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Eugen Victor: "Fange niemals an, aufzuhören"

Theater-Urgestein Eugen Victor, in 22 Jahren am Landestheater Linz zum Publikumsliebling avanciert, feiert am 27. August seinen 80. Geburtstag. Die OÖNachrichten haben ihn zum Interview getroffen.

"Fange niemals an, aufzuhören"

Ein kaum alternder Charmeur: Eugen Victor mit beinahe 80 Bild: B. Mayer

Er führt genau Buch: Insgesamt hat er bisher 568 Rollen bei 10.765 Auftritten gespielt. Theater-Urgestein Eugen Victor, in 22 Jahren am Landestheater Linz zum Publikumsliebling avanciert, feiert am 27. August seinen 80. Geburtstag. Seinem Motto getreu "Fange niemals an, aufzuhören. Und höre niemals auf, anzufangen" wird er auch in der kommenden Saison wieder bei der freien Theatergruppe tribüne linz spielen. Ab 14. September in Ödön von Horváths "Jugend ohne Gott".

 

OÖNachrichten: Sie werden 80, stehen nach wie vor auf der Bühne, wirken kaum älter als vor zehn Jahren... Sind Sie ein sehr disziplinierter Mensch?

Eugen Victor: Ja, das bin ich! Ich trinke abends schon einmal ein Bier, aber mein Sohn hat einmal gesagt, er habe seinen Vater niemals angetrunken gesehen. Ich rauche nicht. Auch das Auswendiglernen von Texten macht mir kein Problem. Ich trainiere ja mein Gehirn ständig, war bisher keinen einzigen Tag arbeitslos!

Sie gehören bei der tribüne linz fix zum Ensemble. Was schätzen Sie an dieser kleinen Bühne und dem Team?

Das Wort steht dort im Mittelpunkt. Man muss sich absolut über das Autorenwort mitteilen, es gibt keine große Dekoration oder Kostüme. Und es werden Autoren gespielt, die auf meiner Wunschliste stehen. Das Tolle ist auch, dass von den 14.000 Zuschauern im Vorjahr sicher zwei Drittel junge Menschen waren.

Sie waren 22 Jahre am Landestheater. Nun kommt ein neuer Intendant, manche Verträge werden nicht verlängert. Verstehen Sie Enttäuschung darüber?

Ich verstehe – und auch nicht. Es ist das Schicksal jedes Schauspielers, sich neue Wirkungsstätten zu suchen. Ich bin in 17 Jahren auch zwölf oder 13 Mal mit meiner Familie in Deutschland und der Schweiz umgezogen. Als 1997 Michael Klügl Landestheater-Intendant wurde, war ich überzeugt, dass mein Vertrag nicht verlängert werde. Dem war nicht so. Damals wurden von 28 Schauspielern 24 nicht verlängert. 2001 bin ich in Pension gegangen, weil ich nach 44 Jahren im fixen Engagement endlich frei sein wollte in der Stückeauswahl. Denn manches hab’ ich auch ungern gespielt!

Sie werden Ihren Lebensabend weiterhin in Linz verbringen?

Ja, ich fühle mich wie ein Ur-Linzer, auch wenn ich den Dialekt nicht beherrsche. Für mich gibt es nichts Schöneres, als im Mühlviertel spazieren zu gehen und in einem urigen Gasthaus einen Schweinsbraten zu essen. Ich bin sehr genügsam, bin ja bescheiden aufgewachsen. Ich kann heute noch nichts wegwerfen. Ich koche selbst, und wenn es mittags zu viel wird, dann gibt es eben abends dasselbe mit Spiegelei. Ich lebe alleine, mache den Haushalt selbst.

Sie wollten Tierarzt werden, wie ist die Schauspielerei dazwischengekommen?

Ich habe das Akademische Gymnasium in Wien absolviert. Anlässlich der 400-Jahr-Feier 1952 wurde "König Ödipus" in Altgriechisch und Deutsch aufgeführt. Ich habe den altgriechischen Part gespielt, und ich habe es genossen, auf der Bühne zu sein! Dann habe ich ein Kabarettprogramm über die russische Besatzungsmacht in Wien geschrieben und aufgeführt. Daraufhin landete ich zwei Tage und Nächte im Gefängnis bei den Russen. Danach habe ich meine Worte gezügelt und mich nach der Matura 1954 der Schauspielausbildung gewidmet.

Gehen Sie manchmal auch ins Landestheater?

Ja, aber ich habe da manchmal Probleme mit der Sprache der Schauspieler. Wenn manche meinen, nur weil sie aus Deutschland kommen, sei ihre Sprache bühnentauglich: Nein! Man geht nicht ins Bad mit Doppel-d, sondern ins Bad mit lang gesprochenem A. Punktum!

Sie sind auch in Fernsehfilmen zu sehen, zuletzt im Landkrimi "Die Toten am Teich". Sie mögen die Abwechslung?

Ja. Beim Krimi ist auch ein schöner Kontakt mit Josef Hader entstanden. Ich habe früher in 120 Hörspielen gesprochen, die im ORF-Landesstudio Linz produziert wurden. Ich bedaure es sehr, dass es diesen Sektor nicht mehr gibt. Aber jetzt kommt für mich wieder Theater – noch dazu Horváth, den ich so sehr liebe!

"Fange niemals an, aufzuhören"

In "Heesters in den Sträuchern", 2001

Eugen Victor

Geboren am 27. 8. 1936 in Wien, nach der Matura Schauspielschule Prof. Krauss, danach erstes Engagement in Münster. Er spielte Klassiker, Lustspiele, Operette. Weitere Engagements u.a. in Verden/Bremen, Detmold, Pforzheim und Luzern/Schweiz. 1977 kehrte er nach Münster zurück und folgte ab 1979 dem damaligen Intendanten Alfred Stögmüller ans Landestheater Linz in seine Heimat. Seit 2001 in Pension, aber nicht im Ruhestand...

"Fange niemals an, aufzuhören"

In "Der Dreh" 1998 mit Karl M. Sibelius. (Suter)

 

 

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Artikel Silvia Nagl 26. August 2016 - 00:04 Uhr
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