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Gesundheit

"Bei der Reha werden Lebenswünsche Realität"

Von Von Dietlind Hebestreit   17. April 2019

"Bei der Reha werden Lebenswünsche Realität"
Computergestützte Ganganalyse

Individuell abgestimmte Programme, neueste wissenschaftliche Methoden und viel Empathie für die Patienten: Im Neurologischen Therapiezentrum Gmundnerberg sind Erfolgserlebnisse nicht selten.

Als ich auf den Gmundnerberg gekommen bin, konnte ich nicht mehr gehen. Morgen kann ich das Therapiezentrum auf meinen eigenen Beinen wieder verlassen." Ganz nebenbei, beim Kartenspielen am Abend, erzählt die Patientin, die weit über 70 Jahre alt ist, ihre Geschichte.

Jeder, der an das Neurologische Therapiezentrum Gmundnerberg überwiesen wird, hat ein Problem. Die meisten Patienten kommen nach einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung in das über 800 Meter hoch und idyllisch gelegene Reha-Refugium in Altmünster. Andere haben chronische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder eine Muskeldystrophie.

Maßgeschneiderte Therapie

"Wir haben für jede Erkrankung ein individuelles Programm", sagt Primar Hermann Moser, medizinischer Leiter der Einrichtung. Jeder Patient wird von den insgesamt 160 Physio- und Ergotherapeuten, vom Psychologen und vom Arzt befragt und getestet. Erst dann definieren die Experten in enger Absprache mit dem Betroffenen Ziele und erstellen ein Programm, das nach Bedarf jederzeit auch abgewandelt werden kann.

Fünf mal 25 Minuten sind täglich eingebucht. Das kann ganz schön fordernd sein. "Die Ganganalyse ist für mich eine echte Herausforderung", sagt die 48-jährige Gertraud Rathmaier-Hauer. Während sie auf dem Laufband marschiert, analysiert der Computer ihre Haltung, zeigt in bunten Bildern, wie sie auftritt. "Mit dem linken Fuß rolle ich zu wenig ab, rechts gehe ich am Außenrist", erkennt die Linzerin, die seit 20 Jahren mit der Diagnose MS lebt. Sie ist nicht zum ersten Mal auf Reha, "und ich hole mir immer wieder Energie für die nächsten Jahre." Dass die Therapeuten persönlich auf sie eingehen, schätzt die Krankenschwester besonders. Doch auch die Verbundenheit mit den anderen Patienten spürt Rathmaier-Hauer: "Wir gehören alle zusammen."

Menschlich und wertschätzend

Dieses Gefühl fasst auch Primar Moser in Worte: "Ich möchte nicht, dass Menschen hier als Fälle betrachtet werden. Menschlichkeit, Wertschätzung und Freundlichkeit sind mir sehr wichtig. Im Umgang mit den Patienten genauso wie unter den Therapeuten und Ärzten." Vielleicht noch bedeutsamer sind für die Betroffenen aber Behandlungen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ergo- und Physiotherapie, Gehirntraining, Diätologie und viele andere Behandlungs-Mosaiksteinchen fügen sich zu einem effektiven Behandlungskonzept zusammen. Einzeltermine wechseln sich mit Angeboten in der Kleingruppe ab.

Ist eine Übung zu leicht? Schwerer geht es immer, ist eine der Erkenntnisse, die Patienten schnell erlangen. So wachsen sie an den Aufgaben und profitieren optimal von den Übungen. Ein Beispiel gefällig: Auf dem Schaukelbrett stehen? Leicht. Dann auf einem Bein? Immer noch leicht. Dann die Augen schließen. Oder einen Ball in die Höhe werfen und wieder auffangen. Und schon wird eine simple Übung zu einer echten Herausforderung.

Warum Primar Moser seine Aufgabe als besonders befriedigend ansieht: "Wir haben den schönsten Teil der Neurologie, denn bei uns geht es wieder aufwärts. Lebenswünsche werden Realität." Das kann sein, dass eine Frau es wieder schafft, mit dem Rollator zum Supermarkt zu gehen und selbst einzukaufen, oder dass ein Großvater wieder fit genug ist, um mit seinem Enkel angeln zu gehen. "Nach zwei Wochen habe ich es wieder geschafft, alleine aus dem Bett zu kommen und frei zu stehen", sagt Petra Kristament. Die 39-jährige Niederösterreicherin leidet seit neun Jahren an Multipler Sklerose.

Wegen seiner Parkinson-Erkrankung ist der 48-jährige Norbert Pernerstorfer da. Er ist von der speziellen Physiotherapie, die ihm beim Strecken und Dehnen hilft, begeistert. "Wichtig ist es natürlich, dass man daheim weitermacht", so der vierfache Vater, der in der Nähe von Krems daheim ist. Und in den Behandlungspausen schaut er gerne auf den Traunsee hinunter und genießt die atemberaubende Bergkulisse – als Extra-Bonus Balsam für die Seele.

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