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Innviertel

"Geld ist nur ein Aspekt im Leben!"

17. April 2015 00:04 Uhr

"Geld ist nur ein Aspekt im Leben!"
Stellt Christian Felber das Leben auf den Kopf?

BRAUNAU. Christian Felber diskutiert seine Idee der Gemeinwohl-Ökonomie in der HTL Braunau.

Der studierte Romanist Christian Felber, der sich auch mit Politikwissenschaft, Psychologie und Soziologie beschäftigt hat, verfolgt ein großes, aber heftig umstrittenes Ziel. Er will einen Umbau des bestehenden Wirtschaftssystems – weg von Konkurrenz und Egoismus, hin zu Kooperation und gutem Leben. Der 43-jährige gebürtige Salzburger ist ATTAC-Österreich-Mitbegründer, Erfolgsautor sowie gefragter Referent und überzeugt davon, dass ein Wandel in der Wirtschaft dringend notwendig sei. Der Auch-Tänzer und Performer sieht den Kapitalismus in der Krise.

Am Montag, 20. April, stellt Felber um 19.30 Uhr in der HTL Braunau seine Idee der Gemeinwohl-Ökonomie vor. Tags darauf, am Dienstag, 21. April, diskutiert er von 8.45 Uhr bis 10.30 Uhr mit Schülern der HTL und der HLW Braunau zum Thema "Welche Veränderungsnotwendigkeiten sehe ich in unserer Gesellschaft".

 

OÖN: Der Großteil Ihrer Zuhörer in Braunau wird aus Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren bestehen. Wie würden Sie, speziell für diese Zielgruppe, Ihre Ansichten bzw. Überzeugungen zusammenfassen?

Christian Felber: Angesichts der zahllosen Krisen und globalen Herausforderungen, in die Jugendliche heute hineinwachsen: Hört auf Euer Herz, immer tiefer. Ohne Angst! Folgt niemandem ungeprüft, bildet Euch eine eigene Meinung und überprüft diese regelmäßig. Übernehmt selbst Verantwortung für Euer Leben, jeden Tag und bei jedem Schritt. Wenn keine attraktive Initiative oder Alternative in Sichtweite ist, baut selbst eine auf. Werdet zu Gründern, Initiatoren und Pionieren – sie verändern die Welt und nicht die Zuschauer. Das Höchste und Anspruchsvollste: engagiert Euch für direkte und dezentrale Demokratie und reformiert das festgefahrene und festgefrorene politische System.

Viele Ihrer jungen Zuhörer in Braunau haben gute Aussichten. Sie werden Matura haben, und gerade die HTLer sind wegen ihrer technischen Ausbildung sehr gefragt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es ihnen im Leben gut gehen. Warum sollen sie sich an dem sicher mühsamen und schwierigen, von manchen auch als hochgefährlich bezeichneten Umbau unseres Wirtschaftssystems in Richtung Gemeinwohl beteiligen?

Weil das Festhalten am gegenwärtigen Wirtschaftssystem bestimmt die größere Gefahr für Sicherheit und Wohlstand ist, und weil es im Leben nicht primär um Geld und materiellen Reichtum geht. Das erkennen alle Menschen sehr rasch, wenn sie sich ehrlich fragen, was sie wirklich glücklich macht im Leben. Da kommen ganz andere Faktoren als monetäre Sicherheit. Ich lade das Publikum oft ein, für 30 Sekunden die Augen zu schließen und sich an den schönsten Moment ihres Lebens zu erinnern.

Was kommt dabei heraus?

Es kommen stets Erfahrungen wie Geburt, Liebe, Freundschaft, Naturerlebnisse, Persönlichkeitsentwicklung oder Einheit mit einem größeren Ganzen. Abstrahiert: Gelingende Beziehungen auf vier Ebenen – zu mir selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und zu Gott. Nie, wirklich nie, werden Geld oder Besitzgegenstände genannt. Geld ist nur ein Aspekt im Leben, in Summe geht's um viel mehr, um umfassenden Reichtum ohne Kollateralschäden, der wird in der Gemeinwohl-Ökonomie angestrebt.

Sie sind international tätig und nehmen viele Vortragstermine wahr, Sie kommen immer mit dem Zug, haben kein Auto. Welche drei Konsequenzen aus Ihrem Denken versuchen Sie in Ihrem eigenen Leben ganz praktisch umzusetzen?

Vorweg, ich besitze aus Prinzip kein Auto, und außerdem keinen Fernseher, keinen Videorekorder, keine Waschmaschine, keine Tiefkühltruhe und keine Mikrowelle. Das erlebe ich als Freiheit. Ich fliege aber sehr viel, das ist gegenwärtig mein größter Widerspruch im Leben. Ich frage mich täglich, ob das gerechtfertigt ist für die Arbeit, die ich dadurch leisten kann.

Und wie lautet Ihre Antwort?

Die Antwort ist offen. Sehr wohl geklärt habe ich aber folgende Fragen. 1. Ich möchte immer so ehrlich mit mir selbst und so frei im Geist sein wie möglich. Es geht mir um Erkenntnis und persönliche Authentizität, unabhängig davon, wie unangenehm das zunächst scheinen mag. Langfristig lohnt sich Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit immer. Ich höre dabei konsequent auf meinen Körper und auf mein Herz. Das sind ganz verlässliche Kompasse im Leben. 2: Bei Dingen frage ich mich stets, ob ich sie wirklich brauche. Die Erfahrung zeigt, dass ich mit sehr wenig Besitzgegenständen am glücklichsten, weil freiesten bin. Dafür tanze ich viel, gehe in die Natur und in Beziehung. 3: Ich weiß, dass wir eine funktionierende Demokratie anstelle der gegenwärtigen "Post-Demokratie" und "Realplutokratie" nur dann bekommen werden, wenn ich mich persönlich dafür mitverantwortlich fühle und engagiere. (ho)

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