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Innviertel

"Gut ausgebildetes Pflegepersonal zu bekommen, ist alles andere als einfach"

Von Thomas Streif, (lp)   03. September 2018 00:04 Uhr

"Gut ausgebildetes Pflegepersonal zu bekommen, ist alles andere als einfach"
Pflegekräfte werden im Innviertel dringend benötigt

BEZIRK RIED. Neue Pflegeheime im Innviertel können wegen Pflegekräftemangel nicht in Vollbetrieb gehen.

In ganz Oberösterreich werden dringend Pflegekräfte gesucht. Im Innviertel wurden vor Kurzem die Pflegeheime Eggelsberg und Eberschwang eröffnet. Allerdings sind beide Heime noch nicht im Vollbetrieb, dafür fehlt noch gut ausgebildetes Personal. Daher wird die Belegung Schritt für Schritt vollzogen. In Eberschwang sind derzeit erst 25 von 84 Heimplätzen belegt. "Wir können noch nicht in Vollbetrieb gehen. Uns fehlen noch Pflegekräfte, der Bedarf wäre wohl gegeben", sagt Rieds Bezirkshauptfrau Yvonne Weidenholzer im OÖN-Gespräch. "Wir sind, wie jeder andere Sozialhilfeverband in Oberösterreich, sehr bemüht, gut ausgebildetes Pflegepersonal zu bekommen, das ist aber alles andere als leicht", sagt Weidenholzer.

Zusammenarbeit im Innviertel

Im Bezirk Ried versucht man sich jetzt verstärkt zu vernetzen, um gemeinsam gegen das Problem anzukämpfen. "Wir haben eine Plattform mit verschiedenen Personen, Trägern, Pflegeheimen und Institutionen ins Leben gerufen, um vermehrt zusammenzuarbeiten. Ich habe das Gefühl, dass im Zentralraum der Pflegekräftemangel noch nicht so eklatant wie im Innviertel ist", sagt Weidenholzer. Auch mit den Bezirkshauptleuten von Schärding und Braunau sei sie wegen des wichtigen Themas sehr regelmäßig in Kontakt. "Wir arbeiten gut zusammen." Laut Josef Reisinger von der Geschäftsführung des Sozialhilfeverbandes Ried gebe es derzeit eine Warteliste für eine Aufnahme in einem Pflegeheim im Bezirk. "Ich hoffe, dass wir die Kapazitäten in Eberschwang bald erhöhen können", sagt Reisinger.

Zu wenig Interesse

Große Sorgen bereitet den Verantwortlichen vor allem der Umstand, dass das Interesse für die Ausbildungskurse zur Fachsozialbetreuung Altenarbeit in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen ist. "Früher hat es ein Fachkräftestipendium gegeben, da war der Anreiz größer. Außerdem sind in einer Zeit der Hochkonjunktur weniger Menschen für eine Umschulung bereit", vermutet Weidenholzer.

Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer sagte Ende Mai in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten zum Thema Pflegekräftemangel, dass man mit Vollgas gegen die Wand fahre. Auf die Frage, ob sie diese Aussage bestätigen könne, antwortet Weidenholzer: "Ganz so drastisch würde ich es nicht formulieren. Wenn wir uns aber die demografische Entwicklung ansehen und uns gleichzeitig eine Pensionierungswelle bei den Pflegekräften bevorsteht, dann muss man schon sagen, dass die Lage durchaus prekär ist. "Man wird in den kommenden Jahren noch mehr Pflegekräfte benötigen. Es ist eine Lage, die ernst ist, und es würde hier dringend eine politische Offensive benötigen. Der Bedarf an Pflegekräften wird sowohl in den Pflegeheimen als auch bei den mobilen Pflegeeinrichtungen steigen", prognostiziert Rieds Bezirkshauptfrau.

Viele Pflegeheime benötigen gut ausgebildetes Personal. Aus diesem Grund startet am Montag, 29. Oktober, beim BFI Ried der Lehrgang "Fach- und Diplomsozialbetreuer Schwerpunkt Altenarbeit", die Dauer beträgt zwei Jahre. Mehr unter www.bfi-ooe.at

"Spätestens 2020 werden wir Probleme haben"
Bezirkshauptmann Georg Wojak (Streif)

"Spätestens 2020 werden wir Probleme haben"

Im neu errichteten Bezirksseniorenzentrum in Eggelsberg sucht man händeringend nach Fachkräften. Braunaus Bezirkshauptmann Georg Wojak betont: „Viele Pflege-Ausbildungskurse, wie jener am TAU-Kolleg in Braunau, kommen gar nicht erst zustande, weil es zu wenig Interessenten gibt.“ Deswegen möchte der Sozialhilfeverband (SHV) die Pflege-Ausbildung attraktivieren: Azubis der beiden Stiftungen des SHV bekommen zusätzlich zum Arbeitslosengeld monatlich 200 Euro vom Sozialhilfeverband. „Spätestens 2020, wenn die Pensionierungswelle kommt, werden wir große Probleme haben. Daher ist es wichtig, schon jetzt bei den Jungen anzusetzen“, sagt Wojak. Durch die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern fallen auch viele Bewerber aus dem benachbarten Salzburg flach. „Wir dürfen in Oberösterreich keine Pflegeassistenten, die die einjährige Ausbildung absolviert haben, als Fachsozialbetreuer der Altenarbeit anstellen. Das wird uns zum Verhängnis, in Salzburg etwa ist dies schon möglich“, sagt Karin Altmüller, Geschäftsführerin des SHV. 

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