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Was ist das? Es ist gelb und hat 150.000 Produkte

Schachermayer

Bild: OÖN Grafik

Was ist das Geheimnis erfolgreicher Familienbetriebe? „Man muss zwei Generationen vorausdenken“, sagt Gerd Schachermayer. Seit sieben Jahren sind der 35-Jährige und sein Bruder Josef (28) in der Geschäftsführung des Handelshauses Schachermayer, seit zwei Jahren haben sie die volle Verantwortung dafür. 172 Jahre nach der Gründung sind sie die sechste Generation.

Vor zwei Jahren übergab Roland Schachermayer das Unternehmen an seine beiden Söhne. Der Senator, wie er intern genannt wird, lässt sich nur noch berichten, lässt den jungen Chefs aber sonst freie Hand. „Es war immer klar, dass wir einmal ins Unternehmen einsteigen. Unser Vater vermittelte zu Hause immer das Gefühl, dass es Spaß macht, ein Unternehmen zu führen und weiterzuentwickeln“, sagen die beiden im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Wobei Roland Schachermayer zwar beide Söhne in die Geschäftsführung von Schachermayer und Rechberger setzte, allerdings ein Patt bei Entscheidungen vermied, indem er Gerd bei Schachermayer und Josef bei Rechberger die Vorhand anvertraute.

Schachermayer ist zwar durch und durch ein Linzer Unternehmen, die Ursprünge reichen aber nach Neu-hofen an der Krems zurück. Von dort stammte Joseph Schachermayer I., ein Bauerssohn, der in Linz, Landstraße 4, eine Schlosserei gründete, die sich unter anderem auch mit der Herstellung von Beschlägen aller Art beschäftigte. Schon damals beschränkte sich das Unternehmen nicht auf den oberösterreichischen Markt, sondern lieferte Bahnsteiggeländer für Wien-Hütteldorf oder den alten Salzburger Hauptbahnhof. Auch das Gipfelkreuz auf dem Großen Priel war eine Schachermayer-Konstruktion.

Betrieb mehrfach geteilt

Als Handelshaus trat Schachermayer mit der Übergabe an die zweite Generation stärker in Erscheinung. Die Söhne Matthias und Josef II. erhielten vom Vater je eine Schlosserei samt Eisenhandlung. Letzterer baute den Handel aus und vergrößerte sein Geschäft auf der Landstraße.

Als er 1890 starb, übernahm seine Gattin Rosa (eine geborene Ehrenletzberger) die Geschäfte und führte sie 16 Jahre lang, ehe Sohn Rudolf 1906 die Firmenleitung übernahm.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab Schachermayer seine ersten Kataloge heraus, und bald begannen Tischler und Schlosser auf diese Art und Weise, ihre Bestellungen zusammenzustellen. Sie sind bis heute die Kernzielgruppe des Unternehmens.

Rudolf Schachermayer war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine prägende Person des Linzer Wirtschaftslebens (Spitzenpositionen in der Allgemeinen Sparkasse und des Verwaltungsrates der Mühlkreisbahn). Seine Eisenhandlung hatte damals 3500 Artikel im Angebot.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Söhne Rudolf und Heinrich ans Ruder, das Bürohochhaus in der Linzer Raimundstraße wurde errichtet. Mit dem rasanten Wachstum in der Baubranche wuchs Schachermayer mit und übernahm 1959 auch das Porzellanfachgeschäft Rechberger. In den Sechzigerjahren wurde Schachermayer geteilt. Rudolf erhielt das Stadtgeschäft und das damalige Ofenhaus (beides auf der Landstraße), Heinrich den Großhandel. 1972 stieg Roland Schachermayer in die Geschäftsführung ein.

Ostöffnung genützt

Schachermayer begann, über Oberösterreich hinaus zu expandieren – zunächst nach Wien, später in ganz Österreich. Nach der Ostöffnung erschloss sich Schachermayer ein neuer Markt. 1992 wurde in Budapest die erste Auslandsniederlassung eröffnet. Das Schachermayer-Gelb wurde zur Markenfarbe.

Heute ist Schachermayer in zehn Ländern vertreten, einige kleine Länder wie Mazedonien sollen folgen. Auch Westeuropa sei für weitere Expansion ein Thema, sagt Gerd Schachermayer. Mit seinem Bruder hat er die Vertriebsstruktur umgekrempelt. Während früher der Vertrieb in Branchen aufgeteilt war, hat ein Betrieb heute genau einen Ansprechpartner.
Für die siebte Generation

150.000 verschiedene Artikel für Tischler, Schlosser und viele andere Handwerker lagern in der Linzer Schachermayerstraße, die sich zu einem weithin sichtbaren gelben Kubus ausgewachsen hat.

Gerd und Josef Schachermayer sagen, sie hätten das Erbe von ihrem Vater übernommen, um es wohlbestallt an die siebte Generation zu übergeben. Bis dahin ist noch Zeit. Gerd Schachermayers Sohn ist zwei Jahre alt.

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Artikel Von Dietmar Mascher 02. Oktober 2010 - 00:04 Uhr
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