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Hermann Nitsch: „Meine Musik hat ihren Ursprung im Schrei“

Von Bernhard Lichtenberger, 24. November 2012, 00:04 Uhr
Nitsch
2014 inszeniert Nitsch wieder sein Orgien-Mysterien-Theater Bild: Reuters

Der 74-jährige Künstler ist dabei, wenn am Sonntag im OÖ Kulturquartier in Linz seine „Sinfonie für 100 Pianisten an 33 Klavieren und 1 Synthesizer“ uraufgeführt wird.

Am „Tag der Tausend Finger" wird am Sonntag im Ursulinensaal des OÖ Kulturquartiers in Linz Hermann Nitschs „Sinfonie für 100 Pianisten an 33 Klavieren und 1 Synthesizer“ uraufgeführt. Die auf Millimeterpapier festgehaltene Vision hat der Dirigent Peter Jan Marthé für die Musiker übersetzt. „Es war die bisher größte Herausforderung meines Lebens, die an eine Himalaya-Tour grenzt“, sagt Marthé. „Das Schwierige ist, dass zwischen der Klangwelt des Hermann Nitsch und der Klangmaschine Klavier ein unüberbrückbarer Abgrund liegt – das ist der Ton.“

Der Gesamtkünstler Nitsch, der in erster Linie für sein Orgien-Mysterien-Theater lebt, war dennoch vom Gelingen von Anfang an überzeugt: „Wenn der Marthé das umsetzt, wird es sicher gut“, sagt der 74-Jährige im Exklusiv-Interview mit den OÖNachrichten.

OÖNachrichten: Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?
Hermann Nitsch: Ich bin in erster Linie Dramatiker, und dramatisches Geschehen hört man. Wenn einer einen umbringt, schreit meistens einer. Meine Musik hat ihren Ursprung im Schrei, in der Lärmmusik, im Vorsprachlichen und ist verbunden mit exzessiven Erlebnissen – da denke ich an ächzen, stöhnen, grunzen, wimmern, ja sogar aus der analen Richtung gibt es oft lärmende Gase, die entweichen.

Wie komponieren Sie?
Ich bin der Musiktheorie nicht kundig, ich habe mir eine eigene Partitur auf Millimeterpapier entwickelt. Da werden Linien gezogen, die bedeuten langgezogene Töne. Ich komme ohne Noten aus, und mein Stardirigent Peter Jan Marthé schreibt vielfach meine Sachen um, damit es das Orchester leichter hat.

Was muss eine Musik haben, dass Sie als Empfindung das Wort „schön“ ausspucken?
Die Form hat nichts mit der landläufigen Ästhetik zu tun, Form ist nicht, dass irgendwo Blumerl an einer Tapete sind oder dass etwas bekömmlich designt ist. Form geht unglaublich tief, muss den Tod, Leid, Qual beinhalten, extremsten Jubel und Freude, die Form muss das ganze Leben binden und konzentriert darstellen. Wenn das nicht so wäre, könnte der Isenheimer Altar niemals so große Kunst sein: da haben sie den geschundenen, gekreuzigten Christus, und wenn sie die Altarblätter umblättern, haben sie den Auferstandenen, der vor dem unendlichen Kosmos lacht und licht ist. Die Form hat nur mit Schönheit im allerhöchsten Sinn zu tun.

Wann wird es Ihr nächstes Orgien-Mysterien-Theater in Prinzendorf geben?
2014, sechs Tage und sechs Nächte lang. Es wird meine größte und hoffentlich auch beste Arbeit sein. Und ich glaube auch, dass die Musik so verfeinert sein wird wie noch nie.

Warum haben Sie sich vor 30 Jahren einen Weingarten zugelegt?
Ich liebe es schon, teilweise im Weinviertel aufgewachsen zu sein, einen eigenen Weingarten und einen eigenen Wein zu haben. Das gehört auch sehr zu meinem Orgien-Mysterien-Theater dazu, weil der Weingarten und das Weintrinken miteinbezogen sind.

