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Chronik

Großer Coronavirus-Cluster in Wien: "Es zeigt alles nach Hagenbrunn"

Von nachrichten.at/apa   17. Mai 2020 16:48 Uhr

Peter Hacker
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ)

WIEN. Die Bundeshauptstadt nimmt nach dem gehäuften Auftreten von Coronavirus-Infektionen bei Leiharbeitern verstärkt deren Arbeitgeber ins Visier.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat am Sonntag eine erste Analyse präsentiert. Laut dem Ressortchef deutet alles darauf hin, dass das Postzentrum im niederösterreichischen Hagenbrunn bzw. die Leiharbeitsfirmen Auslöser waren. Nur zehn Prozent der Wiener Betroffenen wiesen offenbar Symptome auf.

"Es zeigt alles nach Hagenbrunn", sagte Hacker. Dies habe die genaue Betrachtung der jüngsten Zahlen - viele der in Hagenbrunn tätigen Arbeiter leben in Wien - ergeben. Leiharbeit sei offenbar diesbezüglich ein großes Problem. Mit Flüchtlingen habe dies nichts zu tun. Denn die meisten Fälle etwa in der Unterkunft in Erdberg ließen sich auf die Post-Verteilzentren zurückführen - und nicht umgekehrt.

>> Video: An die 80 Menschen sind allein in Wien infiziert

Großteil der Leiharbeiter keine Flüchtlinge

Laut Stadt Wien sind offenbar aus Erdberg vor allem Personen betroffen, die als Leiharbeiter bei der Post tätig waren bzw. in weiterer Folge Personen, zu denen sie Kontakt hatten. Von mehr als 1.000 Tests in verschiedenen Asyl-Einrichtungen waren nur knapp 40 (davon vier Betreuungspersonen, Anm.) positiv. Dabei sei ein Konnex in Sachen Leiharbeit erkennbar gewesen, hieß es. Der Großteil der betroffenen Leiharbeiter seien zudem keine Flüchtlinge, wurde versichert.

Der Cluster in Sachen Post sei erkannt worden, weil Wien genauer hinschaue: "Wir bringen Licht in den Schatten." Dabei habe man entdeckt, dass nur zehn Prozent der Fälle symptomatisch waren. Beim Rest sei die Infektion offenbar sehr leicht verlaufen. Dies sei eine neue Erkenntnis, versicherte Hacker. Man stehe vor keinem neuerlichen "Ausbruch", sondern die gestiegenen Zahlen ergäben sich daraus, dass punktuell sehr intensiv untersucht werde.

Kritik von FP und VP "Wien-Bashing"

"Vergleichbares würde man in ganz Österreich finden", zeigte sich der Ressortchef überzeugt. Nötig sei darum nun auch, mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in eine Diskussion zu treten. Es werde eine Debatte über die statistischen Zahlen geben müssen.

Die Kritik von FPÖ und ÖVP wertete er als "Wien-Bashing" im Wahlkampf. In diese Diskussion wolle er sich nicht hineinziehen lassen: "Weil mir das zu blöd ist." Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wolle wohl ablenken von Niederösterreich, "wo die Infektionszahlen ansteigen sowie von seiner glorreichen Rolle in Ischgl".

Todesfall-Statistik unverändert

Erstmals seit zwei Monaten stieg Zahl der mit oder an Covid-19 Verstorbenen nicht an. Die Zahl der nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Österreich Verstorbenen ist bis Sonntagvormittag mit 629 gleich hoch wie am Vortag geblieben. Damit hat sich die Zahl der Toten einer APA-Statistik zufolge erstmals seit dem 15. März nicht erhöht. 197 Menschen wurden laut Innen- und Gesundheitsministerium wegen Covid-19 in Spitälern behandelt, elf weniger als am Tag zuvor.

Auch die Zahl der Corona-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen ist weiter gesunken, um zwei Personen auf 48. Insgesamt 14.563 vormals Erkrankte sind wieder genesen. Insgesamt wurden bisher 362.509 Tests durchgeführt.

In Oberösterreich wurden Sonntagabend 28 Infektionen registriert. Keine einzige Infektion gibt es aktuell in Wels sowie in den Bezirken Braunau, Eferding, Schärding und Vöcklabruck. Bisher hat das Land Oberösterreich 60 Todesfälle gemeldet, derzeit befinden sich zwölf Erkrankte im Spital, vier weitere auf der Intensivstation.

Insgesamt wurden in Oberösterreich 2275 Personen positiv auf Covid-19 getestet. In ganz Österreich registrierte das Gesundheitsministerium seit Ausbruch der Epidemie 16.151 Infektionen - bis Sonntagfrüh. Die gemeinsame Aussendung mit dem Innenministerium wies dann am Vormittag 16.242 positive Testergebnisse aus. Das Innenressort erhebt die Zahlen im Rahmen der Koordination des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements im Einsatz- und Koordinationscenter (EKC) über eine Videokonferenz, diese Zahlen können daher Fälle enthalten, die im Epidemiologischen Melderegister (EMS) noch nicht erfasst sind.

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