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Neid auf die Reichen

MÜNCHEN. Neuerscheinung: Viele wollen reich sein, aber kaum einer mag die Reichen

Neid auf die Reichen

Shia LaBeouf und Michael Douglas in „Wall Street – Das Geld schläft nie“ Bild: 20th Century Fox

Knapp 1,4 Millionen Dollar-Millionäre leben in Deutschland. In Österreich sind es knapp 150.000, die ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar haben. Viele der restlichen 8,6 Millionen Österreicher wären auch gern Millionäre. Aber Millionäre an sich sind den Menschen suspekt. Das zeigt die erste internationale Studie zu Vorurteilen und Neid gegenüber Reichen. Autor Rainer Zitelmann war einst Journalist und wurde als Immobilienberater selbst Millionär. Für sein jüngstes Buch "Die Gesellschaft und ihre Reichen – Vorurteile über eine beneidete Minderheit" hat Zitelmann die Bevölkerung von Deutschland, Frankreich, den USA und Großbritannien repräsentativ befragen lassen, wertete die Berichterstattung in Deutschland über Reiche aus und ließ jene Kassenschlager des Hollywood-Kinos der vergangenen Jahre untersuchen, in denen Reiche vorkommen, die ihr Geld weitgehend legal erworben haben.

Das Ergebnis ist für die Reichen ernüchternd. Im besten Fall wird ihnen noch zugestanden, fleißig und intelligent zu sein, aber Sympathie kommt ihnen nicht zu. Vor allem in Deutschland werden Reichen die Adjektive "egoistisch, materialistisch, rücksichtslos und gierig" zugeschrieben. In den USA, Großbritannien und Frankreich fallen den Leuten zumindest ein paar positive Eigenschaften ein. Aber nur selten wird angenommen, sie hätten ihr Vermögen auf moralisch einwandfreiem Weg erworben. Nebenbei wird ihnen auch noch unterstellt, an vielen Problemen der Welt schuld zu sein. Zitelmann ortet hier ein Sündenbocksyndrom. Im konkreten Fall hat jeder in dieser bösen Minderheit mehr als eine Million Dollar privat verfügbares Vermögen. Deutlich milder fällt das Urteil nur aus, wenn die Befragten einen Millionär aus dem Bekanntenkreis (so vorhanden) beurteilen sollen.

Dass die Reichen negativ gesehen werden, habe bei vielen mit der "Nullsummentheorie" zu tun. Motto: Die Gewinne des einen sind die Verluste des anderen. Dass eine gemeinsame Erhöhung der Wirtschaftsleistung und des Wohlstands auch mehr ergibt, das man verteilen kann, werde oft ausgeblendet, schreibt Zitelmann. Medien und Filme würden die negative Einstellung gegenüber Reichen verstärken. In den meisten Hollywood-Streifen sind Reiche Ungustln und werden nur selten (meist durch die Liebe) bekehrt.

Der Linzer JKU-Professor Teodoro Cocca findet es nicht überraschend, dass Deutsche (und Österreicher) die Reichen beneiden. Dies sei Teil einer kulturellen Entwicklung, "obwohl hier die Umverteilung gut funktioniert". Und dass man reich sein möchte, aber die Reichen nicht möge, löse den inneren Konflikt in uns auf. "Schlimm wird es, wenn jemand reich und nett ist. Das hält ja keiner aus." 

Buchtipp: Rainer Zitelmann: "Die Gesellschaft und ihre Reichen", FBV, 464 Seiten, 36 Euro

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Artikel (dm) 12. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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