Warum ziehen Sie als Gefäß den Doppler der Bouteille vor?
Ich habe so viele schöne Erlebnisse im Weinviertel gehabt, in den Weinkellern der Bauern, immer diese wunderbar großen Doppelliter, und da ist dieser herrliche Saft herausgeronnen. Bouteillen haben immer eher die bürgerliche Eitelkeit interessiert. Und wer so wenig trinkt, dass er nicht einen Doppler in einem Tag schafft ...

Stemmen Sie sich gegen Wiederholung?
Überhaupt nicht. Ich glaube an die ewige Wiederkehr, das ewige Fließen. Das Fließen ist das Lebendige ohne Zeit. Wir wissen nichts vom Anfang der Welt. Mein Glaube ist, sie war immer schon da und wird ewig da sein.

 

 

Nitsch-Sinfonie

Das Stück: Die Sinfonie, die von Peter Jan Marthé dirigiert wird, dauert eine Stunde. Gespielt wird sie von 33 Pianisten, Schülern und Lehrern des Landesmusikschulwerks.

Das Geschenk: „Nitsch hat der pianistischen Welt damit ein Geschenk gemacht“, sagt Marthé. „Pianisten, Organisten und Cembalisten sind die einsamsten Menschen, sie haben kein Gemeinschaftserlebnis. Durch dieses Werk können sie in ein solches eintauchen.“

Die Termine: Die Nitsch-Sinfonie erklingt am 25. November im Ursulinensaal im OÖ Kulturquartier in Linz um 16 und um 19 Uhr.

Die Karten: im Vorverkauf 22 Euro (ermäßigt 17,50), an der Abendkassa 27 Euro (erm. 22,50)

 www.ooekulturquartier.at 

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22  Kommentare
22  Kommentare
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( Kommentare)
am 25.11.2012 12:08

Wer so wie ich, schon zweimal ein Orgien-Mysterien-Theater in Prinzendorf von Nitsch gesehen hat, sich das Spiel im Burgtheater gab und auch der Eröffnungs des Nitsch-Museums in Mistelbach beiwohnte, hat wohl einen anderen Zutritt zum Schaffen dieses Ausnahmekünstlers.

Natürlich wirken viele Handlungen befremdend, stossen manche ab, viele ekeln sich, aber schlußendlich ist es der Mensch, der in Fleisch und Blut dargestellt wird.

Aber so wie überall, keiner ist gezwungen, sich den Nitsch zu geben, aber wer so wie ich, auch im privaten Gespräch Einblick in seine Welt bekam, wird auch am nächsten Orgien-Mysterien-Theater in Prinzendorf teilnehmen.

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 12:33

ein sehr gutes Posting (aus meiner Sicht); ist geeignet, den Blick zu öffnen, danke!

Grün sowieso…

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der_wueterich (420 Kommentare)
am 25.11.2012 12:40

aber nüchtern warst da sicher nicht, der Darsteller selbst braucht auch "intus" (wie er selbst zugab) damit er das, was er Kunst nennt, überhaupt zuwege bringt; haben wir nicht schon genug "echtes" Blutvergiessen auf dieser Welt?

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 16:17

bleiben beim (Kunst-) Genuß…

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( Kommentare)
am 25.11.2012 12:51

und auch für die freiheit, darüber nicht diskutieren zu müssen!
was nicht geällt oder nicht verstanden wird, werden will oder kann, braucht auch nicht "konsumiert" zu werden!

soooooooooo einfach ist das .... mit der ganzen kunst!

ps. meine "probleme" fangen dort an, wo die kunst am steuer-zuzzl am leben und ruhig er-und gehalten wird ... da bin ich sehr für`s natürliche und rechtzeitge eingehen!

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 13:25

hier gilt besonders: nicht können heißt nicht wollen.

