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Widerstand gegen neue "Mini-Atomreaktoren" an oberösterreichischer Grenze

Von Valentin Bayer, 08. November 2022, 12:43 Uhr
AKW Temelin
Das Atomkraftwerk Temelin könnte ab 2032 mit neuen Kleinreaktoren erweitert werden. Bild: Reuters

LINZ. Grünen-Landesrat Stefan Kaineder: "Zu teuer, zu langsam, zu gefährlich"

Am Dienstag verurteilte Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) erneut das Vorhaben der Tschechischen Republik, bis 2023 einen sogenannten "Small Modular Reactor" (SMR) am Gelände des AKW Temelin zu errichten. "Diese Pläne für einen Atomversuchspark erhöhen die Gefahr für Oberösterreich und wir müssen uns vehement dagegenstemmen", sagte Kaineder bei einer Pressekonferenz. 

"Versuchspark" deshalb, weil diese "SMR", zu Deutsch "kleine modulare Reaktoren", bisher in der Praxis noch kaum zur Anwendung gekommen sind. In der Literatur gibt es 130 verschiedene Konzepte, erläuterte Raphael Zimmerl vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der BOKU bei der Pressekonferenz. Sie unterscheiden sich zum Beispiel in den verwendeten Kühlmitteln und Brennstoffen. Kommerziell werden sie bisher nicht eingesetzt, es gibt nur sehr wenige Versuchsreaktoren. Viele davon hätten mit Verzögerungen wegen Sicherheitsbedenken und technischer Schwierigkeiten zu kämpfen. 

Gemein ist allen Typen von SMR der Grundgedanke: Statt eines großen Reaktors sollen mehrere kleine mit einer Leistung von maximal 300 Megawatt errichtet werden. Zum Vergleich: Der "herkömmliche" Reaktor im tschechischen Kraftwerk Dukovany hat eine Leistung von ca. 500 Megawatt. Das Argument der Reaktorhersteller und Atomkraftbefürworter ist, dass durch mehrere kleinere Anlagen, die in Serie produziert werden, die Anlagen günstiger zu errichten sind.

Größere Fehleranfälligkeit

Zimmerl zog diese These in Zweifel: Zum einen ist die Effektivität der SMR geringer, sodass weniger Energie aus derselben Menge Brennstoff erzeugt wird als bei größeren Reaktoren. Zudem braucht jede der kleineren Anlagen die selben Sicherungsmaßnahmen wie eine große, sodass der Wartungsaufwand, aber auch die Gefahr für menschliches Versagen oder Materialversagen steigt. Zudem müssten mehrere hundert Anlagen desselben oder ähnlichen Typs produziert werden, um tatsächlich in der Herstellung billiger zu kommen. 

Hinzu kommt, dass die tatsächliche Umsetzung wahrscheinlich noch in weiter Ferne liegt. "Wir sehen bei Projekten wie Hinkley Point in England, dass es zu massiven Verzögerungen gekommen ist. Deren Technologie ist aber bereits erprobt. Die SMR wurden bisher noch nie realisiert, auch hier wären große Verzögerungen wahrscheinlich", sagte Zimmerl. Ob eine Inbetriebnahme bis 2032, wie in Tschechien angestrebt, tatsächlich möglich ist, sei also fragwürdig. 

Große Befürwortung in tschechischer Bevölkerung

Laut Dalibor Strasky, dem Anti-Atombeauftragten des Landes, zeigt sich auch die tschechische Aufsichtsbehörde SUJB skeptisch ob der zeitnahen Umsetzbarkeit der Pläne. Die SMR könnten laut der Behörde kein Ersatz für neue herkömmliche Kraftwerksblöcke sein. Pläne für die Errichtung neuer Blöcke würden laut Strasky derzeit nicht mehr auf Temelin, sondern auf das weiter östlich gelegene AKW Dukovany konzentieren. Die Unterstützung der tschechischen Bevölkerung für Atomkraft sei indes weiterhin groß: Zuletzt sprachen sich in einer Umfrage 70 Prozent für Atomkraft aus. 

Landesrat Kaineder kündigte an, dass Oberösterreich seinen Widerstand gegen einen AKW-Ausbau fortsetzen werde. Atomkraft sei im Vergleich zu erneuerbaren Energien nicht nur teurer und brauche zu lange im Ausbau. "Wir haben im Sommer bei der Abschaltung von AKW in Frankreich auch gesehen, dass die Technologie nicht zuverlässig und gefährlich ist", sagte er. Zudem zeige der Ukraine-Konflikt und die Situation des umkämpften AKW Saporischschja auch das sicherheitspolitische Risiko auf. 

Oberösterreich werde deshalb weiterhin versuchen, politisch und auf Ebene der Verwaltung gegen den Ausbau der Atomkraft einzutreten. Auch die Klage der Bundesregierung gegen die Einstufung von Atomenergie als grüne Energie werde das Land weiter unterstützen. 

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Autor
Valentin Bayer
Redakteur Oberösterreich
Valentin Bayer
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22  Kommentare
22  Kommentare
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Gugelbua (32.308 Kommentare)
am 09.11.2022 12:52

keine Angst -Atomstrom ist nun GRÜN 🥺

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schubbi (3.658 Kommentare)
am 09.11.2022 11:03

Der Kaineder soll sich lieber um unsere Betonpolitiker kümmern als um tschechische Atompolitiker

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schubbi (3.658 Kommentare)
am 09.11.2022 11:04

Die sind nämlich mindestens genauso gefährlich für die Menschheit

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hetztdiegleiter (336 Kommentare)
am 09.11.2022 09:45

Die Kaineders, die brauchen wir wie einen Kropf. Gestern war der alte in den Medien, er will die Welt retten mit unserem Geld.
Und jetzt plustert der junge sich wieder auf, bei Themen, von denen er nichts versteht und die ihn aber auch gar nix angehen.

