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Architekturpreis Daidalos: Vom Wert der Substanz

Von Georg Wilbertz, 11. November 2023, 08:26 Uhr
Vom Wert der Substanz
Beispielgebend: In Wien realisierte das dort ansässige Büro Zeininger Architekten 2020 das viel beachtete Pilotprojekt Smart-Block Geblergasse. Bild: Kurt Hoerbst

In der Kategorie "Wertvolle Substanz" des Architekturpreises Daidalos geht es darum, die Neubautätigkeit zu überdenken und Vorhandenes bestmöglich zu nutzen.

Die Österreichische Gesellschaft für Architektur betitelte ihr heuriges Jahresthema mit "Stop Building Now! – Alles wird Umbau". Diese Forderung nach einem weitgehenden Stopp von Neubauten geht wohl einigen zu weit. Dennoch ist es höchste Zeit, innezuhalten. Nicht jede Baumaßnahme ist notwendig, nicht jedes Einzelinteresse muss umgesetzt werden.

Sanierungen und Umbauten sind Schwerpunkt der Kategorie "Wertvolle Substanz" des oberösterreichischen Architekturpreises Daidalos.

Eine Einschränkung der für Bauvorhaben zu widmenden Flächen würde sich dämpfend auf die Neubaumaßnahmen auf dem Land und an den Stadtrandzonen auswirken. Neben der Widmung von Bauland in ländlichen Gebieten wird in den Städten vielerorts wertvolle Bausubstanz abgerissen, um Neubauten zu ermöglichen.

Es herrscht noch immer die Maxime vor, eine hohe Neubaurate sei gleichbedeutend mit dynamischer Wirtschaftsleistung. Dies trifft nicht unbedingt zu. Vor allem dann nicht, wenn alle Negativfolgen in die Rechnung einbezogen werden.

Gesellschaftlicher Mehrwert

Problematisch ist weiter die oft generalisierte Vorstellung, dass Neubauten am besten die eigene Zeit repräsentieren oder Ausdruck von Modernität sind. Formal mag das stimmen. Ein neues Haus sieht meist "moderner" aus als ein altes. Bedenkt man allerdings die lange Lebensdauer von Gebäuden, verliert diese Sicht ihre Relevanz. Architektur ist letztlich zu träge, um auf breiter Linie aktuellen Strömungen und Moden folgen zu können. Die gebaute Umwelt ist ein Mix aus verschiedenen Zeiten und stilistischen Epochen. Und sie lässt immer Raum für die Gegenwart.

Gerade darin liegt der Reiz dessen, was uns in Stadt und Land an Gebautem begegnet. Der historische Bestand hat in dieser Hinsicht eine existenzielle Bedeutung. Und zwar ganz besonders in alltäglichen Zusammenhängen wie zum Beispiel einfachen Siedlungs- und Stadthäusern, deren Wert gerne heruntergespielt wird, wenn es um ihren Abriss geht.

Vom Wert der Substanz
Smart-Block Geblergasse: Ein Wohnblock der Gründerzeit wurde in seiner Substanz erhalten, heutigen Wohnbedürfnissen angepasst und durch Geothermie und Solarenergie ökologisch optimiert. Der städtische Kontext bleibt erlebbar, eine hohe Lebensqualität wurde erreicht. Bild: Kurt Hoerbst

Nimmt man die bauliche Umwelt als Faktor der Identifikation und Lesbarkeit von Stadt- und Kulturgeschichte (also dem, was uns wesentlich prägt) ernst, so muss unter anderem auch die Denkmalpflege ihr Augenmerk verstärkt auf Objekte lenken, die unterhalb der Kategorie des herausragenden Baudenkmals liegen.

Bestand als Ressource

Wenn beispielsweise in Linz aktuell immer wieder Gebäude des Historismus und der frühen Moderne abgerissen werden und aus dem Stadtbild verschwinden, drängt sich die Frage nach der tatsächlichen Not

wendigkeit und dem dahinterstehenden "Bewusstsein" auf. Diejenigen, die sich für einen schonenden, bedachten Umgang mit solcher Bausubstanz einsetzen, werden häufig als fortschrittsfeindliche Nostalgiker charakterisiert. Dabei sind es häufig ein und dieselben Architekturbüros, die beides können: ästhetisch und funktional gut durchdachte Neubauten und, wenn gefordert, die ebenso qualitätvolle Adaption bestehender Substanz. In Oberösterreich gibt es für Letzteres viele hervorragende Beispiele. Im Einzelfall mag es mehr Planungszeit oder einen höheren Aufwand bedeuten, sich produktiv mit bestehender Bausubstanz zu befassen, um sie einer neuen oder verbesserten Nutzung zuzuführen. Bedenkt man allerdings die bereits angesprochenen Lebenszyklen von Bauten, relativiert sich auch dies.

Viele, manchmal durchaus unspektakuläre Projekte zeigen, dass eine den Bestand respektierende Synthese aus Alt und Neu zu in jeder Hinsicht qualitätvoller Architektur führen kann. Und auch hinsichtlich der drängenden Umweltfragen sind die Vorteile längst bekannt. Der ästhetische, kulturelle und ökologische Mehrwert für die Gesellschaft lohnt also die Mühe.

Dies alles ist kein Plädoyer für Rückwärtsgewandtheit oder Fortschrittsverweigerung. Ganz im Gegenteil: Die Daidalos-Kategorie "Wertvolle Substanz" versteht sich als Beitrag zu einem wichtigen, zukunftsorientierten Prozess. Wir freuen uns auf viele spannende, wegweisende Einreichungen.

Oberösterreichs Architekturpreis Daidalos: Bewerbung

  1. Wer? Zur Einreichung sind Architekturbüros, Zivilingenieurbüros und interdisziplinäre Projektteams (zum Beispiel Städtebauer, Landschaftsplaner) eingeladen.
  2. Was? Es werden Projekte zugelassen, die zum Zeitpunkt der Einreichung fertiggestellt sind. Die Projekte dürfen nicht älter als rund sechs Jahre sein (Fertigstellung nach 1. Jänner 2018), mit Ausnahme des Sonderpreises Bewährte Bauten. Hier geht es um Objekte, die zwischen 1990 und 2012 fertiggestellt wurden.
  3. Wie? Es können bis zu fünf Fotos (keine Renderings, Fotorechte sind anzugeben), bis zu fünf Plandarstellungen und ein Erläuterungstext mit bis zu 1500 Zeichen eingebracht werden. Nähere Informationen finden Sie auf nachrichten.at/daidalos. Hier ist auch der Link zur Einreichung selbst, die digital abgewickelt wird, zu finden. Einsendeschluss ist am 21. Jänner 2024.
    Die Kategorien des Daidalos sind „Wertvolle Substanz“, „Raffiniert geplant“, und „Sonderpreis Bewährte Bauten“.

Die OÖNachrichten vergeben den oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos mit der Ziviltechnikerkammer für Oberösterreich und Salzburg, weitere Partner sind die Energie AG, die Hypo Oberösterreich, die WAG, das Land Oberösterreich, Neue Heimat, WSG und das afo architekturforum oberösterreich.

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Autor
Georg Wilbertz
Georg Wilbertz
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