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Innenpolitik

Biontech/Pfizer reduziert Lieferungen vorübergehend um ein Fünftel

Von Annette Gantner  18. Januar 2021 11:21 Uhr

Bundeskanzler Sebastian Kurz während einer Videokonferenz der "First Mover-Länder" 

WIEN. Kurz für rasche Zulassung von AstraZeneca, noch offene Fragen zu Wirksamkeit bei Älteren.

Bereits in der Vorwoche hatte Biontech/Pfizer Lieferengpässe angekündigt, nun wurden sie auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) bestätigt. Im Jänner wird Österreich 20 Prozent weniger Impfstoff zur Verfügung stehen. Im Februar soll das Minus nachgeholt werden. Grund für die vorübergehende Reduktion der Impfdosen ist, dass Biontech/Pfizer die Produktion umstellt, um die Kapazitäten erhöhen zu können. In Oberösterreich werden deshalb Impfungen bei Rettungsdiensten nach hinten verschoben.

Kurz besprach sich gestern per Videokonferenz mit mehreren Regierungschefs jener Länder, die beim Auftreten der Pandemie rasch gehandelt hatten, mittlerweile ihre Vorbildwirkung aber teils wieder eingebüßt haben: Australien, Dänemark, Griechenland, Israel, Norwegen, Tschechien. Im Anschluss erklärte Kurz, dass er sich gemeinsam mit Dänemark und Griechenland in der EU für eine rasche Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) einsetzen werde. „Für uns zählt jede Woche“, sagte er. Österreich würde den Plänen entsprechend im ersten Quartal bis zu zwei Millionen Dosen von AstraZeneca erhalten.

Der Wiener Vakzinologe an der Medizinischen Universität Wien, Markus Zeitlinger, hat Verständnis für die zögerliche Haltung der EMA. „Es gibt relativ wenige Daten für die Effektivität des AstraZeneca-Impfstoffs bei über 55-Jährigen. Die Studien, die hier vorliegen, sind ein Fleckerlteppich“, sagte er im Gespräch mit den OÖN.

Insgesamt erhielten 40.000 Probanden den Impfstoff: Der Immunisierungsgrad war bei jenen am höchsten, die aufgrund einer falschen Dosierung bei der Erstimpfung statt der vollen nur die halbe Dosis erhielten. Hier betrug die Schutzwirkung 90 Prozent, bei jenen, die zweimal die volle Dosis bekamen, nur rund 60 Prozent. Das Problem sei, dass die geringere Dosierung nicht an Älteren getestet worden sei. „Meine Herangehensweise wäre deshalb, die AstraZeneca-Impfung nur mit Warnhinweis für über 55-Jährige zuzulassen“, erläuterte Zeitlinger.

Dass zuletzt in Norwegen höchst betagte Menschen nach der Verabreichung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs gestorben sind, relativiert der Experte. In dieser Gruppe sei die Grundsterblichkeit unabhängig von der Impfung bereits groß. Tendenziell zeigten ältere Menschen aber weniger Nebenwirkungen als jüngere.

  • Video: PK nach der Videokonferenz mit "First-Mover"-Ländern

140.000 Impfungen

Bis heute Abend sollen 140.000 Menschen in Österreich geimpft sein, kündigte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) an. Die Verträglichkeit des Impfstoffs sei bisher sehr gut gewesen.

EU-Ministerin Karoline Edtstadler (VP) sprach sich gegenüber ihren EU-Amtskollegen für die Einführung eines europäischen Impfzertifikats aus. Ein solcher EU-Impfpass könne für die Mobilität Relevanz haben. 

"Das Virus kennt keinen Terminkalender"

Ein Ende des Lockdowns wird für den 8. Februar angepeilt, doch wollte selbst Kanzler Sebastian Kurz (VP) keine Garantie abgeben, dass es bei diesem Termin bleibt.

SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner hält wenig davon, konkrete Daten zu nennen. „Das Virus kennt keinen Terminkalender“, sagte sie. Sollte der 8. Februar nicht halten, würde die Bevölkerung allmählich das Vertrauen in die Regierung und die Maßnahmen verlieren. Sie sprach sich dafür aus, die flächendeckenden Tests in den Gesundheitsberufen zu starten sowie bis zum Ende des Lockdowns die über 80-Jährigen und das medizinische Personal durchzuimpfen. Schüler sollten wegen der britischen Virusmutation möglichst wenige in Betreuung geschickt werden.

FP-Chef Norbert Hofer sprach sich dafür aus, die Impfprioritäten-Liste der Regierung zu überarbeiten. So sollten Häftlinge nicht vor Lehrern geimpft werden. FP-Klubchef Herbert Kickl kündigte eine Ministeranklage und eine Strafanzeige gegen Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) an.

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Redakteurin Innenpolitik

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