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"Ich lebe gut mit meiner neuen Blase"

Von Barbara Rohrhofer, 10. Jänner 2019, 00:04 Uhr
"Ich lebe gut mit meiner neuen Blase"
Primar Josef Oswald, Patientin Viktoria Haderer und Uro-Therapeutin Anita Silye Bild: OK

Viktoria Haderer, 19, ist seit ihrer Geburt Patientin im Ordensklinikum Linz.

"Vergiss nicht zu träumen", steht auf dem weißen T-Shirt von Viktoria Haderer, 19, aus Antiesenhofen. Dieser Spruch scheint ihr Lebensmotto zu sein. Denn die junge Innviertlerin weiß, dass es sich lohnt, zu träumen, weil sich Träume tatsächlich erfüllen können – wie zum Beispiel jener, eines Tages wirklich ganz gesund zu sein.

Vor 19 Jahren wurde Viktoria Haderer mit einer "offenen Blase" im Krankenhaus Ried geboren. Schon nach wenigen Tagen kam sie ins Ordensklinikum Barmherzige Schwestern in Linz, wo sie von Primar Josef Oswald, Vorstand der Abteilung für Kinderurologie, das erste Mal operiert wurde. Viele, viele Eingriffe später saß sie gestern selbstbewusst und pumperlgesund bei der Pressekonferenz des Expertise-Zentrums für Kinderurologie in jenem Krankenhaus, das sie mittlerweile in- und auswendig kennt, weil sie mit ihren Eltern sehr oft hierher gefahren ist und viele Tage und Nächte auf der Kinderstation verbracht hat. "Ich hatte immer wieder schwere, schmerzhafte Blaseninfekte und Blasensteine", erzählt sie.

Lehre als Bandagistin

"Die vielen Entzündungen drohten schließlich, eine Niere von Viktoria zu zerstören", sagt Primar Oswald. Also hat sich die junge Frau vor vier Jahren für eine künstliche Blase entschieden. Die Operation dauerte 16 Stunden lang. Die "neue" Blase wurde aus Teilen des Dünn- und Blinddarms geformt. "Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, ist es mir körperlich sofort richtig gut gegangen. Aber ich hab’ einige Zeit gebraucht, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich eine künstliche Blase habe", sagt sie. Mittlerweile aber gehört das neue Organ ganz zu ihr und zu ihrem Leben, das sich kaum von dem anderer Jugendlicher unterscheidet: Fußballspielen, Mopedfahren, Fortgehen – alles Dinge, die Viktoria gerne macht. "Und einen Freund hat sie auch", sagt Primar Oswald.

Ihre Krankheitsgeschichte hat die Berufslaufbahn der Innviertlerin beeinflusst. "Ich hab’ mit einer Friseurlehre begonnen. Dort hatte man allerdings wenig Verständnis, als man von meiner bevorstehenden großen Operation erfahren hat", erzählt sie.

Jetzt macht die 19-Jährige eine Lehre als Bandagistin, die genau das Richtige für sie ist. "Meine Krankheitsgeschichte hat mich einfach geprägt." An die vielen Operationen erinnert vor allem eine große Narbe auf ihrem Bauch. Was sie sich sehnlichst wünscht? "Dass Menschen, die irgendwelche Krankheiten haben, mit ihrem Handicap von anderen so akzeptiert werden, wie sie sind."

Neue Blase hält 100 Jahre

Die regelmäßigen Kontrollen im Ordensklinikum Linz gehören für sie zum Leben. "Die neue Blase funktioniert hervorragend und hält sicherlich für die nächsten 100 Jahre", sagt Primar Oswald.

Stefan Meusburger, medizinischer Geschäftsführer des Ordensklinikums Linz, ist voll des Lobes für die spitzenmedizinischen Leistungen seines kinderurologischen Teams. Auch Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander ist stolz: "Gerade bei seltenen Krankheiten sind Betroffene und ihre Angehörigen mit besonderen Problemen konfrontiert. Da ist es gut, ein Zentrum mit internationaler Expertise im Land zu haben."

 

Kinder-Urologie ist erstes Expertise-Zentrum

Die Abteilung für Kinderurologie am Ordensklinikum Linz ist die einzige derartige Abteilung in Österreich und ab sofort auch europäisch anerkanntes „Expertise-Zentrum für seltene Erkrankungen“. „Als spezialisiertes Zentrum sind wir jetzt die nationale Erstanlaufstelle für alle Themen, die mit seltenen kinderurologischen Erkrankungen zu tun haben. Das sind Fehlbildungen und Erkrankungen von Nieren, Harnleitern oder Blase in vielfältigen Ausprägungen. Im Rahmen des Zentrums wird dieses Wissen gebündelt und vernetzt“, erklärt Primar Josef Oswald, Vorstand der Abteilung für Kinderurologie.

2000 Operationen: Jedes Jahr werden hier rund 2000 Kinder operiert. Seltene, komplexe Fälle machen die Hälfte der Eingriffe aus. Viele Operationen erfolgen bereits im Säuglings- und Kleinkindalter, um spätere Nierenschädigungen zu verhindern.

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