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Das Geheimnis eines Lebens zwischen Tortenrezepten

Von Helmut Atteneder, 14. November 2015, 00:04 Uhr
Das Geheimnis eines Lebens zwischen Tortenrezepten
Marianne Jungmaier Bild: www.detailsinn.at

Nach drei gescheiterten Anläufen erklärte die Autorin Marianne Jungmaier "Das Tortenprotokoll" für tot. Um dann doch noch eine vierte Version zu versuchen. Das war eine sehr gute Idee.

"Wann mir das Gefühl abhanden gekommen ist, dass meine Eltern mich lieben, ich weiß es nicht, vielleicht kannte ich es niemals."

 

Mit ihrem Debütroman "Das Tortenprotokoll" weckt die oberösterreichische Autorin Marianne Jungmaier Erinnerungen an Romane wie "Schöne Tage" von Franz Innerhofer. Mit dem Unterschied, dass es nicht körperliche Gewalt ist, die die Hauptfigur durch die Erzählung schleift. Es geht perfider: Liebesentzug durch Schweigen und Nichtbeachtung.

Insgesamt acht Jahre hat die 30-jährige aus Kirchberg-Thening, die seit 2014 in Berlin lebt, am Tortenprotokoll gearbeitet. Drei Versionen hatte sie wieder verworfen, ehe sie sich im Vorjahr eingestand: "O.K., lass es sterben, es hat sich totgelaufen."

Wenig später rief der Verlag an: "Was ist jetzt?" Also setzte sich Jungmaier, 2009 Praktikantin bei den OÖN, hin und schrieb in drei Monaten einen fixfertigen Roman. Ein gelungener Wurf, Kategorie Überraschung.

Und das Ende ist ...

Es ist eine Zeitreise mit subtiler, anspruchsvoller, aber nicht leidender Sprache. Das verleiht der emotionalen Kälte einen zusätzlichen Schauer. Friederike kehrt zurück in ihr Heimatdorf, weil die Großmutter gestorben ist. Die Oma war – obwohl frustriert und desillusioniert – ihre einzige Bezugsperson in der Familie gewesen. Obwohl, Oma hatte ein Geheimnis, ein zweites Leben. Eine Beziehung. Liebesbriefe findet Franziska im "Tortenprotokoll", einem Rezeptheft, aus dessen Inhalt die Großmutter feine Süßspeisen buk, um der Verwandtschaft damit den Mund zu stopfen. Wer der geheimnisvolle Mann an ihrer Seite war, verheimlicht Jungmaier lange. Zu lange, denn Mister X ist beim Lesen bald enttarnt.

Zum Schluss zieht Franziska ihre Lehren, sie emanzipiert sich, was dem Roman gut tut, es gibt weder Happy noch Unhappy End. Das passt irgendwie auch zur Autorin, die über sich sagt: "Mein Leben wird irgendwie einfacher mit jedem Jahr, das verstreicht." 2016 erscheinen von der passionierten Globetrotterin Reisegeschichten sowie ein Lyrikband. Den nächsten Roman will sie "vielleicht" 2017 fertig haben. Wir freuen uns darauf.

Marianne Jungmaier: "Das Tortenprotokoll". Roman, Verlag Kremayr-Scheriau, 202 Seiten, 19,90 Euro

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