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Verschwundene Bilder: Der Kunstkrimi geht in die Verlängerung

Was können seit 60 Jahren verschwundene Bilder wert sein? Diese Frage sollte am Freitag am Linzer Landesgericht in der Sache „Familie Jäger gegen die Stadt Linz“ geklärt werden.

Der Kunstkrimi geht in die Verlängerung

Für die Zeichnung »Paar« von Egon Schiele (Bild) wurden der Familie Jäger vom Obersten Gerichtshof 100.000 Euro zugesprochen. Bild: OÖN

Zur Erinnerung: Vier Bilder wurden 1951 von Olga Jäger (1880–1965) an die Neue Galerie der Stadt Linz verliehen. Ein Leihschein dokumentiert das. Walter Kasten, ab 1947 stellvertretender Leiter und später Direktor der Neuen Galerie der Stadt Linz, unterzeichnete das Dokument, auf dessen Briefkopf Wolfgang Gurlitt auftaucht. Gurlitt (1888–1965) war deutscher Kunstsammler und Gründer der Neuen Galerie.

Die Erben von Olga Jäger, die Brüder Alfred, Johannes und Klaus Jäger, entdeckten den Leihschein im Nachlass und ersuchten um Rückgabe der Bilder. Aber sie waren nicht zu finden. Im Juli 2011 sprach der Oberste Gerichtshof den Erben im Fall der Schiele-Zeichnung „Paar“ 100.000 Euro zu. Für die übrigen drei Bilder foldern die Brüder 6,25 Millionen Euro.

Die Stadt Linz, vertreten von Rechtsanwalt Bruno Binder, zweifelt die Echtheit der Bilder an. Elisabeth Nowak-Thaller, Vizechefin des Kunstmuseums Lentos, sagte als Zeugin, dass damals weder Gurlitt noch Kasten imstande gewesen wären, die Echtheit der Bilder zu bewerten. In Gurlitts Sammlung, die von der Stadt Linz für die Neue Galerie angekauft worden war, seien einige Fälschungen aufgetaucht – darunter ein Werk von Arnold Böcklin.

In einem Privatgutachten bezweifelt Schiele-Spezialist Robert Holzbauer, dass Schiele sein Bild „Tote Stadt“ auf Pappe gemalt habe. Richter Hermann Holzweber: „Deshalb wissen wir noch nichts. Vielleicht ist Schiele das Holz ausgegangen.“

Ein Wiener meldete sich und gab an, die „Tote Stadt“ zu besitzen. Das Gemälde entpuppte sich als mit Schiele-Signatur ausgestattete Arbeit von Schieles Studienkollegen und Schwager Anton Peschka.

Das Gericht stellt nun den „Grund des Anspruchs“ fest. Das Urteil wird in zwölf Wochen erwartet. Binder: „Es wird durch alle Instanzen gehen, ich erwarte eine endgültige Entscheidung erst in zweieinhalb Jahren.“ Auf welchen Betrag könnte sich die Stadt Linz mit der Familie Jäger einigen? Binder: „Auf ein Zehntel der Summe.“ 625.000 Euro.

 

Die Kunstwerke

6,25 Millionen Euro fordert die Familie Jäger für folgende drei Kunstwerke:

„Zwei Liegende“, Zeichnung von Gustav Klimt.
„Junger Mann“, Aquarell von Egon Schiele.
„Tote Stadt“, Ölgemälde auf Pappe, Größe 37,5 x 49 Zentimeter, links unten signiert.

Olga Jäger war Kunstsammlerin und Kunstmalerin in Linz. Nach ihrem Tod vererbte sie ihren gesamten Nachlass ihrem Neffen Kurt Jäger, dem Vater der Kläger. Seine Erbin war seine Ehefrau, die 2004 verstorbene Mutter von Alfred, Johannes und Klaus Jäger. Ihren Nachlass vererbte sie zu jeweils einem Drittel an ihre Söhne. Die Neue Galerie ist Vorgängerin des heutigen „Lentos Kunstmuseum Linz“.

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Artikel Peter Grubmüller 24. März 2012 - 00:04 Uhr
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