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Gesundheit

Warum essen manche Menschen mehr als andere?

14. November 2019 10:40 Uhr

„Kleines Sandwich“
Je mehr Gewicht, desto größere Portionen isst man

Eine Studie in den USA zeigt, dass Übergewichtige Geschmack anders wahr nehmen.  

Warum essen manche Menschen mehr als andere? Einer aktuellen Studie aus den USA zufolge könnte es mit dem Body-Mass-Index zusammenhängen, dass Essen übergewichtigen Menschen länger und besser schmeckt als Normalgewichtigen. Besonders adipöse Menschen haben eine andere Geschmackswahrnehmung. 

Von den Probanden der US-amerikanischen Studie waren eine Hälfte normalgewichtig und jeweils ein Viertel übergewichtig oder fettleibig. Sie durften so viel Schokolade essen, wie sie wollten, und bewerteten während des Essens das Geschmackserlebnis und ihr Sättigungsgefühl.  Maria Leibetseder, Klinische Psychologin am Klinikum Rohrbach, erklärt die hirnphysiologischen Zusammenhänge: „Je mehr man von ein- und demselben Lebensmittel konsumiert, desto weniger Verlangen nach diesem Lebensmittel verspürt man. Würde man zum Beispiel immer Reis essen, langweilen sich mit der Zeit die Geschmackssensoren und das Gefühl, genug zu haben, stellt sich ein. Man spricht von der wahrnehmungsspezifischen Sättigung.“ 

Die Studie zeigt, dass bei adipösen Menschen das Gefühl der Sättigung viel später eintritt als bei normalgewichtigen Menschen. Sie bewerteten die Schokolade als besser schmeckend und ihr Verlangen danach nahm langsamer ab als bei den anderen Testgruppen. Ein weiterer Aspekt: Je mehr Energie die Nahrung hat (z.B. Burger, Schokolade), umso weniger wird das Sättigungsgefühl aktiviert, und die Personen konsumieren mehr.

Außerdem steigt der Appetit bei einem Wechsel auf ein anderes Nahrungsmittel oder auf einen neuen Geschmack wieder an. Dies ist auch der Grund dafür, dass bei einem Buffet mit großer Auswahl an Gerichten und Geschmäckern die Nahrungszufuhr deutlich zunimmt. Die Erkenntnisse der Studie können für die Entwicklung effektiverer Therapien gegen die Krankheit Adipositas hilfreich sein, insbesondere im Hinblick auf die Esssucht, an der fünf Prozent der Adipositas-Erkrankten leiden. So könnte durch die wiederholte Aufnahme ähnlicher Mahlzeiten die Gesamtessensmenge verringert und zum Zweck der Gewichtsabnahme genutzt werden. 

Ablenkung beim Essen macht dick

Doch nicht nur eine falsche Wahrnehmung kann zu Übergewicht führen. Unser Sättigungsgefühl wird auch maßgeblich vom Magen bestimmt: Er meldet sich, wenn er voll ist. Wer nicht achtsam und in Ruhe isst, ignoriert dieses Signal oft. Renate Hagenauer, Fachärztin für Innere Medizin am Klinikum Rohrbach betont: „Besonders wenn wir vor dem Fernseher oder am Computer essen, sind wir abgelenkt und beachten das sich einstellende Sättigungsgefühl nicht. Dann essen wir nicht nur größere Mengen, sondern vergessen auch, wann und wie viel wir gegessen haben.“ Sie plädiert dafür, die Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen Bissen zu richten. So prägen wir uns im sogenannten „Essensgedächtnis“ auch deutlicher ein, was und welche Mengen wir zuletzt gegessen haben, was wiederum wichtig für eine ausgewogene Energieaufnahme ist. 

Um dem trügerischen Gefühl der wahrnehmungsspezifischen Sättigung zu entgehen, sollte der Speiseplan möglichst abwechslungsreich sein. Dadurch erhält der Körper auch die verschiedenen notwendigen Vitamine und Mineralstoffe sowie eine ausgewogene Mischung aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett.

Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 25 werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als übergewichtig eingestuft. Bei einem BMI von über 30 spricht man von Adipositas. Rund 15 Prozent der Österreicher sind adipös, Tendenz steigend. Deshalb hat die WHO Adipositas zum größten weltweiten chronischen Gesundheitsproblem bei Erwachsenen erklärt. 

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