Das mit dem eingehenlassen tät ich gern ein wenig differenziert sehen.

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 11:51

entstammen einem unreflektierten Kunst-Begriff…

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der_wueterich (420 Kommentare)
am 25.11.2012 12:42

dann bemüh Dich um einen, der alle hier überragt!

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 13:28

selten!

Jetzt scheints mit den Beiträgen (der Kollegenschaft) aufwärts zu gehen.

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susisorgenvoll (16.495 Kommentare)
am 24.11.2012 18:18

in der Nitsch Bach an einer Krichenorgel gespielt hat! Und ehrlich, das hat er wirklich gut gemacht!

Allerdings möchte ich weder mit seinen literarischen Ergüssen noch mit seinen Kompositionen konfrontiert werden, genau so wenig wie mit seinen "Orgienmysterienspielen". Aber jetzt wundert mich gar nichts mehr, hat doch der Meister in diesem Artikel höchstselbst kundgetan, dass er`s pro Tag nicht unter einem Doppler tut .... Vermutlich muss man den Spiritus vini intus haben, um alle Variationen seines künstlerischen Schaffens nachvollziehen zu können ...

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susisorgenvoll (16.495 Kommentare)
am 24.11.2012 18:19

"Kirchenorgel", was sonst zwinkern

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 11:48

oder „drüber hinweggesehen“ zwinkern

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 11:50

in meinem Alter hab ich noch Chancen, in diese Sphären aufzufahren?

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der_wueterich (420 Kommentare)
am 24.11.2012 17:59

mit diesem blutrünsitigen Monster, was versteht den der von Kunst?

Dumm genug sind auch seine Fans!!!!

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susisorgenvoll (16.495 Kommentare)
am 24.11.2012 18:20

dass Nitsch auch wirklich das Malen beherrschen würde, aber seit Jahrzehnten hat er sich halt auf`s Schütten verlegt ..

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Ameise (45.683 Kommentare)
am 24.11.2012 18:33

Angschütt ist er-das stimmt...

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Ameise (45.683 Kommentare)
am 24.11.2012 17:33

Papperlapab...

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oblio (24.713 Kommentare)
am 25.11.2012 09:45

seine Perversität salonfähig zu machen!
Ich bin ein Kleinkünstler, ich erschlag
die Gelsen, welche sich an meinem Blut
delektiert haben und erfeue mich daran,
den dadurch entsandenen Blutklecks als
Kunstwerk aus meiner Hand zu kennzeichnen,
Mit Datum, versteht sich.http://www.google.at/imgres?q=smiley+Blutflecken&start=111&hl=de&sa=N&tbo=d&biw=1080&bih=527&tbm=isch&tbnid=1Zp-a2K8RbmN9M:&imgrefurl=http://www.spreadshirt.de/blutig-blut-blutflecke-C4408A10809902&docid=-2DRQYYLKh-HNM&imgurl=http://image.spreadshirt.net/image-server/v1/designs/4927102,width%253D190,height%253D190/blutfleck---blood---blut.png&w=190&h=190&ei=NtqxUMS9DKiT0QXH-4HAAg&zoom=1&iact=rc&dur=4&sig=105650910171236491829&page=6&tbnh=145&tbnw=145&ndsp=27&ved=1t:429,r:27,s:100,i:85&tx=55&ty=61

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oblio (24.713 Kommentare)
am 25.11.2012 09:48

einfügenhat nicht geklappt.
traurig

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( Kommentare)
am 25.11.2012 12:47

dein link hat mir fast die augen augestochen ... das nenne ich kunst ... im affekt ㋡

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Ameise (45.683 Kommentare)
am 25.11.2012 09:52

In ders heutigen Gesellschaft-wird mehr und mehr versucht,persönliche Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft ungeniert zu integrieren.
Der Nitsch ist da das kleinere Problem...

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Harbachoed-Karl (17.883 Kommentare)
am 25.11.2012 12:40

na?

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