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Ein Freund von Frischluft und klaren Gedanken

LINZ. OÖN-Gala-Gast Felix Gottwald zur Lage der "Spritzer- und Schnitzelnation" Österreich

Ein Freund von Frischluft und klaren Gedanken

Felix Gottwald (43) hat sieben Olympia-Medaillen gewonnen, drei davon in Gold. Toni Innauer war einer seiner Wegbegeliter. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Er ist Österreichs erfolgreichster Olympionike, ein gefragter Referent und morgen einer der Stargäste bei der OÖN-Gala-Nacht des Sports im Linzer Brucknerhaus: Felix Gottwald kombiniert inzwischen nicht mehr Skispringen und Langlauf, sondern frische Luft und klare Gedanken. Ein Gespräch über Schnitzel, Spritzer und Selbstbetrügerei.

 

OÖN: Kürzlich präsentierte der Sportminister die Sportstrategie 4.0. Haben Sie da auch einen Beitrag abgeliefert?

F. Gottwald: Ich habe mir tatsächlich Zeit genommen, um für das Gesundheits- wie auch für das Sportministerium, Fragen zu beantworten und Fragen zu stellen. Mir ist es wichtig, dass wir in Österreich eine Sportkultur etablieren, wir brauchen da einen Leitfaden, um die Gesellschaft zu erneuern. Ich habe einige Ideen eingebracht und danach extra einen "Letter of Intent" (Absichtserklärung, Anm.) angefertigt, um gewisse Schritte überprüfen zu können. Jetzt habe ich schon länger nichts mehr gehört. Vielleicht hat man ja den Schlüssel zur Sportnation schon gefunden. Wenn nicht, dann hoffe ich auf die Sportstrategie 5.0.

Ihre Einschätzung, Österreich sei keine Sport-, sondern eine "Spritzer- und Schnitzelnation", stimmt die aktuell noch?

Ja, dazu stehe ich. Es wäre eine Realitätsverweigerung, wenn wir glauben, eine Sportnation zu sein. Wir selbst haben die Hirschers, Vaneks, Maiers oder Thiems nicht hervorgebracht, das sind Freaks, wenn man so will, da steht ein familiäres Umfeld dahinter und keine Sportnation.

Zur MeToo-Debatte meinten Sie, dass Macht und Missbrauch im Spitzensport System hatten und haben. Außerdem sprechen Sie von einer wichtigen Bewusstseinsarbeit. Passiert diese tatsächlich, oder versucht man auch hier, die Vergangenheit eher zu verdrängen als zu bewältigen?

Noch zu meiner Zeit im Skigymnasium Stams hat es völlig sinnentleerte Rituale gegeben. Die wurden dann allerdings vom damaligen Internatsleiter abgestellt. Die Verdrängung der Vergangenheit ist in jedem Fall keine Option. Wichtig wäre es, wenn sich Vereine oder Verbände analog zu den in der Wirtschaft üblichen Leitbildern von Unternehmen auf eine Art Wertekatalog einigen. Das wäre dann zumindest ein Gerüst, an das man sich anhalten kann.

Wenn man am Wirtshaustisch über die Sportergebnisse des vergangenen Wochenendes diskutiert – könnten Sie da gut mitreden?

Teils, teils. Die Familie hat bei mir Priorität, und es ist wichtig, dass ich mich selbst in der frischen Luft bewege. Grundsätzlich fasziniert mich der Sport aber schon. Was Sportler oder Sportlerinnen sagen, ist manchmal ernüchternd, aber auch inspirierend. Zum Beispiel als Aksel Lund Svindal in Kitzbühel bekanntgegeben hat, dass er auf einen Start verzichtet, fand ich das sehr eindrucksvoll. Dazu braucht es mehr Mut als bei einer Abfahrt auf der Streif.

Ihr ehemaliger Weggefährte Mario Stecher ist als Nordischer Sportdirektor jetzt wieder beim ÖSV gelandet. Auch Toni Innauer ist nach der aktiven Karriere als Trainer und Funktionär zum Skiverband zurückgekehrt. Hätte Sie so eine Option gereizt?

Der Werdegang der beiden ist schwer vergleichbar. Der Toni hat verletzungsbedingt früh seine Karriere beenden müssen, hat studiert und ist dann in mehreren Funktionen beim Verband gewesen. Was ich so höre leistet Mario jetzt sehr gute Arbeit. Ich hoffe, dass er nicht den Fehler begeht, es allen recht machen zu wollen. Für mich kam so ein Job nie in Frage. Allein schon wegen der großen Reisetätigkeit. Ich möchte nicht 300 Tage im Jahr unterwegs sein, sondern bei meiner Familie und meinen Kindern bleiben. Ich genieße die Frischluft außerhalb des Verbandes.

Wenn man Felix Gottwald googelt, findet man so gut wie keine Adabei-Fotos bei Promi-Partys. Warum halten Sie Abstand zur Seitenblicke-Gesellschaft?

Meine Zeit ist begrenzt, deshalb überlege ich mir es schon sehr genau, wo ich hingehe. Zu Events der Seitenblicke-Gesellschaft finde ich in der Regel genügend Alternativen, die für mich persönlich sinnvoller sind. Was die Gala-Nacht in Linz betrifft: Das Wichtigste in der Karriere eines Sportlers sind nicht unbedingt die gewonnenen Medaillen, sondern die paar wenigen Freundschaften, die man da in sein "Leben danach" mitnehmen kann. Mindestens einen solchen guten Freund, den Toni Innauer, werde ich in Linz treffen. Und darauf freue ich mich sehr.

Ein Freund von Frischluft und klaren Gedanken

Toni Innauer war einer seiner Wegbegeliter.

 

 

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Artikel Christoph Zöpfl 07. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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