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Tagespost

Eine Hoch-Zeit und vier Todesfälle

11. Juli 2015 00:04 Uhr

Auf den „Riesenzahn“ sind heute jährlich rund 3000 Bergsteiger scharf.

Matterhorn-Erstbesteigung: Am 14. Juli 1865 stand der junge Engländer Edward Whymper als Leiter einer Siebener-Seilschaft als erster Mensch auf dem 4478 Meter hohen Walliser Gipfel.

  • Matterhorn-Erstbesteigung: Am 14. Juli 1865 stand der junge Engländer Edward Whymper als Leiter einer Siebener-Seilschaft als erster Mensch auf dem 4478 Meter hohen Walliser Gipfel.
  • Dem Triumph folgte die Tragödie: Beim Abstieg stürzten vier Bergsteiger in den Tod.

Eine Hoch-Zeit und vier Todesfälle

Acht Mal hatte sich der aus bescheidenen Verhältnissen stammende britische Illustrator die Zähne an dem steilen Felszahn ausgebissen. Nicht umsonst galt der majestätische Gipfel damals als unbezwingbar. „Kommt diesem Gipfel nicht zu nahe“, warnten die Schweizer Bergbauern, die davon überzeugt waren, dass Geister Steinbrocken ins Tal schleuderten, damit die Schönheitskönigin der Alpen unberührt bleibe.

Bei den erfolglosen Versuchen auf der Südseite hatte Edward Whymper den erfahrenen italienischen Bergführer Jean-Antoine Carrel engagiert, der sich jedoch von ihm abwandte, als der Italienische Alpinklub die Besteigung des Matterhorns zur nationalen Aufgabe erklärte. Whymper wechselte auf die Zermatter Seite und bildete seine eigene Seilschaft: die einheimischen Bergführer Peter Taugwalder, Vater und Sohn, ihr französischer Kollege Michel Croz und die englischen Touristen Charles Hudson, Lord Francis Douglas und der alpinistisch ungeübte Robert Hadow.

Das Seil reißt

Am 14. Juli 1865 erreichte Whymper über den Hörnligrat um 13.40 Uhr als Erster das große Ziel. Er hatte den Wettlauf mit Carrel, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Liongrat nach oben strebte, gewonnen. Der süße Geschmack des Triumphs hielt nicht lange an. Oberhalb der steilen Nordwand kam es beim Abstieg zur Katastrophe. Hadow rutscht aus, reißt Croz und die beiden hinter ihm gehenden Hudson und Douglas mit. Die Taugwalders und Whymper überleben nur, weil das zu dünne, alte Seil, das sie mit den Stürzenden verbindet, reißt. „Plötzlich schossen die vier wie eine kleine Wolke in die dünne Luft“, schrieb Taugwalder junior später. Whymper habe danach so heftig gezittert, „dass er kaum fähig war, einen Schritt vorwärts zu tun ... ohne uns wäre auch er umgekommen“.

Doch die Welt wollte eher der Darstellung des Briten glauben, der die Schweizer Bergführer zu Sündenböcken machte und sich selbst beschönigend aus der Affäre zog. Eine Schmach, an der der alte Taugwalder zerbrach.

Seit dem 14. Juli 1865 haben mehr als 500 Menschen am Matterhorn ihr Leben verloren. Am 150. Jahrestag bleibt der Berg im Gedenken an ihr Schicksal gesperrt. Wer trotz des Verbots den Aufstieg versucht, muss mit einer Strafe von 5000 Franken (4800 Euro) rechnen. Für 17. Juli ist eine Jubiläums-Besteigung über alle vier Grate geplant, mit Seilschaften aus Italien, England, Frankreich und der Schweiz.    (beli)

 

  • 371 Mal stand der legendäre Zermatter Bergführer Ulrich Inderbinen (1900-2004) auf dem Matterhorn, zuletzt als 89-Jähriger.
     
  • 106 Minuten brauchte der Schweizer Speed-Kletterer Dani Arnold am 22. April 2015 durch die Nordwand auf den Gipfel. Rekord!
     
  • Der 1. Oberösterreicher, dem die Nordwandbegehung des Matterhorns gelang, war 1954 Sepp Larch aus Weyer, der 1956 zu den Erstbesteigern des Gasherbrum II (8034 Meter) gehörte.
     

Versteht Messner Spaß?

Reinhold Messner

Versteht Messner Spaß?

Das Matterhorn hat den Alpinismus verändert“, sagt Reinhold Messner kürzlich in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung: „Bergsteigen war bis 1865 eine romantische, idealistische, wissenschaftlich motivierte Angelegenheit. Auf Berge klettern hatte etwas Geheimnisvolles an sich, das mit dem Absturz am Matterhorn zu einem gewissen Grad verloren ging.“ Für die Achttausender-Legende zeigte sich damals zum ersten Mal ein alpines Wettrennen der Nationen und der Übergang vom Eroberungs- zum Schwierigkeitsalpinismus.

Messner, der die Tragödie in seinem neuen Buch „Absturz des Himmels“ (S. Fischer, 288 Seiten, 20,60 Euro) erzählt, verbindet eine unvergessene TV-Episode mit dem Berg. „Verstehen Sie Spaß?“-Moderator Kurt Felix ließ 1988 einen Kiosk in die Wand fliegen, was Messner, der eine Touristin auf den Berg führte, in Rage brachte.


 

Der Berg ruft

Der Berg ruft Luis Trenker

1938 bringt der Südtiroler Luis Trenker als Produzent, Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller mit „Der Berg ruft“ den dramatischen Wettlauf um die Erstbesteigung des Matterhorns ins Kino. Trenker (1892-1990) spielt darin den italienischen Bergführer Jean-Antoine Carrel, der sich dem von Zermatt aufsteigenden Edward Whymper geschlagen geben muss.

„Der Berg ruft“ ist ein Remake von Nunzio Malasommas Stummfilm „Der Kampf ums Matterhorn“ aus dem Jahre 1928, in dem Trenker auch schon die Rolle des Carrel übernommen hatte.

Sehen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Film:

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