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Innenpolitik

Wie Strolz vor vier Jahren die "Kurz-Tragödie" prophezeite

Von nachrichten.at   13. Oktober 2021 14:53 Uhr

Matthias Strolz war bis 2018 als Neos-Chef im Nationalrat

Ein Blick in die Glaskugel? In einem Blogbeitrag vom Mai 2017 gelang dem früheren Neos-Chef Matthias Strolz eine erstaunliche Prognose.

An jenem Tag, an dem Sebastian Kurz als neuer Chef der ÖVP ausgelobt wurde, veröffentlichte der nunmehrige Start-Up-Unternehmer auf seinem damaligen Blog strolz.eu einen Beitrag, in dem er skizzierte, warum das System Kurz aus seiner Sicht nicht bestehen werde und schlussendlich in einer "Tragödie", nicht nur für Kurz selbst und die Partei, sondern auch für Österreich enden werde.

Die Kurz-Episode sei eine "vorhersehbare Tragödie für ihn persönlich, für die Partei und für unser Land", schrieb der ehemalige Spitzenpolitiker kürzlich in einem Facebook-Post und holte aus diesem Anlass seinen Blog-Artikel aus dem Archiv.

Seiner Ansicht nach habe sich das "Inferno haarscharf an das beklemmende Drehbuch" (siehe weiter unten) gehalten. So schrieb Strolz etwa, dass "Intrigen und Hinterhältigkeit beim Wegmobben von Reinhold Mitterlehner auf Kurz zurückfallen" würden.

Der gesamte Facebook- und Blog-Beitrag zum Nachlesen: "Ich wünsche Sebastian #Kurz persönlich alles Gute - gerade auch als werdender Vater. Das habe ich ihm via SMS schon letzte Woche persönlich mitgeteilt. Er wird sich auch als Klubobmann nicht halten können. Es konnte nicht funktionieren - warum, das habe ich ihm mehrfach geschildert, zuletzt im Sommer 2018 in einem persönlichen Gespräch. Davor mehrfach öffentlich im Parlament, und zB 2017 in diesem Blog unten. Die Kurz-Episode ist eine vorhersehbare Tragödie für ihn persönlich, für die Partei und für unser #Österreich. Das Inferno hat sich haarscharf an das beklemmende Drehbuch gehalten (s. unten).

Hier mein Blogbeitrag auf der (damaligen) strolz.eu-Website am 14. Mai 2017 - an jenem Tag, an dem er die #ÖVP "übernommen" hat:

"Erneuerung ja, aber wie!?

Veröffentlicht von Matthias Strolz Mai 14, 2017

Heute ist ein bedeutsamer Tag für unser Land. Am Abend werden von einem politischen Mitbewerber voraussichtlich Weichen gestellt, die ein Ende der bisherigen Logik der Zweiten Republik markieren. Das Ende der Volkspartei als staatstragende Partei wird damit schneller kommen, als ich es erwartet habe. Als Bürger – und selbst als Mitbewerber – habe ich auf eine nachhaltige Rundum-Erneuerung der Volkspartei gehofft. Die Sozialdemokratie braucht diese übrigens ebenso. Denn die Demokratie braucht vitale Parteien und Parlamentskräfte. Warum also kritisiere ich das, was sich hier anbahnt? Auch wenn es wohl einige Zeit dauern wird, bis es offensichtlich wird: Ich halte die (voraussichtlichen) Entscheidungen der VP-Spitzen für falsch – für unser Land, für die Volkspartei und auch für Kurz persönlich.

9 ½ Einträge ins #Geschichtsbuch aus 9 Perspektiven, warum der autoritäre Kurz-Ansatz mittelfristig nicht funktionieren wird und schlecht für unser Land ist.

1) Als Bürger: Weil wir in Österreich keinen Westentaschen-Orban brauchen.

2) Als Analytiker: Weil er es als Verschnitt von Haider 1986, Grasser 2006 & Stronach 2013 anlegt. Früher oder später sind alle drei gescheitert.

3) Als Beobachter: Weil die Intrigen und Hinterhältigkeit beim Wegmobben von Reinhold Mitterlehner auf Kurz zurückfallen werden.

4) Als Demokrat: Weil Parteien in Demokratien ein Mindestmaß an innerparteilicher Demokratie brauchen, um anschlussfähig für die Demokratie zu sein.

5) Als multipler Gründer: Weil positive Gemeinsamkeit in partizipativen Organisationen durch konstruktives Miteinander und nicht durch Erpressung entsteht.

6) Als Vater: Weil Kinder, die ihre Mutter erpressen, in destruktiven Verstrickungen gefangen sind. Sie sind das Gegenteil von abgenabelt und frei.

7) Als Systemiker: Weil sich die Wucht der Geringschätzung und Aggression gegen die eigene Organisation eines Tages im selben Ausmaß gegen den Aggressor entladen wird.

8) Als Organisationsentwickler: Weil die ÖVP nach dem Kurz-Hype gleichsam tot sein wird. Schade für Österreich, weil sie auch viele historische Verdienste hat.

9) Als Mitbewerber: Weil Österreich eine erneuerte ÖVP bräuchte, keine abgeschaffte. Eine echte Erneuerung hätte Potenzial – für Koalitionen, Land und Menschen.

9 ½: Wer im Leben von einem Extrem ins andere Extrem kippt, dem fehlt meist die Erdung. Die Umstellung von “dezentral-bündisch” auf “autoritär-zentralistisch” ist eine Operation am offenen Herzen der Volkspartei, vollzogen mit Hammer und Küchenmesser.

Ich wünsche der ÖVP und Kurz trotzdem alles Gute. Für Österreich hoffe ich, ich möge mich irren. Weil sonst der Schaden für das Land groß sein wird. Jedenfalls gilt: Mit heute ist Sebastian Kurz Politiker geworden. Das ändert für ihn das Spiel gewaltig. Ich habe Respekt für seine Entschlossenheit, auch wenn ich seine Methoden für nicht okay und seine Haltung sowie seinen gewählten Ansatz für falsch erachte. Wenn er ernsthaft und ehrlich eine neue politische Bewegung gründen wollte, muss er aus der Partei heraustreten. So wird er – auch wenn anfänglich der Hype groß sein wird – eine Säule der Zweiten Republik ziemlich demolieren, ohne dass nach seinem Abgang etwas Tragfähiges vorhanden sein wird. Kurz wird hier persönlich sicherlich eine andere Sicht der Dinge haben.

Als Mitbewerber freue ich mich auf eine kritische Auseinandersetzung in der Wahlarena. Hoffentlich in einem fairen Ringen um die besten Ideen und Lösungen für unser Land."

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