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Weltspiegel

Taliban versprechen transparente Verteilung von Milliardenhilfen

Von nachrichten.at/apa   14. September 2021 17:12 Uhr

2016
Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi

KABUL/BRÜSSEL. Die radikalislamischen Taliban haben versprochen, die bei der UN-Geberkonferenz zugesagten humanitären Hilfen in Milliardenhöhe für alle nachvollziehbar an Bedürftige zu verteilen.

"Das Islamische Emirat wird sein Bestes tun, um diese Hilfe auf völlig transparente Weise an die bedürftige Bevölkerung zu verteilen", sagte der Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Kabul. Muttaqi bat die Geberländer, ihre Unterstützung für Afghanistan fortzusetzen.

"Islamisches Emirat" ist die Eigenbezeichnung der Taliban für Afghanistan, wo sie vor gut einem Monat nach dem Truppenabzug der Nato-Staaten die Macht übernommen hatten. Die Regierung der Taliban wird bisher international nicht anerkannt.

Große Erwartungen an Amerika 

Muttaqi forderte die USA nun auf, großzügiger zu sein. "Amerika ist ein großes Land, sie müssen ein großes Herz zeigen", sagte Muttaqi. Er begründete seine Forderung damit, dass die Taliban den USA bei ihrem Abzug und der Evakuierung von Ausländern per Luftbrücke geholfen hatten. "Aber anstatt sich zu bedanken, sprechen sie davon, Sanktionen gegen unser Volk zu verhängen", sagte Muttaqi.

Die USA hatten bei der Geberkonferenz am Montag 60 Millionen Dollar (54 Millionen) Euro Hilfe zugesagt. Zum Vergleich: In den 20 Jahren des US-Militäreinsatzes in Afghanistan hatte Washington mehr als zwei Billionen Dollar zur Stützung der nun gestürzten Regierung ausgegeben.

Insgesamt kamen der UNO zufolge am Montag 1,2 Milliarden Dollar (1,02 Milliarden Euro) zusammen. Deutschland und Frankreich versprachen jeweils 100 Millionen Euro. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die internationale Gemeinschaft bei der Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit den Taliban aufgerufen. Er glaube, die Hilfszahlungen könnten als Druckmittel eingesetzt werden, um die Islamisten zur Achtung der Menschenrechte zu bewegen.

Afghanistan ist seit Jahren auf internationale Hilfen angewiesen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten die Vereinten Nationen zu Hilfen im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar aufgerufen. Der entsprechende Topf ist aber nach wie vor stark unterfinanziert.

Hungersnot, Dürre, Wirtschaftskrise 

Den unmittelbaren Hilfsbedarf hatte Guterres am Montag auf 606 Millionen Dollar (514 Millionen Euro) beziffert. Fast ein Drittel dieses Bedarfs ist im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban entstanden.

Nach UN-Angaben ist nun die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren in Afghanistan von Hunger bedroht. Das Land leidet unter einer starken Dürre, seit der Machtübernahme der Taliban befindet es sich zudem in einer Wirtschaftskrise.

Die Taliban haben keinen Zugang zu Finanzmitteln der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Washington hat seine Finanzhilfen für die afghanische Regierung eingefroren. Die neuen Machthaber haben deshalb Probleme, Gehälter auszuzahlen und die Verteuerung der Lebensmittel einzudämmen.

Muttaqi zufolge hat Afghanistan bereits Hilfen aus Ländern wie Pakistan, Katar und Usbekistan erhalten. Einzelheiten dazu nannte er aber nicht. Zudem habe er mit dem chinesischen Botschafter über Corona-Impfstoffe und andere humanitäre Anliegen gesprochen. Peking habe demnach 15 Millionen Dollar zugesagt, die "bald" zur Verfügung stünden.

"Die Krise dort ist nicht vorbei"

Die Europäische Union will in Afghanistan den Dialog mit der Taliban-Regierung suchen. "Die Krise dort ist nicht vorbei", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Dienstag im EU-Parlament in Straßburg. "Wenn wir die Vorgänge dort irgendwie beeinflussen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als mit den Taliban in Kontakt zu treten." Die EU wolle sich mit den Mitgliedern der Regierung austauschen, inwieweit eine diplomatische Präsenz in Kabul möglich sei.

Die EU will ihre humanitäre Hilfe für Afghanistan fortsetzen und will sich genau anschauen, wie die neuen Machthaber in dem Land regierten. Insbesondere der Umgang mit Menschenrechten und dem Recht auf Bildung für Frauen und Kinder ist der EU wichtig. "Vielleicht ist es ein reines Oxymoron, über Menschenrechte zu sprechen, aber wir müssen sie danach fragen", sagte Borrell. Die EU müsse sich auf eine Welle an Flüchtlingen aus Afghanistan gefasst machen, sollten die Taliban Ausreisegenehmigungen erteilen. Allerdings werde kein so starker Zustrom wie 2015 erwartet, als zahlreiche Menschen aus Syrien geflohen waren.

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