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NedDeppat (14.468 Kommentare)
am 09.11.2022 06:43

Warum nicht auch in Österreich?

Wir importieren dann lieber wieder Strom, auch aus Tschechien und der Ukraine?

Danke liebe GRÜNE, danke für nichts

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betterthantherest (35.412 Kommentare)
am 08.11.2022 19:38

Schon die Greta sagte: Atomkraft ist Teil der Lösung.

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benzinverweigerer (14.662 Kommentare)
am 08.11.2022 21:50

PV-Strom ist ganz konkret Atomstrom!

Da ist die Strahlung auch sofort schädlich spürbar... Sonnenbrand und in weiterer Folge Hautkrebs.

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schubbi (3.658 Kommentare)
am 09.11.2022 11:00

😂😂😂

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schubbi (3.658 Kommentare)
am 09.11.2022 11:01

Verbrecherpartei und Falottenpartei - passt wie Faust aufs Aug´

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schubbi (3.658 Kommentare)
am 09.11.2022 13:29

Fehlt nur mehr die Schenkpartei

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holzofen (628 Kommentare)
am 08.11.2022 17:46

Was schwafelt der Kaineder bloss daher?
Atomstrom ist doch GRÜN also Clean oder doch nicht?

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benzinverweigerer (14.662 Kommentare)
am 08.11.2022 21:48

Ja natürlich!
Gas ja jetzt auch.
Die EU hat erkannt, dass wir uns ansonsten mit unserer CO2-Spinnerei komplett abschießen...

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HumpDump (5.050 Kommentare)
am 08.11.2022 17:22

Die Tschechen können im Gegensatz zu unseren Grünen eben rechnen und den steigenden Strombedarf für die Energiewende abdecken.

Kein Wunder, dass Österreich ständig Strom aus Tschechien (momentan 1,2 GW) und Deutschland (momentan 1,5 GW) bezieht, warum wohl? Nettoimportquote in Summe 10% @ 2021.

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Zonne1 (3.740 Kommentare)
am 08.11.2022 15:59

Dieses so "beliebte" Atom-zeug soll wohl nur an den Landesgrenzen gebaut werden

Warum nur ?
Warum nicht dort, wo auch die Abwärme gebraucht werden kann , mitten in Prag.

nur so eine Frage.

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HumpDump (5.050 Kommentare)
am 08.11.2022 17:26

Spielzeug?

Warum bezieht Österreich im Moment ca. 1.4 GW elektrische Leistung aus Tschechien und 1.5 GW aus Deutschland?

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tradiwaberl (15.779 Kommentare)
am 08.11.2022 15:55

SMR werden aber trotzdem ein Teil der Zukunft sein.
Der Energiebedarf wird steigen... und rein mit einfachen, regenerativen Ressourcen werden wir das nicht stemmen können.

https://de.wikipedia.org/wiki/Small_Modular_Reactor

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Zonne1 (3.740 Kommentare)
am 08.11.2022 16:04

fliegende Autos wurden uns auch schon als "Teil der Zukunft" verkauft.

ist aber in Wirklichkeit alles viel zu teuer, genauso wie das SMR-Hirngespinnst.
Die Flotte von Atom-Containerschiffen ist auch nicht gekommen, das kann sich nur das Militär leisten.

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benzinverweigerer (14.662 Kommentare)
am 08.11.2022 16:21

In China, USA, Finnland.... sollen diese Reaktoren zu hunderten vom Fließband laufen.
Lesens mal nach.

Typen- statt Einzelgenehmigungen geplant
Weil man es in Finnland aber eilig hat, hat das staatliche Forschungsunternehmen VTT zusammen mit dem teilstaatlichen Energiekonzern Fortum, der estnischen Fermi Energia und der belgischen Tractebel eine Entwicklungsgesellschaft gegründet, die einen SMR mit einer Leistung von 300 MW zur lokalen Fernwärmeversorgung finnischer Städte bauen will.

Die finnische Strahlenaufsichtsbehörde STUK ist eine der ersten nationalen Atomaufsichtsbehörden, die auch schon die Grundlagen für ein Genehmigungsverfahren von SMR-Reaktortypen erarbeitet hat.

Und das Wirtschaftsministerium bereitet eine Reform der Atomsicherheitsgesetzgebung im Hinblick auf Typgenehmigungen vor.
Denn ein Vorteil des SMR-Konzepts soll es sein, dass nicht jeder Reaktor neu genehmigt werden muss, sondern eine bloße Typgenehmigung ausreichen soll.

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Zonne1 (3.740 Kommentare)
am 08.11.2022 16:30

jaja , es gibt auch Desertec und Gobitech und Cargolifter

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benzinverweigerer (14.662 Kommentare)
am 08.11.2022 21:46

jaja... "Desertec" = weltweites HGÜ-Netz, macht China jetzt im Alleingang, weil die EU nicht über Geschwafel hinauskam.

Derzeit ganz konkret im Entstehen:
Eine 8500km Stromleitung von China nach Chile, für PV und Windstrom, in der Nacht, in China und in der Nacht in Chile.

Relativ wenig Verlust, da eben HGÜ = Gleichstromleitung mit über 1 Million Volt.

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reibungslos (14.832 Kommentare)
am 08.11.2022 21:35

Ein Atomheizkraftwerk für Helsinki wollte man schon in den 1980ern bauen. Die Pläne waren praktisch fertig.

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kratzfrei (19.103 Kommentare)
am 08.11.2022 20:38

Kaineders persönliche Beurteilung......
Ob das die tschechische Energiewirtschaft besonders beindrucken wird...?

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