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"Bei mir schauen die Leute hübsch aus!"

Fotograf Reinhard Winkler erhält den Anerkennungspreis für Bühnenkunst des Landes.

"Bei mir schauen die Leute hübsch aus!"

Er selbst mag es gar nicht, fotografiert zu werden: Fotograf Reinhard Winkler Bild: Christiane Dunkel Koberg

Jeder, der am Kulturleben der Stadt Linz teilnimmt, wird ihn kennen: den Fotografen Reinhard Winkler. Zwar nicht persönlich, aber als jenen Mann, der besonders leise durch einen Veranstaltungssaal schleicht, die Kamera im Anschlag und ständig darum bemüht, niemanden zu stören, wenn er seine Fotos macht. Aufmerksame OÖN-Leser kennen seine Fotos, denn auch wir in der Kulturredaktion verwenden zu den Artikeln oft und gerne seine fotografischen Kunstwerke. Reinhard Winkler wird nun für seine Arbeit mit dem Anerkennungspreis für Bühnenkunst 2017 ausgezeichnet. Verleihung ist am 10. März in Enns. Den Bühnenkunstpreis erhält das Ennser Theater im Hof.

Reinhard Winkler ist Linzer – und das gerne: "Ich liebe die Umgebung in der Linzer Holzstraße", sagt er im OÖN-Gespräch. "Ich war einmal mit der Mama in Lignano. Und 2009 mit dem Bruckner Orchester in Amerika" – das war’s an Auslandsreisen, und mehr braucht er auch nicht.

Der unbekannte Auftraggeber

Reinhard Winkler, 1965 in Linz geboren, hat nach dem Abbruch des Gymnasiums eine Lehre in einem Graphik-Betrieb begonnen, danach die Abendschule besucht, um die Matura nachzuholen. Mit 20 Jahren ist er erstmals Vater einer Tochter geworden, zwei Söhne folgten 1988 und 1990. Inzwischen ist er auch Großvater von zwei Enkelkindern. Um die Familie mitfinanzieren zu können, "bin ich Taxi gefahren und habe Zeitungen ausgetragen." Seine Frau Doris – "meine Jugendliebe" – ist Lehrerin und ging arbeiten, er hat einige Jahre den Part des Hausmannes übernommen. Dann hat er begonnen, in Salzburg Germanistik zu studieren: "Sprache war mir immer wichtig. Ich fotografiere auch gerne Wörter im öffentlichen Raum." So ist auch eines seiner ersten Fotos entstanden: das Schild der "perfekt"-Reinigung im Jahr 2000 in der Linzer Rilkestraße. Seine ersten Fotografien hat er im Internet auf einschlägigen Portalen gepostet. Dabei "habe ich einen Herrn kennengelernt, der mir immer Aufgaben gegeben hat, was ich wie fotografieren solle." Der Herr – Godehard Erichlandwehr – ist erfolgreicher Profi-Fotograf: "Ich habe ihn nie persönlich kennengelernt, aber er hat mir Mut gemacht, mich als Fotograf zu versuchen."

Sein Ziel war, "einmal von der Fotografie leben zu können". Und das tut er nun schon seit einigen Jahren. Besonders gerne arbeitet er "mit Leuten aus der freien Szene, die sich ihrer Kunst mit großer Ernsthaftigkeit widmen". Aber auch große Namen sind seine "Kunden", wie das Bruckner Orchester oder das Landestheater, an dem er seit 2009 für Porträt- und Aufführungsfotografie zuständig ist.

Falten nicht wegretuschieren

Fotografie ist für ihn "ein ständiges Zurücknehmen". Selig mache ihn, wenn die Leute glücklich sind über ihr Aussehen auf seinen Fotos: "Bei mir schauen die Leute immer hübsch aus!" Er würde aber beispielsweise niemals Falten wegretuschieren, "man kann jemanden ja in vorteilhafter Lichtsituation fotografieren".

Fotografie ist für ihn "wie ein Verliebtsein, fast etwas Intimes. Wenn man vier Stunden bei jemandem daheim ist und Fotos macht, kommt man sich sehr nahe." 80 Prozent seiner Auftraggeber sind Künstler, "denen schaue ich auch besonders gerne zu." Er selbst aber sieht sich nicht als Künstler, sondern "als Dienstleister".

Fotografiert er auch mit dem Smartphone wie alle anderen? "Nein, für Schnappschüsse und Fotoalben ist mein Sohn zuständig!"

Die digitale Fotografie sieht er "als Demokratisierung, denn mit analoger Fotografie hätte ich diesen Schritt in das professionelle Fotografentum nie gewagt, weil es finanziell nicht machbar gewesen wäre. Jetzt kann ich eine Unmenge Fotos machen und den Müll dann einfach löschen."

Winkler fotografiert mit einer Canon-Spiegelreflexkamera um zirka 4000 Euro, dazu kommen verschiedene Objektive. Besonders glücklich ist er, "dass ich bei dieser Kamera absolut lautlos auf den Auslöser drücken kann!"

 

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Artikel Silvia Nagl 07. März 2017 - 00:04 Uhr
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