Lade Inhalte...

Steyr

Miglars würziger WortWechsel

19. Februar 2021 18:14 Uhr

Astrid Miglar
Astrid Miglar aus Reichraming (privat)

REICHRAMING. Wortwechsel-Autor Astrid Miglar ist noch in Faschingslaune und schreibt heute würzig von gestohlenen Dienstagen, über goldene Regeln und Schreibfehlern, die ihr wohl irgendwie durchgerutscht sind.

Eine besondere Verleihung: Der Goldene Shit!

Ich war dabei. Ich gebe zu, ich bin einen Hauch zu spät ins Online-Geschehen eingestiegen. Zeitmangel! Dennoch, ich war dabei als der „Goldene Shit“ verliehen wurde. Was das ist? Warten Sie, ich versuch’s mit einer Erklärung.

Der Goldene Shit: Irgendwo im Hinterkopf steckt mir eine Begriffsbestimmung, die ein Verhältnis verkündet, von etwa einem Drittel zu zwei Drittel oder zwei Fünftel zu drei Fünftel. Es hat etwas mit Asymmetrie zu tun, die aufreizend sein soll. Erstaunlich, nicht wahr? Mit Gewissheit kann ich sagen, dass es den Goldenen Shit überall gibt. In der Natur genauso, wie in von Menschenhand Erschaffenem. Es ist nichts, was sich mit einer Schere zurechtschneiden ließe. Der Goldene Shit ist tatsächlich mehr als nur Ansichtssache, und er lässt sich berechnen, wobei ich die Berechnung nicht verstehe. Dafür kann ich mit Gewissheit sagen, ob mir etwas gefällt, denn grundsätzlich reagiere ich überrascht und verblüfft auf den Goldenen Shit. 

Der Goldene Shit ist unumstößlicher Meister der Proportionen, ohne anzüglich zu werden. Er findet sich in Gesichtern, die – auch wenn kein Gesicht perfekte Symmetrie aufweist – reizende Wirkung auf den Betrachter haben. Auch in den Formen menschlicher Körper findet er sich, … wenn die Verhältnisse im Lot sind. Wir finden entsprechend shitig Goldenes nicht nur im Goldfisch, sondern auch in Muscheln, in diesem wunderbaren Emoji-Kackhaufen auf meinem Handy, in Autos (außer in meinem), in Bauwerken, in der körperlichen Ästhetik einer Katze (sogar dann, wenn sie sich den Hintern putzt), in der Form von Kastanien-, Ahorn- und Eichenblättern, in antiken Tempeln. Sogar Werkzeuge, eine Schaufel beispielsweise, verneigen sich vorm Goldenen Shit.

Sogar ich unterwerfe mich – überwiegend unbewusst – der Schönheit des Goldenen Shit. Wenn ich fotografiere, mag ich es nicht, mein Objekt der Begierde in die absolute Mitte zu rücken. Ich dränge meine Hauptdarsteller immer ein wenig nach links oder rechts außen. Gelingt mir das nicht, ist es zum Naserümpfen. Zudem neige ich beim Knipsen dazu, nichts in seiner Mitte ruhen zu lassen. Immer ist’s ein wenig schief, nicht perfekt ausgerichtet, und doch ist es genau dieser automatische Drang zur schönen Darstellung, die den Hang zum Goldenen Shit ausmacht. 

Vielleicht? Vielleicht könnten auch wir alle mehr Goldener Shit sein? Vielleicht genügt es, wenn wir ein wenig aus dem Mittelpunkt des Geschehens rutschen, uns bequem zurechtsetzen und zu Betrachtern werden, die wiederum gerne betrachtet werden, weil sie sich nicht aufdrängen, sondern deliziös und unaufdringlich einfügen? 

Ach herrje und sapperlot! Ist mir das jetzt peinlich. Ich bitte um Entschuldigung. Ich unterlag einem klitzekleinen Schreibfehler. Es muss, Sie haben es erraten, „Goldener Schnitt“ heißen. Ersetzen Sie doch bitte einfach „Goldener Shit“ durch „Goldener Schnitt“, … dann wird alles gut.

Pardon! Es muss daran liegen, dass man mir dieses Jahr den Faschingsdienstag stahl. Ich durfte mich bisher nicht richtig austoben, … nur meine Frisur, die macht das inzwischen hemmungslos. 

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

1  Kommentar expand_more 1  Kommentar expand_less