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1918

"Oberösterreich ist ein schönes, herrliches Land"

Von Markus Staudinger   17. November 2018 00:04 Uhr

Oberösterreich feiert seinen 100. Geburtstag

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Wie aus dem Landtag der Monarchie schrittweise ein demokratisch gewähltes Gremium wurde.

Der Linzer Bischof hatte fix einen Sitz. Zehn weitere Mandate waren für den Großgrundbesitz reserviert und meist in den Händen von Adel oder Äbten – von Starhemberg über Revertera hin zu den Klostervorstehern von Wilhering und Lambach. Der aus vier Kurien zusammengesetzte 69-köpfige Landtag der Monarchie entsprach nicht wirklich demokratischen Vorstellungen.

Nach Kriegsende und Abdankung des Kaisers ist es Zeit, das zu ändern. Idealerweise mit Wahlen, doch die lassen sich angesichts der noch immer fragilen Lage nicht so rasch organisieren. Am 18. November 1918 tritt daher eine provisorische Landesversammlung zusammen. Es ist ein vielköpfiges Gremium: 101 Mitglieder umfasst die Landesversammlung.

Sie setzt sich aus Mitgliedern des bisherigen Landtags (abzüglich der "privilegierten Kurien" wie Großgrundbesitz) und neuen Mitgliedern zusammen. Dabei orientierte man sich grob am Ergebnis der Reichsratswahl 1911 in Oberösterreich, bei der ein gleiches Wahlrecht für alle Männer galt. Unter den 101 Mitgliedern der Landesversammlung am 18. November ist auch noch keine Frau.

"Eine fürchterliche Enge"

Als Johann Nepomuk Hauser am 18. November im Landhaus die Sitzung um 15 Uhr eröffnet, bittet er gleich einmal die "fürchterliche Enge" im Landtagssaal zu entschuldigen. Kein Wunder, saßen zuvor doch nur 69 Mandatare in dem Saal (heute sind es 56).

Dann geht es feierlich, aber rasch weiter. Per Zuruf wählt die Landesversammlung einstimmig den bisherigen Landeshauptmann Hauser auch zum neuen Landeschef. "Oberösterreich ist ein schönes, herrliches Land, das, wenn die Kräfte gepflegt werden, die in ihm schlummern, einer großen und herrlichen Zukunft entgegengeht", sagt Hauser in seiner ersten Erklärung nach der Wahl.

Nach Einzelerklärungen der Fraktionen sprechen sich alle Parteien für den Beitritt Oberösterreich zur Republik Deutschösterreich aus. Wie die Kollegen in Wien hegen auch die Oberösterreicher den Wunsch, "Deutschösterreich in den Verband des Deutschen Reiches einzufügen".

"Genau eine Stunde währte die Versammlung", notiert die Tages-Post, die Vorgängerzeitung der OÖNachrichten. Gewählt wird dabei auch eine provisorische Landesregierung, der (inklusive Landeshauptmann) acht Christlichsoziale, drei Großdeutsche und zwei Sozialdemokraten angehörten.

Erste Wahl am 18. Mai 1919

Genau sechs Monate später, am 18. Mai 1919, wird der oberösterreichische Landtag erstmals nach einem allgemeinen und gleichen Wahlrecht von Frauen und Männer gewählt. Das Ergebnis: Die Christlichsozialen kommen auf 51,1 Prozent, die Sozialdemokraten auf 28,8, die Großdeutschen auf 20 Prozent. Unter den 72 Abgeordneten gibt es genau eine Frau – die Sozialdemokratin Marie Beutlmayr (siehe auch Teil 10 dieser Serie).

An der Spitze des Landes ändert sich wenig: Johann Nepomuk Hauser wird vom Landtag erneut zum Landeshauptmann gewählt. Seine Stellvertreter sind Josef Gruber (SP) und Franz Langoth (GD) sowie – neu – Josef Schlegel (CS) statt Max Mayr (CS).

 

 

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