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12. November: Die (kurze) Geschichte eines Feiertages

Von Markus Staudinger, 12. November 2018, 00:04 Uhr
12. November: Die (kurze) Geschichte eines Feiertages
Sozialdemokratische Republiksfeier 1928 in Linz Bild: Archiv d. Stadt Linz

Vor 100 Jahren wurde die Republik ausgerufen. Der Feiertag, der daran erinnerte, währte bis 1934.

"Deutschösterreich ist eine demokratische Republik": Heute vor hundert Jahren fällt die provisorische Nationalversammlung den Beschluss zur Ausrufung der Republik. Tags zuvor hat Kaiser Karl eine Verzichtserklärung unterzeichnet.

Um 15.55 Uhr treten die Präsidenten der Nationalversammlung – der langjährige Linzer Bürgermeister Franz Dinghofer (deutschnational), der Sozialdemokrat Karl Seitz und der oberösterreichische Landeshauptmann Johann Nepomuk Hauser (christlichsozial) – vor das Parlament. Dinghofer führt gerade den Vorsitz. Ihm fällt es zu, die Republik auszurufen. Mehr als 100.000 Menschen haben sich vor dem Parlament versammelt. Der Versuch, einer Gruppe bewaffneter "Rotgardisten" um den Journalisten Egon Erwin Kisch, eine "sozialistische Republik" auszurufen, führt zu einem Tumult und Schießereien, endet aber rasch ohne Erfolg.

Während in Wien der große Staatsakt über die Bühne geht, nimmt in Linz am 12. November nur der Alltag seinen Lauf. Keine Kundgebung begleitet die Ausrufung der Republik. Für den neuen Staat, der sich de facto am 30. Oktober konstituiert hat, war man in Linz parteiübergreifend bereits am 1. November auf die Straße gegangen (Teil 1 dieser Serie).

Spuren hinterlassen wird der 12. November in Linz dennoch. Der heutige Hauptplatz wird 1921 auf Beschluss des Linzer Gemeinderats von "Franz-Josephs-Platz" in "Platz des 12. Novembers" umbenannt. Ab 1919 ist der 12. November Staatsfeiertag der jungen Republik. Mit Leidenschaft begangen wird dieser Feiertag aber vornehmlich von Sozialdemokraten, auf christlich-sozialer Seite ist die emotionale Bindung an den "Tag der Republik" weniger vorhanden.

Als Feiertag währt der 12. November dann auch nur bis 1934. Der autoritäre Ständestaat unter Engelbert Dollfuß schafft den Feiertag flugs ab – auch der heutige Linzer Hauptplatz wird wieder in Franz-Josephs-Platz umbenannt.

Auch nach dem Krieg erfährt der 12. November keine Wiederbelebung als Feiertag. Staatskanzler Karl Renner erklärt bei einer Regierungssitzung 1945 lapidar, die "ungünstige Wetterlage" um diese Zeit sei ohnehin "für festliche Veranstaltungen sehr ungünstig". Erst 1965 wird der 26. Oktober im Nationalrat in Erinnerung an den Beschluss des Neutralitätsgesetzes 1955 als neuer Nationalfeiertag beschlossen.

 

> Über die Erste Republik hält heute um 19 Uhr im Linzer Wissensturm der Politologe Anton Pelinka einen Vortrag.

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