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Wirtschaftsraum OÖ

Wenn Maschinen wie Menschen denken

19. September 2018 00:04 Uhr

Wenn Maschinen wie Menschen denken
„HeadGear“ heißt der Helm, der Augenbewegungen und Handgriffe aufzeichnet und Arbeit in der Industrie erleichtern soll.

LINZ. Produkte und Produktionssysteme sollen in Zukunft kognitive Fähigkeiten von Menschen erlernen. Wie das klappt, erforschen die Kepler-Uni, die TU Graz und 24 Firmen in Linz.

Er ähnelt jenem Helm, mit dem Österreichs Ski-Ass Marcel Hirscher zu seinen Slalomsiegen rast: Der "HeadGear" ist eine Kopfbedeckung mit intelligenten Fähigkeiten. Er kann mit Sensoren Augenbewegungen seines Trägers messen, Lichtreflexe der Pupille aufzeichnen, Handgriffe wahrnehmen und die Körperhaltung analysieren. Vereint sollen all diese Daten dazu dienen, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Der "HeadGear" ist das Aushängeschild des Forschungszentrums Pro²Future an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Gemeinsam mit der Technischen Universität Graz und 24 Industrieunternehmen in Oberösterreich und der Steiermark arbeiten rund 50 Forscher an den Produkten und Produktionssystemen der Zukunft. Gestern, Dienstag, gewährten die Verantwortlichen erste Einblicke in ihre Forschungsarbeiten.

"Unser Ziel ist, die Fähigkeiten von Menschen mit jenen von Maschinen zu verschränken", sagte Alois Ferscha, wissenschaftlicher Chef von Pro²Future. Das Wahrnehmen, Interpretieren, Verstehen, Memorieren, Lernen, Vorhersagen, Schlussfolgern und kognitionsgesteuerte Handeln soll in Maschinen eingebettet werden.

Ski verändert sich bei der Fahrt

Das Projekt läuft seit April 2017. In der ersten Förderperiode bis März 2021 sind 17 Millionen Euro Budget veranschlagt, an dem sich auch Bund und Länder beteiligen. Neben den Forschern sind bei Pro²Future derzeit 25 Mitarbeiter beschäftigt, bis 2021 soll diese Zahl auf 50 bis 60 steigen. Von April 2021 bis März 2025 ist eine zweite Förderperiode vorgesehen.

Firmen wie voestalpine, Amag, Magna, Fabasoft, Keba, Siemens, Engel, Wacker Neuson, Fronius oder Fischer erhofften sich vom Projekt "eine Technik, die mitdenkt", sagt Ferscha. Der Innviertler Skihersteller Fischer arbeite beispielsweise derzeit an einem System, das die Steifheit eines Skis während der Fahrt verändert.

Dass sich viele Projekte derzeit noch in der Anfangsphase befinden, ist den Verantwortlichen bewusst. Die Richtung stimme aber. "Oberösterreich ist ebenso wie die Steiermark ein industrie- und exportstarkes Bundesland. Das Thema intelligente Produktion betrifft nicht nur diese Regionen, sondern die ganze Welt. Darum müssen wir da dranbleiben", sagte Alexander Egyed, JKU-Vizerektor für Forschung. Und Horst Bischof, Vizerektor der Technischen Universität Graz und Aufsichtsratschef von Pro²Future, ergänzte: "Die Kooperation zwischen Mensch und Maschine geht bei uns in Linz über Industrie 4.0, wie wir sie jetzt kennen, hinaus."

Ferscha gab trotz der Fortschritte zu bedenken, dass viele Technologien noch nicht zur Gänze ausgereift seien, zum Beispiel selbstfahrende Autos. "Im Straßenverkehr ist künstliche Intelligenz eine große Herausforderung." Momentan könne ein Auto etwa auf Hinweise eines Fußgängers nicht akkurat reagieren, was häufig zu Unfällen führe. Ferscha: "Hier haben wir noch viel Aufholbedarf." (rom)

Das ist Pro²Future

Im April 2017 wurde das Forschungszentrum Pro²Future an der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) gegründet. Es handelt sich um einen Schulterschluss von JKU, TU Graz und 24 Industrieunternehmen aus Oberösterreich und der Steiermark. Ziel ist, kognitive Systeme zu entwickeln. Vorerst läuft das Projekt bis 2025.

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