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Gesundheit

Tanzen und singen gegen das Vergessen

Von Claudia Riedler 15. Mai 2019

Tanzen und singen gegen das Vergessen
Die Tagesgäste singen gemeinsam

Demenz ist nicht heilbar, der Krankheitsverlauf kann aber positiv beeinflusst werden.

Im Tageszentrum Regenbogen der Volkshilfe ist heute Tanzcafé. Sabine Wögerbauer, die Leiterin der Einrichtung für Demenzkranke, bittet die Gäste aufs Parkett. Zu Schlagermusik beginnen die Männer und Frauen gleich zu tanzen – mit den Betreuern oder miteinander. Manche schauen auch nur zu und schunkeln ein wenig im Takt. Fast alle haben ein Lächeln im Gesicht, wenn "17 Jahr, blondes Haar" oder das Kufstein-Lied ertönen. "Tanzen ist nicht nur eine der besten Maßnahmen zur Demenz-Prävention, es hilft auch den Erkrankten", sagt Wögerbauer. Dabei werden gleich mehrere Gehirnbereiche aktiviert, der Kreislauf wird angeregt, und es ist ein gutes Gleichgewichtstraining.

Von 7.30 bis 16 Uhr können die Gäste im Tageszentrum Regenbogen in Linz betreut werden. "Wir sind spezialisiert auf Demenzpatienten, vor allem als Entlastung für die Angehörigen", sagt Wögerbauer. Nach dem Frühstück starten alle gemeinsam mit zwei Liedern in den Tag. Wer kann, singt mit. Wer möchte, macht auch die passenden Bewegungen dazu.

"Das Singen kennen die Menschen von klein auf, das geht nicht verloren. Und selbst wenn die Sprache durch die Krankheit schwindet, die Liedtexte können die meisten gleich mitsingen. Ganz automatisch", berichtet die Leiterin, die den kleinen Chor mit der Gitarre begleitet. Und: Musik fordere nichts. Die Menschen können singen, ein bisschen summen, schunkeln oder einfach zuhören. "Und alles hat eine gewisse Gemütlichkeit und macht Freude."

Pflege meist zuhause

Demenz ist die häufigste Krankheit im Alter, 20 bis 30 Prozent der 85-Jährigen sind betroffen. Es ist auch jene Krankheit, die den Menschen am meisten Angst macht. 80 Prozent der Demenzbetroffenen werden daheim gepflegt. Die Angehörigen leiden mit. "Laut einer Umfrage geben drei von vier Angehörigen von demenzkranken Menschen an, dass sie sich psychisch sehr bis mäßig belastet fühlen", sagt Wögerbauer.

Die Angehörigen berichten auch, dass sich der Besuch im Tageszentrum positiv auswirke. "Die Patienten sind wacher, die Sprache wird deutlicher. Selbst im fortgeschrittenen Stadium erkennt man Veränderungen, etwa ein besseres Körpergefühl. Die Verhaltensauffälligkeiten nehmen ab", sagt Wögerbauer. Denn: Nicht immer läuft es so entspannt ab wie beim Tanzcafé. "Manche Gäste sind unruhig oder aggressiv. Unsere Mitarbeiter sind aber gut geschult und können damit umgehen." Wenn nicht getanzt oder gesungen wird im Tageszentrum, gibt es andere Aktivitäten: Gedächtnistraining, Quiz, Spiele, Basteln, Spaziergänge und gemeinsames Essen. Einer der Höhepunkte des Jahres ist der Vergissmeinnichtball, heuer am 25. Mai in Leonding. "Die Premiere im Vorjahr war ein voller Erfolg. Es ist eine entspannte Auszeit für alle Beteiligten. Die Pflegenden sehen hier nicht nur die Defizite der Patienten, sondern auch ihre Talente", sagt Wögerbauer. Durch den Nachmittag führt eine ihrer Mitarbeiterinnen, "Fräulein" Tamara Kirsch.

Demenz-Ball in Leonding

Zum zweiten Mal veranstaltet die Volkshilfe am 25. Mai, 14 Uhr, den Vergissmeinnicht-Ball in der Kürnberghalle Leonding.

Eingeladen sind Menschen mit Demenz, Senioren, pflegende Angehörige, Betreuerinnen und alle Interessierten.

Mit Schlagermusik und Show wird die Stimmung angeheizt.

Der Eintritt ist eine freiwillige Spende, Karten gibt’s unter 0732/3405-415 oder regenbogen@volkshilfe-ooe.at

Artikel von

Claudia Riedler

Leiterin Redaktion Leben und Gesundheit

Claudia Riedler
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