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Kultur

"Der Patriot": Muttersöhnchen, Wüterich und weinerlicher Feigling

Von Lukas Luger   08. Februar 2014 00:04 Uhr

Am Donnerstag feierte Felix Mitterers Ein-Personen-   Stück über "Briefbomber" Franz Fuchs seine Premiere im Linzer Posthof.

Er war "Patriot" und Terrorist, lächerlich kleinkariert und hochintelligent zugleich. Zwischen 1993 und 1996 erschütterte Franz Fuchs im Namen der rechtsextremen "Bajuwarischen Befreiungsarmee" mit seinen selbstgebastelten Briefbomben die Nation. Aus Vernehmungsprotokollen, Bekennerschreiben und den Aufzeichnungen des Gerichtspsychologen Reinhard Haller hat Felix Mitterer das Stück "Der Patriot" komprimiert, das Einblicke in das Hirn eines Psychopathen gewährt, den Selbstüberschätzung und -hass zur Gewalt trieben.

Am Donnerstag fand die Premiere des 90-minütigen Ein-Mann-Monologs unter der Regie von Jürgen Heib im Posthof Linz statt. Ab 12. Februar wird "Der Patriot" im Kuktheater am Lonstorferplatz gezeigt.

In der Hauptrolle brilliert der gebürtige Linzer Peter Woy. Von schierer Brutalität bis zur Wehleidigkeit, von technischem Fachwissen bis hin zur erbärmlichen Unfähigkeit, sein Leben zu organisieren, reicht die Amplitude, die Woy seiner Darstellung des "Bombenhirns" verleiht. Sein von der Regie leider nur marginal geführter Briefbomber auf beinahe leerer Bühne ist zugleich impotentes Muttersöhnchen, vor Gericht irre Parolen à la "Verspottung der Topfenneger? Nein, danke!" brüllender Wüterich und weinerlicher Feigling, der die Auswirkungen seiner Taten nicht akzeptieren kann.

"Nur" ein im Leben Gescheiterter

Nach und nach schält sich aus der Textlawine ein Muster heraus: Politisch sind die Motive nicht, aus denen sich Fuchs auf das Töten verlegte. Er ist kein Kämpfer für eine neue – mag sie auch noch so pervers sein – Weltordnung. Er ist "nur" ein im Leben Gescheiterter, der auf Rache an jenen Menschen sinnt, die sich um Ausländer kümmern, wie man sich um ihn selbst niemals gekümmert hat. Einer, der sich von der Gesellschaft verstoßen fühlt und den Eindruck erwecken will, Mitglied einer Geheimorganisation zu sein, damit er nicht als Spinner abgetan wird. Diese Banalität des Bösen ist es, die "Der Patriot" trotz Anflügen von Eintönigkeit im Mittelteil so erschreckend macht. Denn der Schoß, aus dem ein Monster wie Franz Fuchs kroch, ist immer noch fruchtbar.

Premiere: "Der Patriot" von Felix Mitterer, Regie: Jürgen Heib, Posthof Linz, 6.2.

OÖN Bewertung:

Weitere Termine: Ab 12. Februar übersiedelt "Der Patriot" in das Kuktheater (Lonstorferplatz 1, 4020 Linz), Tel.: 0681/10734810

 

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