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Faszination Heimat

Ein steiler Typ

Von Christoph Zöpfl  12. Dezember 2020 00:04 Uhr

Die Hannes-Trinkl-Strecke in Hinterstoder

Wann wird‘s mal wieder richtig Winter, ein Winter wie er früher einmal war? Wir reden nicht von klirrender Kälte oder Tiefschnee im Flachland, sondern vom Normalbetrieb in unseren Skigebieten, die fast alle auf Kunstschnee abfahren. Längst ist angerichtet. Auch die "Streif der Oberösterreicher", die Hannes-Trinkl-Abfahrt in Hinterstoder, wartet coronabedingt noch auf ihre saisonale Erstbefahrung.

Zu Beginn ein Blick in den Selbsterfahrungsschatz: Ich dachte lange, ich wäre ein sehr guter Autofahrer. Dann durfte ich einmal neben Walter Röhrl in einem Porsche Neunelfer Platz nehmen und auf einer für den Verkehr abgesperrten Straße erfahren, wie es ist, wenn jemand hinter dem Lenkrad sitzt, der wirklich ein Auto beherrscht. Beim Aussteigen musste ich mich nicht mehr bücken, weil ich sooo klein geworden war.

Ein Déjà-vu-Erlebnis hatte ich dann später bei einer besonderen Testfahrt auf der damals neu in den steilen Berghang geschnitzten Hannes-Trinkl-Piste in Hinterstoder. Im Freundeskreis bin ich früher regelmäßig als verwegener Skifahrer, dem kein Hang zu steil und kein Sprung zu weit ist, verhaltensauffällig geworden. Naja, und dann versucht man auf der Hannes-Trinkl-Piste dem Hannes Trinkl nachzukommen und merkt, dass zwischen dem Welscup und dem Weltcup ungefähr ein Sonnensystem liegt. Der Hannes nahm schnittig und "auf Zug" die Falllinie ohne hinzufallen, für mich als Oberschenkel-Normalverbraucher waren Sturzgefahr und Atemnot verlässliche Begleiter, weil ich versucht habe, auf der Hannes-Trinkl-Linie irgendwie mitzuhalten. Was nicht wirklich gelang. Würde man sich da auf das unterschiedliche Material ausreden, wäre das der glatte Selbstbetrug. Bei rennfertiger Präparierung ist die Trinkl-Piste für Normals sowieso so unbefahrbar wie die Eiger-Nordwand, aber das nur nebenbei.

Der Prophet im eigenen Land

Dass sie Abfahrts-Weltmeister Hannes Trinkl in Hinterstoder ein Denkmal in Form einer eigenen Abfahrt gesetzt haben, ist nicht selbstverständlich. In Kitzbühel sucht man beispielsweise vergeblich eine Toni-Sailer-Strecke, auch andere österreichische Ski-Helden haben nach ihrer Karriere vielleicht eine Bauparzelle bekommen, aber keine eigene Skipiste. Hinterstoder ist anders. Da gilt der Prophet schon noch etwas im eigenen Land.

Ein "Babyhang" als Einfahrt

"Ich war überrascht, dass man die Piste nach mir benannt hat, ich glaube, da gibt es in Hinterstoder genug Leute, die haben sehr viel geleistet und hätten sich das auch verdient", sagt Trinkl, für den der Ausdruck Bescheidenheit wirklich ein Hauptwort ist. Mit dem Layout der Strecke hat er sich schnell angefreundet. Kein Wunder. Die Trinkl-Piste ist eben ein steiler Typ wie der Hannes selbst, der besonders gerne die Einfahrt in das 40- Prozent-Gefälle nach dem "Schröcksi-Jump" hat und die Übergänge schätzt, bei denen es auf das Gefühl ankommt.

Hannes Trinkl
Hannes Trinkl

Apropos Übergang: Dass die Einfahrt in die Trinkl-Piste so verlockend einfach wie ein Babyhang ist, hat einigen Skifahrern schon statt zum Après-Ski unten am Parkplatz – der ist übrigens fast genauso groß wie das Dorfzentrum von Hinterstoder – in die Unfallambulanz des Krankenhauses Kirchdorf an der Krems befördert. Denn bald nach dem Starthaus geht es wirklich zur Sache und der "Notausgang" kommt erst nach dem ersten Steilhang. Da findet am Ende eines Skitages auf der nicht selten ziemlich eisigen Trinkl-Piste manchmal keine kontrollierte Abfahrt, sondern ein "Figurenwerfen" statt. Darum die dringende Empfehlung: Man beachte die Warnhinweise bei der Einfahrt in die Trinkl-Piste, die wirklich alles andere als ein Kinderspiel ist.

So richtig vollendet wurde die Hannes-Trinkl-Piste übrigens erst heuer im März. Da hat nämlich mit Vincent Kriechmayr beim Weltcup-Super-G endlich ein Oberösterreicher im Ziel als Sieger abgeschwungen. "Normal müssten die Strecke jetzt Kriechmayr-Piste heißen, da hätte ich gar nichts dagegen, der Vinc hat sich das verdient", sagt Trinkl, der Abfahrts- und Bescheidenheitsweltmeister.

Trinkls besondere Passagen

  • Super-G-Start: „Es ist zwar ziemlich tief gelegen, aber Schneeprobleme gibt es dort nicht. Die Winter sind kalt genug, das wird noch länger so bleiben.“
  • Panorama-Kurve: „Nach dem relativ flachen Start geht´s hier zur Sache. Den Übergang darf man nicht verschlafen.“
  • Schröcksi-Jump: „Da springt man im Weltcup 40 bis 50 Meter weit. Bevor man abhebt muss die Richtung stimmen.“
  • Badi-Corner: „Namenspatron ist Rudi „Badi“ Rohregger, der als Funktionär des SC Hinterstoder der Vater der Weltcuprennen war. Die Kurve hinein in das Kanonenrohr hat einen Knick und ist sehr heikel.“
  • Sturm-Hang: „Die Streif lässt grüßen – mit 60 Prozent Gefälle ist das hier der steilste Abschnitt. Den kann ich leider nimmer so wie der Vinc auf Zug fahren. Ich werd´ halt auch nicht jünger.“
  • Hexenboden/Hochstand-Jump-Jaidhausboden: „Spätestens da brennen die Oberschenkel, aber es nutzt nix: Die vielen Wellen und Übergänge können rennentscheidend sein.“
  • Ziel: „Beim Sieg von Vincent Kriechmayr war heuer die Stimmung unglaublich. Hoffentlich wird so a Volksfest bald wieder einmal möglich sein. Mit 650 Höhenmeter vom Start hinunter ins Ziel wird das von der FIS erlaubte Maximum für einen Super G voll ausgenützt.“

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Christoph Zöpfl

Leiter Sportredaktion

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