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Kultur

Zwei komische Könner, die es nicht nur lustig hatten

Von Bernhard Lichtenberger  09. Mai 2019 00:04 Uhr

Zwei komische Könner, die es nicht nur lustig hatten
Kongeniale Schauspieler: Steve Coogan (li., im Spiegel re.) als Stan, John C. Reilly als Ollie

"Stan & Ollie" – eine warmherzige Hommage an Laurel & Hardy

Da der Wohlbeleibte mit der schmalen Rotzbremse, der schüchtern turtelnd an seinem Schlips herumfingert und verdutzt oder resignierend in die Kamera starrt, wenn er im Spiel um die Gunst des Schicksals wieder einmal den Kürzeren gezogen hat.

Dort sein schmalbrüstiger, spindeldürrer Kompagnon mit Segelohren, der sich zu unbedarfter Mimik am wirren Scheitel kratzt und als reiner Tor das Leben meistert. Unter dem plumpen Titel "Dick & Doof" erfüllten Oliver Hardys und Stan Laurels Episoden und Filme einst heimische Patschenkinos mit Lachen.

Ende der 1930er Jahre befand sich das komische Gespann auf dem Zenit seiner Karriere. Zu dieser Zeit setzt Jon S. Bairds Tragikomödie "Stan & Ollie" mit einem kurzen Vorspiel ein: Auf dem Weg zu einem Studio-Dreh beklagt Stan, dass ihre Slapstick-Kollegen Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd das Zehnfache verdienten. "Denen gehören die Rechte an ihren Filmen", stellt Ollie, denn alle nur "Babe" nannten, lapidar fest.

Während sich Laurel im Streit um mehr Geld mit Studio-Boss Hal Roach anlegt und gefeuert wird, fügt sich Hardy. Der Lebemann, der sich an den Frauen ebenso erfreut wie am Golf, fürchtet um sein gesichertes Einkommen.

Blende. 16 Jahre später. Das Kunststück, den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm ohne Karriereknick absolviert zu haben, 94 gemeinsame Streifen, der Kurzfilm-Oscar für "The Music Box", in dem sich das Duo in Sisyphus-Manier mit einem Klavier auf einer Treppe abmüht, sind längst Vergangenheit. Die in die Jahre gekommenen, gesundheitlich angeschlagenen Komiker tingeln auf einer Theatertournee durch England. Die Hotels, in denen sie absteigen, sind ebenso bescheiden wie die Bühnenhäuser. Der Besuch ist mehr schlecht als recht, die Erinnerung an das berühmteste Slapstick-Doppel der Filmgeschichte scheint verblasst zu sein.

"Stan & Ollie" blickt hinter die Kulissen und schält auf ebenso melancholische wie humorvolle Art die private Beziehung der Komödianten frei, von denen einer den jeweils anderen bedingte.

Den beiden Hauptdarstellern gelingt es, dass schon nach wenigen Minuten Vergleiche mit den Originalen weggewischt werden. Steve Coogan gestaltet die Rolle des über Gags und Dialogen brütenden Kreativ-Genies Laurel vortrefflich aus. Der mit Fettanzug und Schminke in Form gebrachte John C. Reilly hat Gestik und Mimik Hardys aufgesogen. Regisseur Baird hat eine warmherzige, entzückende Hommage inszeniert, die mit den klassischen, perfekt getimten Elementen spielt, die Stan & Ollie so beliebt machten – etwa das wiederholte Vertauschen ihrer verschieden großen Hüte. Hut ab!

PS: Oliver Hardy starb 1957 nach Schlaganfällen mit 65 Jahren. Stan Laurel zog sich daraufhin zurück, dachte sich aber weiter Sketches für sich und Ollie aus. 1965 erlag er 74-jährig einem Herzinfarkt.

Kino: "Stan & Ollie" (GB 2018), Regie: Jon S. Baird, 98 Min.

OÖN Bewertung:

 

Was ist Slapstick?

Das Wort Slapstick bezeichnet den „Knüppel“, mit dem der Kasperl das Krokodil haut. Es ist eine sogenannte Pritsche, ein in Wahrheit leichtes Schlaggerät, das viel Lärm erzeugt, ohne zu verletzen, und stammt aus der Trickkiste der Commedia dell’arte und der Zirkusclowns. Im Film steht „Slapstick“ für eine handfeste, raue Form der Komik.

Stan Laurel und Oliver Hardy waren Meister des Faches, ebenso Buster Keaton. Höhepunkte früher Slapstick-Komödien waren meist Tortenschlachten und wahnwitzige Verfolgungsjagden. Gekonnter Slapstick hat die Qualität, die auch große Clowns auszeichnet: Er entlarvt durch scheinbare Ungeschicklichkeit und den ständigen Konflikt mit allen Normen die Unvollkommenheit unserer Gesellschaft.

Artikel von

Bernhard Lichtenberger

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