monat Traiskirchen. Von dort kam er über Simmering nach Schärding, wo der 17-Jährige heute – gemeinsam mit einem Freund – in einer eigenen Wohnung lebt. Kochen, putzen, Wäsche waschen, das alles macht Mohammad selbst. "Vieles habe ich aus dem Internet gelernt. Kochen kann ich schon recht gut. Vor allem Hühnchen mit Reis."

Holz und Federbälle

Der gebürtige Iraner hat Deutsch gelernt (inzwischen sogar mit einem leichten Innviertler Dialekt), Freunde gefunden und vor drei Monaten auch eine Lehrstelle: Als Tischler bei der Firma Josko. In Österreich hat er außerdem eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Badminton. Seit fast drei Jahren hat Mohammad kein einziges Training versäumt. Egal ob zu Fuß, mit dem Rad, per Bus oder Zug.

Wenn das Training beim ATV Andorf beginnt, ist er da. "Ich habe bis jetzt auch noch Fußball beim SK Schärding gespielt, aber damit werde ich im Winter aufhören. Das geht sich zeitlich einfach nicht mehr aus", sagt Khawari. Er wolle sich künftig voll und ganz auf Badminton konzentrieren.

Was ihn an diesem Sport so fasziniert? "Man muss sich viel mehr konzentrieren als beim Fußball. Für einen Punkt muss man auch viel mehr laufen. Ich kann zwar noch nicht alles, will aber gegen die Besten spielen. Nur so kann ich viel lernen und immer besser werden." Genau das hat sich Mohammad zum Ziel gesetzt: Immer besser werden, denn "in ein paar Jahren möchte ich der beste Badmintonspieler in ganz Österreich sein."

Beim ATV Andorf hat er das perfekte Umfeld gefunden, um dieses – sehr hoch gesteckte – Ziel eventuell zu erreichen. "Die Leute hier sind extrem nett und hilfsbereit. Deshalb ist die Sporthalle in Andorf zu meinem absoluten Lieblingsplatz geworden. Außerdem ist mein Trainer Alexander Mittermayer mein Vorbild. Ich versuche immer neue Tricks zu lernen und er hilft mir dabei. Vorher war ich zu hektisch und hatte eine schlechte Lauftechnik, aber in letzter Zeit ist mein Spiel viel besser geworden."

Wenngleich sich Mohammad Reza Khawari in Österreich gut aufgehoben fühlt und bestens integriert ist, hat er Heimweh. Nicht nach dem Land, nach seiner Familie. "Von meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern fortzugehen, ist mir sehr schwer gefallen. Aber jetzt will ich nicht mehr weg. Ich stehe auf eigenen Füßen und darauf bin ich stolz", sagt der 17-Jährige, der als subsidiär Schutzberechtigter in Schärding lebt.

Voller Einsatz

Erst am Wochenende war Mohammad Reza Khawari mit dem ATV Andorf wieder unterwegs: Bei den Badminton Nachwuchs-Landesmeisterschaften in Traun. Insgesamt 83 Burschen und Mädchen traten dort zum sportlichen Kräftemessen an. Der 17-Jährige erkämpfte sich gleich zwei Bronzemedaillen: Eine im Herren Einzel und mit Partnerin Viktoria Feitzlmayr, eine im Mixed Doppel (jeweils in der Altersklasse U19).

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