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Kultur

Ein Schotte und sein flotter "Blechschaden"

Von Nora Bruckmüller   29. November 2019 00:04 Uhr

Ein Schotte und sein flotter "Blechschaden"

Die "Spaßfraktion" der Münchner Philharmoniker spielt am 2. 12. in Linz. Gründer Bob Ross vereint Virtuosität mit Schmäh, dem nichts heilig ist.

Bob Ross ist 1,58 Meter groß. Ein Schicksal, das wohl viele Männer seiner Familie kennen. "Die sind aufrecht durch die Stollen in die Arbeit marschiert", sagt der Schotte. Und schiebt im Gespräch mit was ist los? sein markantes Lachen nach, in dem man meint, seinen Akzent zu hören, den auch mehr als 40 Jahre in München nicht kleinbekommen haben.

Bob Ross, der seit knapp 35 Jahren Chef des Ensembles "Blechschaden" ist (mehr re.), das am 2. 12. in Linz gastiert, stammt aus Kirkcaldy, einer früheren Bergarbeiter-Stadt, die Ende des 19. Jahrhunderts als "Weltzentrum der Linoleumherstellung" galt. "Meine Onkel, mein Großvater, alle haben unter Tage gearbeitet", sagt Ross.

"Bis auf meinen Vater. Er hatte eine Linoleumfabrik. Das war noch härter – wegen der immensen Hitze." Wie aber kam dessen Sohn Bob aus der schottischen Arbeiterfamilie zu den Münchner Philharmonikern, wo er auch 1985 die Brass-Gruppe "Blechschaden" ins Leben rief? Noch dazu als Hornist, der in den 60ern das richtige Alter gehabt hätte, um den Beatles zu verfallen?

Dirigenten, die auf die Palme bringen

"Die meisten Blechbläser, besonders in Großbritannien, kommen aus der Arbeiterklasse. Ich habe also in einer schottischen Bergarbeiterkapelle gespielt", sagt der 65-Jährige. Mit einer "Art von Horn", später studierte er klassische Musik. 1979 begann er als Hornist bei den Münchner Philharmonikern, wo er "sieben Intendanten überlebt hat" und von Sergiu Celibidache, James Levine, Zubin Mehta, Christian Thielemann und Valery Gergiev dirigiert worden war.

Inzwischen ist Ross als Orchestermusiker in Pension. Im Programm zur Spielzeit 2017/2018 würdigte ihn sein langjähriger Horn-Kollege Ulrich Haider: "Proben mochte er nicht wirklich gerne und Dirigenten, die als Schulmeister auftraten, brachten ihn auf die Palme. Bobs Welt ist das Spontane, deshalb waren Wochen mit einem Dirigenten, der wenig Probenzeit brauchte, seine liebsten." Haider würdigte aber eines noch viel mehr: Ross’ Humor. "Den hatten schon meine Verwandten beim Bergbau." Aus Spaß und Ausgleich zum Dienst habe er auch "Blechschaden" mit seinen Philharmoniker-Kollegen gegründet. "Wir waren wohl das einzige Kammerorchester der Welt, in dem dermaßen gelacht wurde. Da hat einer der Kollegen gerufen: ‚Wir sind ja ein richtiger Blechschaden‘. So war auch unser Name geboren."

Ross bringt einen auch ständig zum Lachen, weil ihm nichts heilig ist und diese Einstellung in jahrzehntelanger Arbeit und auf zahlreichen Reisen für ein Spitzenorchester unzählige Geschichten produziert hat. Als ihm die Philharmoniker anfangs verboten hatten, ihren Namen bei der Bewerbung von "Blechschaden" zu verwenden, sagte er: "Spitze, dann verkaufen wir noch mehr Karten."

Als das Hörgerät seines Vaters, der fast hundert wurde, einmal nicht ganz auf Zack war und er im VIP-Bereich eines Flughafens einfach nicht verstehen wollte, dass der Mann ihm gegenüber der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer war, sagte Ross: "Macht nix! Der einzige Außenminister, den du gekannt hast, war von Ribbentrop. Und der wurde gehängt." Bei den Nürnberger Prozessen. "Fischer wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte."

WOODSTOCK IN CONCERT 

Blechschaden gastiert am 2. 12., 19.30, im Musiktheater Linz. Das Konzert mit den zwölf Musikern und Bob Ross als Dirigent, Moderator und Entertainer (mehr li.) ist Teil einer Zusammenarbeit des Innviertler Woodstocks der Blasmusik mit dem Landestheater Linz.

Geboten wird am 2. 12. kein salbungsvolles Weihnachts-Klassik-Konzert, sondern ein Bühnenereignis mit Schmäh einer zweifach „Echo“-prämierten Gruppe. Karten: landestheater-linz.at.

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