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Innenpolitik

Land Salzburg verschärft Covid-Maßnahmen - Kuchl unter Quarantäne

Von nachrichten.at/apa   15. Oktober 2020 11:29 Uhr

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer gab am Donnerstagvormittag neue Maßnahmen bekannt.

SALZBURG. Das Land Salzburg setzt angesichts der stark steigenden Covid-19-Neuinfektionen im Bundesland weitere Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Das Land Salzburg hat am Donnerstag eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um die stark gestiegene Zahl an Covid-19-Neuinfektionen im Bundesland in den Griff zu bekommen. Am härtesten davon ist die Gemeinde Kuchl im Tennengau (Bezirk Hallein) betroffen, in der sich die Situation zuletzt zugespitzt hat. Sie wird unter Quarantäne gestellt. Aber auch in den anderen Bezirken des Landes gelten ab kommenden Samstag zum Teil erhebliche Einschränkungen.

Video: "Die Entwicklung ist dramatisch", sagte Landeshauptmann Wilfred Haslauer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz:

Die Zahl der Neuinfektionen im Land sei zuletzt teilweise auf mehr als 130 pro Tag hinaufgeschnellt - das sei mehr als im Frühjahr. Vor nicht ganz zwei Wochen lag die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner im Bundesland noch bei rund 30, laut AGES erreichte sie mit gestern Nachmittag bereits einen Wert jenseits der 100. "Wir sehen die unbedingte Notwendigkeit Maßnahmen zu setzen, um nicht in einen weiteren Lockdown zu gehen", so Haslauer.

Ausgangsbeschränkungen wie bei Lockdown

Darum wird in Kuchl die Ein- und Ausreise untersagt, Ausnahmen gibt es nur mehr für die Versorgung mit Lebensmitteln oder Heizmaterial, für Einsatzfahrzeuge und für Pendler, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Innerhalb der Gemeinde müssen Gastronomie und Hotellerie zusperren. Handels- und Dienstleistungsgeschäfte bleiben für Gemeindebürger offen. Zudem gelten Ausgangsbeschränkungen wie beim Lockdown im Frühjahr - mit den bekannten Ausnahmen Bewegung im Freien, Nachbarschaftshilfe und Einkäufe.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 352,8 Fällen je 100.000 Einwohner (Stand: Mittwoch, 14.00 Uhr) nahm der Tennengau österreichweit mit deutlichem Abstand die unrühmliche Spitzenposition ein. Bei der heutigen Sitzung der Ampelkommission werde der Bezirk auf Rot geschaltet, sagte Haslauer. Die Bezirke Pongau (Bezirk St. Johann) und Flachgau (Salzburg-Umgebung) werden am Abend "Orange", die Landeshauptstadt bleibe noch knapp bei "Gelb".

Registrierungspflicht in Gastronomie

Das erst am Dienstag im Tennengau in Kraft getretene Verbot privater Feiern außerhalb des eigenen Wohnraums wird auf das ganze Bundesland ausgedehnt. In ganz Salzburg wird zudem eine Registrierungspflicht für die Gastronomie eingeführt - eine Maßnahme die das Land vor wenigen Wochen noch aus Datenschutzgründen abgelehnt hatte. Die Sperrstunde um 22.00 Uhr bleibt aufrecht, ausgenommen sind weiterhin Gäste in der Hotellerie. Zudem dürfen landesweit nicht mehr als 100 Personen zu Begräbnissen kommen.

Das Land führt weiters ein Veranstaltungsverbot ein, wenn es keine zugewiesenen Sitzplatze gibt - egal ob Indoor oder Outdoor. Die Verabreichung von Speisen und Getränken bei Veranstaltungen wird dabei verboten. Im Tennengau, Flachgau, Pongau und in der Stadt Salzburg werden alle Schüler ab der 9. Schulstufe auf Home Schooling umgestellt. Das sieht laut Haslauer die Bildungsampel so vor, die heute auf Orange gestellt werden wird. Auch die beiden Fachhochschulen in Kuchl und Puch stellen auf "Distance Learning" um. Die Maßnahmen werden ab Samstag, 17. Oktober, 0.00 Uhr bis vorerst bis 1. November, 24.00 Uhr, gelten.

Behelfsspital am Messegelände?

Der Gesundheitsminister unterstütze die Schritte, betonte Haslauer heute. "Geht die Entwicklung so weiter, kommt es zu einer Überforderung des Gesundheitssystems", warnte der Landeshauptmann. "Es ist absehbar, dass wir in knapp zwei Wochen an der Grenze der Versorgbarkeit angelangt sind." Binnen einer Woche hätte sich die Zahl der Hospitalisierungen verdoppelt, die Zahl der Intensivpatienten von eins auf vier erhöht. "Unter Umständen werden wir zeitnah in eine Situation kommen, in der wir das Behelfsspital am Messegelände wieder aktiveren müssen."

Die Zuspitzung der Situation in Kuchl und im Tennengau dürfte zum Teil auch einer gewissen Ignoranz einzelner Bürger gegenüber den bisherigen Maßnahmen zurückzuführen sein. "Wir haben in Kuchl keine Cluster mehr feststellen können", sagte Landessanitätsdirektoren Petra Juhasz am Donnerstag. "Es gab beim Angeben möglicher Kontaktpersonen von Infizierten keine Kooperation mehr. Viele haben Symptome, lassen sich aber nicht testen, um nicht in Quarantäne zu müssen." In sozialen Medien werde sogar dazu aufgerufen, unkooperativ zu sein und sich nicht an die Maßnahmen zu halten.

In Kuchl waren zuletzt 87 Personen aktiv mit dem Corona-Virus infiziert. Im gesamten Tennengau waren es 211 Personen, im Bundesland 670. Es liegen aber bereits weitere positive Testergebnisse vor, die noch nicht ins EMS eingespeist worden sind. Hier kommen landesweit noch einmal mehr als 120 hinzu.

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